Corona
Restaurants im Oberledingerland leiden unter Absagen
2G oder 2G+? Test oder nicht? Viele Gäste im Oberledingerland sind von den wechselnden Regeln für den Restaurantbesuch verunsichert. Gastronomen berichten von zahlreichen Stornierungen.
Rhauderfehn - Eigentlich sah es ziemlich gut aus. „Das Auftragsbuch für Dezember war voll“, sagt Hisret Akan, Chef des Restaurants Mediterran in Ostrhauderfehn. Dann verordnete das Land der Gastronomie die 2G+-Regelung, und der Ärger nahm seinen Lauf: „Schlagartig kamen die Stornierungen rein. Von all den Reservierungen ist nichts übrig geblieben“, so Akan. Dass vor einigen Tagen mit einer Rolle rückwärts wieder auf 2G bei 70-prozentiger Auslastung der Räumlichkeiten umgestellt wurde, habe daran nichts geändert: „Die Leute haben mittlerweile umgeplant. Das bringt uns jetzt nichts mehr.“
Die Regelung
In Restaurants gilt in der ersten Warnstufe die G2-Regelung: Es müssen Impf- oder Genesenennachweise vorgelegt werden. Ein aktueller negativer Test ist nicht notwendig. In den Warnstufen zwei und drei gilt 2G+ (also Impf- oder Genesenennachweis plus aktueller Testung) nur, wenn der Gastronom seine Räume voll belegen will. Belegt er lediglich bis zu 70 Prozent der Plätze braucht der Gast keinen zusätzlichen Nachweis über eine negative Testung vorlegen. Es gelten aber natürlich die üblichen Hygieneregelungen - wie Anstand halten und Maske tragen, wenn man den Platz verlässt.
Erich Wagner, Vorsitzender des Dehoga-Bezirksverbands Ostfriesland, weiß, dass in ganz Ostfriesland Betriebe unter dem Hin und Her der Verordnungen leiden. Das sei besonders tragisch, da das Weihnachtsgeschäft für Hotels und Gaststätten mit das wichtigste im Jahr sei. Wagner ärgert sich über die ständigen Veränderungen und spricht von einem „Shutdown durch die Hintertür“. Dazu komme noch, dass es für die Betriebe in der Branche nicht die Winterhilfen von vor einem Jahre gebe und nun weitere harte Monate folgten, bis es endlich wieder wärmer werde. „Die Kollegen wissen nicht mehr weiter. Einige von ihnen heulen.“
„Was geht, hat sich nicht herumgesprochen“
Das verwundert nicht: „Ich habe für Weihnachten noch ganze zwei Reservierungen“, sagt Michael Malz vom Restaurant „Zur Koppel“ in Stickhausen. Täglich seien in den vergangenen Tagen Stornierungen eingegangen. „Die Leute haben die Testung gescheut, die sie für die 2G+-Regelung benötigt hätten. Oder sie konnten für ihren Restaurantbesuch nicht passend eine Testung organisieren. Weil das für sie alles so kompliziert war, haben sie lieber aufs Essengehen verzichtet“, erzählt er.
Nun sei eine Testung nicht mehr notwendig, wenn der Gastronom seinen Laden nicht voll belege. „Wir haben sowieso nur 50 Prozent der Plätze vergeben. Das wäre hier also kein Problem. Aber die Leute sind stark verunsichert durch dass Hin und Her bei den Regeln. Denen schwirrt der Kopf von dem Durcheinander“, weiß Malz. Dass Geimpfte und Genesene auch ohne Test wieder essen gehen können, habe sich noch nicht überall herumgesprochen. „Viele sind erstaunt, wenn ich darauf aufmerksam mache. Das habe ich auch von Berufskollegen gehört. Und wenn man vorher gewusst hätte, dass jetzt wieder 2G gilt, hätten manche sicher nicht storniert.“
Viele Restaurants mit 2G
Ihm ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass vor Weihnachten und an den Festtagen ein Restaurantbesuch ohne Testtermin möglich ist - bei ihm und in allen Restaurants, die ihre Auslastung auf 70 Prozent drosseln.
Das ist beispielsweise auch im Rhauderfehner Asia-Restaurant „Fang“ der Fall. Das Haus hatte Anfang Dezember mit beginn der 2G+-Regelung seine Türen geschlossen, weil die scharfe Beschränkung nicht wirtschaftlich umzusetzen war. Nun öffnet es am 17. Dezember wieder, mit 2G, wie es über die sozialen Medien veröffentlich wurde.
Stattdessen gibt es Außer-Haus-Service
Hisrat Akan hingegen hat die Reißleine gezogen. „Den Laden mit 2G+ offen zu lassen, wäre unwirtschaftlich gewesen. Das können wir uns nicht leisten“, sagt der Restaurantchef. Er hat den Restaurantbetrieb dicht gemacht - und so soll es bis Januar auch bleiben. „Jetzt wieder zu öffnen, lohnt sich nicht. Freitags, sonnabends und sonntags bieten wir von 17.30 bis 20 Uhr einen Außer-Haus-Service“, erzählt Akan. Am 1. und 2. Weihnachtstag könne zusätzlich von 12 bis 15 Uhr vorbestelltes Essen abgeholt werden. „Und wir haben ein Weihnachtsmenü im Angebot - ebenfalls zum Mitnehmen.“ Der Außer-Haus-Verkauf habe sich auch im ersten Lockdown bewährt, „dank vieler Stammkunden“.
Denen ist auch Thomas Berghaus vom Ihrhover Dorfkrug dankbar: „Sie haben uns sehr unterstützt.“ Denn derzeit läuft alles auf Sparflamme. „Die 2G+-Regelung hat uns sehr geschadet. Firmenfeiern, Familienessen: „70 Prozent der Bestellungen Anfang Dezember wurden wieder abgesagt. Für die Weihnachtswoche haben 95 Prozent der Gäste storniert“, sagt er. Dicht macht er aber nicht: „Die, die nicht storniert haben, werden auch bewirtet.“ Die anderen bekomme man nun auf die Schnelle auch nicht zurück: „Wir haben aber allen unseren Catering-Service angeboten. Der wird auch gut nachgefragt.“