Politik

Ratssitzung auf Plattdeutsch: Grüner fühlt sich ausgegrenzt

| | 15.12.2021 10:41 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die letzte Ratssitzung in Ostrhauderfehn wird für gewöhnlich auf Plattdeutsch abgehalten. Foto: Kneffel/dpa
Die letzte Ratssitzung in Ostrhauderfehn wird für gewöhnlich auf Plattdeutsch abgehalten. Foto: Kneffel/dpa
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Die letzte Ratssitzung im Jahr wird hierzulande gerne auf Plattdeutsch gehalten. Der Ostrhauderfehner Grünen-Politiker Manfred Cybalski fühlt sich dadurch benachteiligt und protestierte nun dagegen.

Ostrhauderfehn - In vielen Kommunen in der Region ist es eine lange Tradition, dass die letzte Sitzung des Gemeinderates im Jahr auf Plattdeutsch abgehalten wird. Dieses Ritual gilt für gewöhnlich auch in Ostrhauderfehn - zumindest bis Dienstagabend. Dort protestierte das Grünen-Fraktionsmitglied Manfred Cybalski gegen diese Regelung. Bei Tagesordnungspunkt 7, bei dem es um die Geschäftsordnung des Rates ging, machte er deutlich: „Ich kann kein Platt und fühle mich hier ausgegrenzt.“ Es folgte eine muntere Diskussion über diesen Einwand. Schlussendlich einigten sich die Mitglieder des Gremiums darauf, auf Hochdeutsch weiterzumachen. Cybalski sagte zuvor verärgert: „Ich bin kaum in der Lage, den bisherigen Ausführungen der Ratsmitglieder zu folgen. Es fällt mir schwer, über Beschlüsse abzustimmen, wenn ich die Debatte dazu nicht verstehe.“

Manfred Cybalski fühlte sich während der Ratssitzung ausgegrenzt. Archivfoto: Zein
Manfred Cybalski fühlte sich während der Ratssitzung ausgegrenzt. Archivfoto: Zein

Ostrhauderfehns Bürgermeister Günter Harders (parteilos) zeigte dafür wenig Verständnis und erklärte: „Wir fördern mit dieser Tradition die plattdeutsche Sprache. Wer nach so vielen Jahren das Plattdeutsche nicht versteht, der will es auch nicht verstehen.“ Auch SPD-Fraktionschef Michael Erhardts pflichtete dem Verwaltungschef bei. Er betonte: „Es ist eine gute Tradition, dass wir die letzte Sitzung des Jahres auf Plattdeutsch abhalten.“

Fraktionskollege könnte künftig den Übersetzer spielen

Unterstützung erhielt Cybalski dagegen von einigen Mitgliedern der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG). Sie plädierten dafür, die Sitzung auf Hochdeutsch fortzusetzen. UWG/CDU-Gruppenchef Lars Krummen betonte allerdings: „Wir wollen daran festhalten, dass einmal im Jahr eine Sitzung auf Plattdeutsch ist.“ Er schlug vor, dass Cybalskis Fraktionskollege Dieter Ertwiens-Buchwald, der der plattdeutschen Sprache mächtig ist, aber am Dienstagabend krankheitsbedingt fehlte, beim nächsten Mal vielleicht „den Übersetzer spielen könnte“. Eine endgültige Entscheidung, wie es bei der letzten Ratssitzung im Jahr 2022 dann gehandhabt werden soll, wurde aber noch nicht getroffen.

Bürgermeister Harders erklärte am Mittwochmorgen auf Nachfrage, dass die Plattdeutsch-Regelung auch in der aktuellen Geschäftsordnung des Rates definiert sei. Allerdings lässt auch diese Formulierung einen gewissen Spielraum. Dort steht in Paragraph 2, Absatz 5, geschrieben: „Die voraussichtlich letzte Sitzung des Rates eines jeden Jahres soll möglichst in plattdeutscher Sprache abgehalten werden. Sitzungsvorlagen und Protokoll werden hochdeutsch verfasst.“

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