Justiz
Feuerwehrmann angeklagt: 64 Mal in die Kasse gegriffen?
Mehr als 10.000 Euro soll ein ehemaliger Feuerwehrmann von einem Gemeinschaftskonto der Freiwilligen Feuerwehr Westrhauderfehn entwendet haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben.
Westrhauderfehn/Aurich/Cloppenburg - Insgesamt mehr als 10.000 Euro soll ein ehemaliger Kamerad aus der Gemeinschaftskasse der Freiwilligen Feuerwehr Westrhauderfehn für private Zwecke entwendet haben. Das haben Recherchen dieser Zeitung ergeben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Aurich gegen den ehemaligen Kassenwart der Ortswehr Anklage erhoben. Das teilte Staatsanwalt Jan Wilken am Freitag mit.
Die Anklage vom 14. Oktober sei dem in der Gemeinde Rhauderfehn lebenden Beschuldigten zugestellt worden. Dem Fehntjer werde gewerbsmäßige Untreue in 64 Fällen vorgeworfen, sagte Wilken.
Gewerbsmäßige Untreue bedeutet, so Wilken, dass der mutmaßliche Täter mit dem veruntreuten Geld einen Teil seines Lebensunterhalts finanziert hat. Die Taten erstreckten sich laut Anklagebehörde auf den Zeitraum von April 2020 bis August 2021. 64 Mal soll er Geld vom Konto der Fehntjer Feuerwehr an sogenannte Payment-Services-Provider überwiesen haben. Das sind Unternehmen, die sich auf Online-Bezahldienste spezialisiert haben.
Der mutmaßliche Täter habe das Geld nicht auf sein privates Konto überwiesen, führte Staatsanwaltschaftssprecher Wilken weiter aus.
Verhandelt wird der Fall demnächst vor dem Amtsgericht in Leer, sagte er. Bei gewerbsmäßiger Untreue komme je nach Schwere der Tat eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und bis zu zehn Jahren in Betracht.
Sonderprüfung beim Arbeitgeber
Im Oktober hatte der Beschuldigte im Gespräch mit dieser Redaktion die Tat eingeräumt. Er bereue sie zutiefst, sagte er damals. Er leide an einer Suchtkrankheit und habe sich in eine Behandlung begeben. Das Geld habe er in voller Höhe an die Freiwillige Feuerwehr Westrhauderfehn zurückgezahlt. Er habe selbstständig und unaufgefordert zur Aufklärung des Vorfalls beigetragen, betonte er. Aus der Feuerwehr sei er inzwischen ausgeschieden.
Weil der mutmaßliche Täter in leitender Funktion bei einem kommunalen Unternehmen im Landkreis Cloppenburg beschäftigt ist, sorgt der Fall auch dort für Aufsehen. In dem Unternehmen läuft seit einigen Wochen wegen der Vorwürfe gegen den Mann eine Sonderprüfung der Geschäfte. Unregelmäßigkeiten seien bislang aber nicht festgestellt worden. Das teilte Landkreis-Pressesprecher Frank Beumker mit. Gleichwohl sei der Geschäftsführer derzeit nicht im Dienst.
Die Freiwillige Feuerwehr Westrhauderfehn ist eine von sieben Ortsfeuerwehren in der Gemeinde Rhauderfehn. Träger ist die Gemeinde Rhauderfehn. Der Kommune sei nach Angaben von Bürgermeister Geert Müller durch die Taten des Ex-Kassenwartes kein finanzieller Schaden entstanden. Es sei ein reines privates Konto der Kameraden gewesen.