Infrastruktur

Strücklingen: Noch keine Genehmigung für Neubauprojekt

| | 08.12.2021 13:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Abgerissen ist das Traditionslokal Strücklinger Hof an der Hauptstraße in Strücklingen. Noch hat sich auf dem Areal an der Hauptstraße 634 nichts weiter getan. Das soll im neuen Jahr anders werden. Fotos: Fertig
Abgerissen ist das Traditionslokal Strücklinger Hof an der Hauptstraße in Strücklingen. Noch hat sich auf dem Areal an der Hauptstraße 634 nichts weiter getan. Das soll im neuen Jahr anders werden. Fotos: Fertig
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Ein Bauunternehmer aus Quakenbrück will auf dem Gelände, auf dem früher der Strücklinger Hof stand, Mehrfamilienhäuser errichten. Noch konnte er mit dem Bauen nicht anfangen. Die Genehmigung fehlt.

Strücklingen - Im Frühjahr hat Wjatscheslaw Pankratz den Strücklinger Hof abreißen lassen. Der Bauingenieur aus Quakenbrück hatte das Grundstück samt Gebäude im August 2020 vom Wirtsehepaar Maria und Bernhard Helmke gekauft und die Traditionsgaststätte, deren Anfänge ins Jahr 1863 zurückreichten, plattgemacht, um auf dem rund 11.000 Quadratmeter großen Areal Platz für ein Neubauprojekt zu machen.

Der Unternehmer will an der Hauptstraße 640 zwei Mehrfamilienhäuser errichten, eines mit zwölf Wohnungen, das andere mit neun. Die Gebäude sollen zweieinhalb Geschosse haben und mit einem Fahrstuhl ausgestattet werden.

Wassersportler haben Wegerecht

Doch dieses Jahr werde es mit dem Bau wohl nicht mehr losgehen, stellte Pankratz auf Nachfrage unserer Zeitung fest. Er denkt an einen Baustart im Februar. Noch hat er keine Baugenehmigung vom Landkreis Cloppenburg. Pankratz begründet das mit dem Umfang seines Projekts. Es seien viele Fragen zu klären, etwa bezüglich der Stellplätze sowie der Genehmigungen für die sonstigen Nutzer des ehemaligen Gaststättengeländes.

Die Paddel- und Pedalstation, die in Strücklingen an der Sagter Ems liegt, kann an ihrem angestammten Platz bleiben. Die Gemeinde Saterland hat diesen Teil des Grundstücks von Investor Wjatscheslaw Pankratz gekauft. Das Überwegungsrecht, mit dem der Zugang von der Hauptstraße aus möglich ist, wurde vertraglich festgeschrieben.
Die Paddel- und Pedalstation, die in Strücklingen an der Sagter Ems liegt, kann an ihrem angestammten Platz bleiben. Die Gemeinde Saterland hat diesen Teil des Grundstücks von Investor Wjatscheslaw Pankratz gekauft. Das Überwegungsrecht, mit dem der Zugang von der Hauptstraße aus möglich ist, wurde vertraglich festgeschrieben.

Das sind sowohl die Mitglieder des Strücklinger Wassersportvereins Sagter Ems, die auf dem Gelände ihr Vereinsheim, den Skipper-Treff, haben wie auch die Gäste der Strücklinger Paddel- und Pedalstation. Die Gemeinde Saterland hatte beim Leda-Jümme-Verband angefragt, ob sich die Zuwegung zu dem Bootsverleih verlegen lasse auf den Deichsicherungsweg. Wegen des Hochwasserschutzes hatte sich der Verband dagegen ausgesprochen. Daraufhin erwarb die Gemeinde Saterland im Juli 2021 einen Teil des Grundstücks von Pankratz und setzte vertraglich ein Überwegungsrecht fest. Wassersportler können das Gelände weiterhin von der Hauptstraße aus betreten.

