Infrastruktur
Strücklingen: Noch keine Genehmigung für Neubauprojekt
Ein Bauunternehmer aus Quakenbrück will auf dem Gelände, auf dem früher der Strücklinger Hof stand, Mehrfamilienhäuser errichten. Noch konnte er mit dem Bauen nicht anfangen. Die Genehmigung fehlt.
Strücklingen - Im Frühjahr hat Wjatscheslaw Pankratz den Strücklinger Hof abreißen lassen. Der Bauingenieur aus Quakenbrück hatte das Grundstück samt Gebäude im August 2020 vom Wirtsehepaar Maria und Bernhard Helmke gekauft und die Traditionsgaststätte, deren Anfänge ins Jahr 1863 zurückreichten, plattgemacht, um auf dem rund 11.000 Quadratmeter großen Areal Platz für ein Neubauprojekt zu machen.
Der Unternehmer will an der Hauptstraße 640 zwei Mehrfamilienhäuser errichten, eines mit zwölf Wohnungen, das andere mit neun. Die Gebäude sollen zweieinhalb Geschosse haben und mit einem Fahrstuhl ausgestattet werden.
Wassersportler haben Wegerecht
Doch dieses Jahr werde es mit dem Bau wohl nicht mehr losgehen, stellte Pankratz auf Nachfrage unserer Zeitung fest. Er denkt an einen Baustart im Februar. Noch hat er keine Baugenehmigung vom Landkreis Cloppenburg. Pankratz begründet das mit dem Umfang seines Projekts. Es seien viele Fragen zu klären, etwa bezüglich der Stellplätze sowie der Genehmigungen für die sonstigen Nutzer des ehemaligen Gaststättengeländes.
Das sind sowohl die Mitglieder des Strücklinger Wassersportvereins Sagter Ems, die auf dem Gelände ihr Vereinsheim, den Skipper-Treff, haben wie auch die Gäste der Strücklinger Paddel- und Pedalstation. Die Gemeinde Saterland hatte beim Leda-Jümme-Verband angefragt, ob sich die Zuwegung zu dem Bootsverleih verlegen lasse auf den Deichsicherungsweg. Wegen des Hochwasserschutzes hatte sich der Verband dagegen ausgesprochen. Daraufhin erwarb die Gemeinde Saterland im Juli 2021 einen Teil des Grundstücks von Pankratz und setzte vertraglich ein Überwegungsrecht fest. Wassersportler können das Gelände weiterhin von der Hauptstraße aus betreten.
Erster Bauantrag vor einem Jahr
Zu dem langen Zeitraum, den es braucht, bis die Kreisverwaltung den Bauantrag des Quakenbrücker Unternehmers genehmigt, teilt Kreissprecher Frank Beumker mit, dass Pankratz am 7. Dezember 2020 den ersten Antrag für den Neubau einer Wohnanlage eingereicht habe. Diese Baumaßnahme sei nicht genehmigungsfähig gewesen, weil unter anderem Gebäudeabstände nicht eingehalten und Standorte für Gebäude eingeplant waren, die laut Bebauungsplan im nicht überbaubaren Bereich liegen. Nach einem abschlägigen Bescheid habe der Bauherr Ende März 2021 überarbeitete Anträge für die zwei Mehrfamilienhäuser eingereicht.
„Die baurechtliche Prüfung des Landkreises ergab, dass die Anträge unvollständig und wegen des erneut nicht eingehaltenen Gebäudeabstandes ebenfalls nicht genehmigungsfähig waren“, teilt Beumker mit. Zudem habe sich herausgestellt, dass Carports und Nebenanlagen in der Deichschutzzone geplant und deswegen abzulehnen waren. Für die Stellplätze wäre eine deichrechtliche Ausnahmegenehmigung erforderlich gewesen. Das Bauvorhaben sei nochmals vom Bauherrn umgeplant und am 16. September erneut beim Landkreis eingereicht worden. Wie der Kreissprecher sagt, hatte das Bauamt jüngst mehrfach Kontakt mit Pankratz. Trotz des aktuell hohen Arbeitsaufkommens werde die rechtliche Prüfung der nachgereichten Unterlagen durch das Bauamt zeitnah erfolgen.
Vereine verloren ihr Vereinslokal
Vom Abriss des Strücklinger Hofs waren etliche Saterländer Vereine betroffen, die das Gasthaus als Vereinslokal genutzt hatten. Der Club Birke 69, der dort 1969 gegründet wurde und vor dem Haus alljährlich einen Maibaum aufgesetzt hatte, hatte seine Sammlung aller Maibaumstümpfe über der Theke des Strücklinger Hofes präsentiert. Die Birkenstubben seien seit der Aufgabe des Lokals eingelagert beim dritten Vorsitzenden des Vereins, Jonas Bunger, erläutert Birke-Vorsitzender Lars Kramer. Ob sie je wieder ausgestellt werden, sei ungewiss.
Für Veranstaltungen nutzt der Club Birke inzwischen die Sportlerklause am Strücklinger Tennisplatz. Sie ist das Vereinsheim des Sportvereins Strücklingen, der ebenfalls den Strücklinger Hof als Vereinslokal hatte.
Auch der Wittensander Böllerverein Widerhall war früher im Strücklinger Hof. Nun hat er nach Auskunft seines Vorsitzenden Andre Waden eine Versammlung im Wittensander Dorfgemeinschaftshaus veranstaltet. Das habe allen gefallen, teilt Waden mit. Die Holzhütte liege zentral und biete eine nette Atmosphäre.