Soziales

Gemeinden suchen dringend Wohnraum für Asylbewerber

| | 11.12.2021 15:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Grenzdurchgangslager Friedland: Flüchtlinge gehen in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen im Grenzdurchgangslager Friedland an Unterkünften vorbei. Aktuell kommen viele Asylsuchende nach Niedersachsen. Foto: Pförtner/DPA
Das Grenzdurchgangslager Friedland: Flüchtlinge gehen in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen im Grenzdurchgangslager Friedland an Unterkünften vorbei. Aktuell kommen viele Asylsuchende nach Niedersachsen. Foto: Pförtner/DPA
Artikel teilen:

Bis zum Herbst 2022 werden voraussichtlich 479 Asylsuchende in den Landkreis Cloppenburg kommen. 2020 hatten die Kommunen Wohnungen für diesen Personenkreis wieder abgebaut. Nun besteht erneut Bedarf.

Barßel/Saterland/Cloppenburg - Die Städte und Gemeinden im Landkreis Cloppenburg richten sich darauf ein, dass sie in den kommenden Monaten wieder vermehrt Flüchtlinge und Migranten unterbringen müssen. „Das Land Niedersachsen hat mit Erlass vom 20. August eine neue Verteilquote für Asylbewerber bekanntgegeben.

Nach Anrechnung der bereits im Landkreis Cloppenburg über Quote aufgenommenen Asylbewerber ergibt sich eine Verteilquote von 479 Personen. Der Verteilzeitraum dauert voraussichtlich bis zum Herbst 2022“, teilte Pressesprecher Frank Beumker vom Landkreis Cloppenburg auf Anfrage mit.

2020 wurden Unterkünfte abgebaut

Derzeit bemühen sich die Kommunen, wieder Wohnraum anzumieten, unter anderem auch die Gemeinden Barßel und Saterland. Im Laufe des Jahres 2020 haben beide Gemeinden Häuser und Wohnungen, die sie nach der Flüchtlingswelle 2015 angemietet hatten, wieder abgegeben. „Die Unterkünfte wurden abgebaut in Absprache mit dem Landkreis Cloppenburg, der die Versorgung von Asylbewerbern finanziert“, wie Sozialamtsleiter Dennis Lüthje von der Gemeinde Barßel auf Nachfrage bestätigt.

„Wir haben derzeit keinen Wohnraum für Asylsuchende“, sagt Bürgermeister Thomas Otto von der Gemeinde Saterland. Die Kommune ist aber dringend bemüht, wieder Wohnraum anzumieten.

„Ziel der Gemeinde Saterland ist es, die Asylsuchenden möglichst dezentral in Wohnungen im gesamten Gemeindegebiet unterzubringen“, teilte der bei der Gemeinde Saterland zuständige Fachbereichsleiter Christof Naber mit. Bereits in den Jahren 2015 und 2016 habe die Gemeinde damit gute Erfahrungen gemacht.

Woher kommen die Geflüchteten?

„Die Zuweisungen aufgrund der neuen Verteilquote aus der Landesaufnahmebehörde in Bramsche sind im September angelaufen. Bis Ende November wurden knapp über 80 Geflüchtete im Landkreis Cloppenburg aufgenommen. Die Geflüchteten kommen insbesondere aus Syrien, Afghanistan, dem Irak sowie aus der Türkei“, sagt Kreissprecher Frank Beumker.

Die Unterbringung erfolge in den von den Städten und Gemeinden bereits angemieteten Asylwohnungen sowie in den Gemeinschaftsunterkünften. Es stehen rund 75 Asylwohnungen und 17 Gemeinschaftsunterkünfte zur Verfügung. Dies ergibt insgesamt über 850 Wohnplätze. Für die Unterbringung werden zunächst die vorhandenen freien Plätze genutzt. Hinzu kommen die Wohnplätze, die von bereits anerkannten Flüchtlingen noch vorübergehend genutzt werden, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Bei der Wohnungssuche werden die Geflüchteten von Sozialarbeitern unterstützt, so Beumker.

Die im Vergleich zu den Vorjahren doch relativ hohe Verteilquote führe nach Angaben von Beumker dazu, dass alle vorhandenen Wohnplätze auch tatsächlich genutzt werden sollen. So werden auch „stille Reserven“ wieder reaktiviert. „Eine bereits geschlossene Gemeinschaftsunterkunft wird bis auf Weiteres wieder eingerichtet. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Caritas-Sozialwerk und dem Deutschen Roten Kreuz, den Trägern der Gemeinschaftsunterkünfte. Und das klappt gut“, so Beumker.

Kapazitäten könnten an ihre Grenzen stoßen

Die genauen Belegungszahlen in den Unterkünften sowie die Anzahl der wöchentlich zugewiesenen Flüchtlinge ändern sich derzeit permanent, sagt Beumker. Genaue Zuweisungszahlen an die Städte und Gemeinden könnten deshalb zurzeit noch nicht benannt werden. Die Landesaufnahmebehörde habe Ende November die wöchentlichen Zuweisungszahlen auf 15 Geflüchtete angehoben. „Dies kann bei einer längeren Dauer dazu führen, dass die vorhandenen Kapazitäten an Wohnplätzen an ihre Grenzen stoßen. Insbesondere, wenn es nicht gelingt, für die bereits anerkannten Geflüchteten in den Asylunterkünften neue Wohnungen zu finden“, so der Kreissprecher.

Der Landkreis Cloppenburg werde sich gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden beraten und austauschen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang neue Asylwohnungen angemietet werden müssen. Die Gemeinde Barßel müsse allerdings auch an den Kreis herantreten, um zu erfahren, zu welchen Konditionen sie Wohnungen anmieten kann, sagt Lüthje. Derzeit verfügt die Gemeinde Barßel nach Auskunft des Sozialamtsleiters über acht Wohnungen für Asylbewerber. Drei Wohnungen mit insgesamt 14 Plätzen sind frei. Fünf Wohnungen seien als sogenannte „Fehlbeleger“ besetzt, sagt Lüthje. Die Leute, die darin leben, müssten sich aufgrund ihres Aufenthaltsstatus‘ nun eigenständig um Wohnraum bemühen, da sie nicht mehr berechtigt sind, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu beziehen.

Ähnliche Artikel