Erster Bauantrag vor einem Jahr

Zu dem langen Zeitraum, den es braucht, bis die Kreisverwaltung den Bauantrag des Quakenbrücker Unternehmers genehmigt, teilt Kreissprecher Frank Beumker mit, dass Pankratz am 7. Dezember 2020 den ersten Antrag für den Neubau einer Wohnanlage eingereicht habe. Diese Baumaßnahme sei nicht genehmigungsfähig gewesen, weil unter anderem Gebäudeabstände nicht eingehalten und Standorte für Gebäude eingeplant waren, die laut Bebauungsplan im nicht überbaubaren Bereich liegen. Nach einem abschlägigen Bescheid habe der Bauherr Ende März 2021 überarbeitete Anträge für die zwei Mehrfamilienhäuser eingereicht.

Auch der Skipper-Treff, das Vereinsheim des Strücklinger Wassersportvereins Sagter Ems, bleibt auf dem Gelände. Das Gebäude steht mittlerweile auf gemeindeeigenem Grund.
Auch der Skipper-Treff, das Vereinsheim des Strücklinger Wassersportvereins Sagter Ems, bleibt auf dem Gelände. Das Gebäude steht mittlerweile auf gemeindeeigenem Grund.

„Die baurechtliche Prüfung des Landkreises ergab, dass die Anträge unvollständig und wegen des erneut nicht eingehaltenen Gebäudeabstandes ebenfalls nicht genehmigungsfähig waren“, teilt Beumker mit. Zudem habe sich herausgestellt, dass Carports und Nebenanlagen in der Deichschutzzone geplant und deswegen abzulehnen waren. Für die Stellplätze wäre eine deichrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich gewesen. Das Bauvorhaben sei nochmals vom Bauherrn umgeplant und am 16. September erneut beim Landkreis eingereicht worden. Wie der Kreissprecher sagt, hatte das Bauamt jüngst mehrfach Kontakt mit Pankratz. Trotz des aktuell hohen Arbeitsaufkommens werde die rechtliche Prüfung der nachgereichten Unterlagen durch das Bauamt zeitnah erfolgen.

Vereine verloren ihr Vereinslokal

Vom Abriss des Strücklinger Hofs waren etliche Saterländer Vereine betroffen, die das Gasthaus als Vereinslokal genutzt hatten. Der Club Birke 69, der dort 1969 gegründet wurde und vor dem Haus alljährlich einen Maibaum aufgesetzt hatte, hatte seine Sammlung aller Maibaumstümpfe über der Theke des Strücklinger Hofes präsentiert. Die Birkenstubben seien seit der Aufgabe des Lokals eingelagert beim dritten Vorsitzenden des Vereins, Jonas Bunger, erläutert Birke-Vorsitzender Lars Kramer. Ob sie je wieder ausgestellt werden, sei ungewiss.

50 Jahre lang war der Strücklinger Hof das Vereinslokal des Clubs Birke 69, der dort alljährlich einen Maibaum aufstellte. Die abgesägten Stumpen der verwendeten Bäume waren fein säuberlich über der Theke des Landgasthofs aufgereiht - hier ein Archivbild, das den früheren Wirt Bernhard Helmke damit in seiner Gaststube zeigt. Nun ist das Gebäude abgerissen, und der Maibaumverein muss sich einen neuen Standort suchen. Archivfoto: Fertig
50 Jahre lang war der Strücklinger Hof das Vereinslokal des Clubs Birke 69, der dort alljährlich einen Maibaum aufstellte. Die abgesägten Stumpen der verwendeten Bäume waren fein säuberlich über der Theke des Landgasthofs aufgereiht - hier ein Archivbild, das den früheren Wirt Bernhard Helmke damit in seiner Gaststube zeigt. Nun ist das Gebäude abgerissen, und der Maibaumverein muss sich einen neuen Standort suchen. Archivfoto: Fertig

Für Veranstaltungen nutzt der Club Birke inzwischen die Sportlerklause am Strücklinger Tennisplatz. Sie ist das Vereinsheim des Sportvereins Strücklingen, der ebenfalls den Strücklinger Hof als Vereinslokal hatte.

Auch der Wittensander Böllerverein Widerhall war früher im Strücklinger Hof. Nun hat er nach Auskunft seines Vorsitzenden Andre Waden eine Versammlung im Wittensander Dorfgemeinschaftshaus veranstaltet. Das habe allen gefallen, teilt Waden mit. Die Holzhütte liege zentral und biete eine nette Atmosphäre.

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