Soziales
Barßel schafft Mobilheim für Obdachlose an
Die SPD-Fraktion kritisiert den Caravan, den die Gemeinde für Menschen ohne Obdach kaufen will, als menschenunwürdige Unterkunft. Auch der Standort am Bauhof gefällt ihr nicht. Doch CDU/FDP war dafür.
Barßel - Eine kontroverse Diskussion lieferte sich der Barßeler Rat in seiner Sitzung am Mittwoch in der Aula der Integrierten Gesamtschule. Dabei ging es um die Anschaffung eines Mobilheims für die kurzfristige Unterbringung sozialer Notfälle. Die Gemeindeverwaltung ist zuständig für die Unterbringung von Obdachlosen. Die Verwaltung hatte sich jedoch vergeblich bemüht, dafür Wohnraum anzumieten. Sie hatte deshalb vorgeschlagen, für rund 30.000 Euro ein ganzjährig nutzbares Mobilheim zu kaufen, das auf einem abgetrennten Bereich des Bauhofs aufgestellt werden soll.
Die SPD-Fraktion hatte ihre Position dazu schriftlich ausgearbeitet, Rieke Klawon trug das Statement im Rat vor. Die Sozialdemokraten kritisierten die Unterbringung in einem Wohncontainer als „menschenunwürdig“. Auch den geplanten Standort finden sie „miserabel“. So würden Menschen an den Rand der Gesellschaft gestellt, ausgeschlossen von der Allgemeinheit.
Thema für den Sozialausschuss
Die Fraktion schlug vor, das Thema im Sozialausschuss zu besprechen, auch um ein Konzept für die Gestaltung des Aufenthalts zu entwickeln. „Wir haben jetzt Mitte Dezember. Wenn wir das Thema an den Ausschuss überweisen, sind wir damit im Januar noch nicht weiter“, gab Ralph Schröder, Vorsitzender der Gruppe CDU/FDP, zu bedenken. Die Christdemokraten hielten den Erwerb eines Mobilheims als temporäre Unterbringungsmöglichkeit für angebracht und fanden den Standort beim Bauhof „ideal“. Der befinde sich in einem Wohngebiet und die Polizei bekomme einen Schlüssel. Mit der Anschaffung eines Mobilheims erklärte sich die BfB-Fraktion einverstanden, hielt jedoch den Standort wegen der Randlage ebenfalls nicht für angebracht.
Erster Gemeinderat Michael Sope, der den abwesenden Bürgermeister vertrat, erläuterte ausgiebig, dass es bei der Unterbringung in einem Mobilheim nicht darum gehe, dass dort etwa eine Flüchtlingsfamilie oder eine Frau mit Kindern, die vor häuslicher Gewalt geflüchtet sei, wochenlang lebe. Es handele sich um eine reine Maßnahme der Gefahrenabwehr, und es gehe um ein Obdach für die Nacht. Die Gemeinde bemühe sich alternativ, ein Hotelzimmer anzumieten, habe jedoch schon die Erfahrung gemacht, dass Hotels nicht bereit waren, einen umherziehenden Obdachlosen aufzunehmen. Zum Aspekt, die Unterbringung sei menschenunwürdig, stellte Sope fest, dass Familien in genau solchen Caravans, wie die Gemeinde einen zu kaufen plane, drei Wochen Urlaub machten.
Mehrheit für Caravan-Kauf
Mit der Mehrheit von 14 Stimmen der anwesenden CDU/FDP-Gruppe und gegen die zwölf Stimmen von SPD, Grünen und BfB lehnte der Rat es ab, das Thema im Sozialausschuss zu besprechen. Anschließend erfolgte der Beschluss, dass die Gemeinde ein Mobilheim anschafft mit 14 Ja-Stimmen, neun Nein-Stimmen und drei Enthaltungen.
Ebenfalls beschlossen wurde im Rat der Erwerb eines Bürocontainers, der vor dem Rathaus aufgestellt wird. Dort können aus Platzmangel keine Besprechungen mehr stattfinden, weil der ehemalige Ratssaal in Arbeitsräume umgewandelt worden ist. Der Container soll gut 13.000 Euro kosten. Der Beschluss erfolgte gegen die drei Stimmen der BfB.