Turnen

Gleich fünf Klaassens leiten ein Turn-Training

| | 06.10.2021 18:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mehrmals in der Woche leitet die Familie Klaassen in der Turnhalle des Emder TV Trainingseinheiten im Gerätturnen: Kea (oben von links), Enna, Vater Gerd, Isa (unten von links) und Mutter Adelheid. Foto: Homes
Mehrmals in der Woche leitet die Familie Klaassen in der Turnhalle des Emder TV Trainingseinheiten im Gerätturnen: Kea (oben von links), Enna, Vater Gerd, Isa (unten von links) und Mutter Adelheid. Foto: Homes
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Die Gerätturn-Sparte des Emder TV ist in fester Hand einer Riepster Familie. Gleich vier Klaassens sind Trainer – und das fünfte Mitglied scharrt schon mit den Hufen.

Emden - Familienpower in der Emder Bronshalle: Adelheid Klaassen gibt Anweisungen am Stufenbarren, Kea Klaassen beaufsichtigt die Bodenturnerinnen, Enna Klaassen unterstützt beim Handstand auf dem Schwebebalken, Gerd Klaassen übt mit zwei Jungs am Barren – und Isa Klaassen dehnt sich erst selbst, ehe sie mit turnt und ebenfalls Hilfestellungen gibt. Szenen wie diese spielen sich dreimal wöchentlich in der Halle des Emder TV ab, denn die Gerätturn-Sparte des Vereins ist in fester Hand der Familie Klaassen aus Riepe.

Mit Gerd (57) und Adelheid (54) sowie deren Töchtern Kea (22) und Enna (17) stellt die Familie gleich vier Turn-Trainer mit entsprechender C-Lizenz. Und die fünfte Turn-Übungsleiterin der Familie steht mit der 13-jährigen Isa bereits in den Startlöchern. „Ich hätte jetzt schon gerne meine Lizenz gemacht, aber leider bin ich noch zu jung dafür“, sagt das „Küken“ der Familie. Mindestens 16 Jahre alt muss ein C-Lizenz-Anwerber nach den Statuten des Deutschen Turner-Bunds (DTB) sein. Bereits jetzt hilft die 13-Jährige schon tatkräftig bei den Turnstunden mit. Diese stehen dreimal wöchentlich an: dienstags, mittwochs und freitags.

Der Stufenbarren ist einer von mehreren Geräten, die zum Training aufgebaut werden. Foto: Homes
Der Stufenbarren ist einer von mehreren Geräten, die zum Training aufgebaut werden. Foto: Homes

Jungs trainieren andere Geräte

Dienstags um 17 Uhr läutet eine Anfängergruppe ab sechs Jahren die Turnwoche ein. „Ich leite diese zusammen mit Lea Büscher und Lina Mennen“, sagt Kea Klaassen. „Aber oft kommen wir dann gleich mit dazu und helfen“, ergänzt Mutter Adelheid prompt. „Gerade wenn viele Kinder da sind, braucht man viele Trainer, damit die Turner nicht so lange warten müssen, ehe sie am Gerät dran sind.“ Eine Stunde später steht dann das Training der Wettkampfgruppe an. Am Mittwoch sind hintereinander drei Gruppen dran: Anfänger, Fortgeschrittene und Wettkampfturner. „Dann sind wir vier Stunden in der Halle“, sagt Adelheid Klaassen, die viermal wöchentlich am Vormittag einen Spielkreis leitet. Zumeist gegen 18 Uhr stößt ihr Mann Gerd zum Turn-Trainerteam dazu. „Ich komme dann direkt von der Arbeit“, sagt der Diplom-Ingenieur Chemietechnik der Hochschule Emden-Leer.

Der 57-Jährige kümmert sich in den Trainingseinheiten hauptsächlich um die Jungen. „Jungs müssen bei Wettkämpfen andere Geräte turnen als Mädchen. Sie gehen an den Barren, ans Pauschenpferd sowie an die Ringe, Mädchen gar nicht – dafür aber an den Schwebebalken“, erklärt Gerd Klaassen. Er engagierte sich mit Sohn Jan – der 24-Jährige wohnt mittlerweile aufgrund seines Studiums in Osnabrück – beim Emder TV erst in der Judo-Sparte, ehe er 2018 nach der Trainer-C-Gerätturnausbildung beim Turnen mit einstieg. Freitags braucht er jedoch nicht in die Bronshalle zu kommen. Denn dann trainiert Adelheid Klaassen – teils mit den Töchtern, die selber noch mitmachen – die „Skyjumper“. Das ist eine Spaßshowgruppe, die Choreographien einstudiert, die dann bei Events aufgeführt werden – unter anderem bei der Ostfriesischen Turnshow.

Verantwortung früh übernommen

Dass sich die Familie Klaassen so in der Gerätturn-Abteilung des Emder TV engagiert, ist der ältesten Tochter Kea Klaassen zu verdanken. „Mit sieben Jahren wollte sie unbedingt zum Gerätturnen“, erinnert sich ihre Mutter. Damals gab es beim Emder TV lediglich eine Gerätturn-Gruppe mit nicht einmal 20 Kindern und Jugendlichen verschiedenen Alters. Die damals einzige Trainerin Gisela Siemens fragte die oft zuschauende Adelheid Klaassen, ob sie nicht mal mithelfen wolle. Darauf stieg sie bei Inka Gerritzen und später Kerstin Eden als Übungsleiterhelferin und nach Vollendung der C-Lizenz als Trainerin ein.

Die jüngsten Sprösslinge der Familie, Enna und Isa, wuchsen dann praktisch in der Turnhalle auf. Erst turnten sie nur mit, ehe sie nun selbst mehr und mehr Verantwortung übernehmen. „Es macht einfach Spaß – vor allem weil wir als Familie zusammen sind“, sagt Enna Klaassen. Geplant werden die Turnstunden gemeinsam – „irgendwann und irgendwo zwischendurch zu Hause“, sagt Adelheid Klaassen.

Heimtraining in der Lockdown-Zeit

Gerd und Adelheid Klaassen legen großen Wert darauf, nicht nur Spaß zu vermitteln, sondern auch besonders auf die Körperhaltung der Kinder und Jugendlichen zu achten. „Immer mehr junge Leute haben große Defizite in der Motorik, sind sehr steif, was gerade jetzt nach der Coronapause auffällt“, sagt Gerd Klaassen. Noch könne er einiges mitturnen und vormachen. „Es hält fit, man wird aber auch älter.“ Auch deshalb sieht das Klaassen-Ehepaar zu, nicht nur gute Turner, sondern auch frühzeitig gute Trainer ausbilden zu lassen. Neben den eigenen Kindern konnten die Klaassens bereits auch andere Turner für einen Lehrgang mobilisieren – so wie derzeit Okka Barghoorn und Lina Mennen. „Die Klaassen-Familie ist gut drauf und entspannt. Es macht Laune mit ihr in der Halle“, sagt Nils Reck aus Turner- und auch Trainerkollegensicht. „Sie geben gute Hilfestellungen und erklären genau“, lobt Turnerin Viktoria Ahaneku. Die 15-Jährige ist eine von etwa 80 Zuverlässigen, die beim Emder TV mittlerweile die Gerätturn-Gruppen besuchen.

Trotz der pandemiebedingten Pause sind die allermeisten Turnerinnen und Turner dabeigeblieben. Das mag auch daran gelegen haben, dass die Klaassens in der Lockdown-Zeit ein Trainingsprogramm über Zoom angeboten haben, an dem die Kinder und Jugendlichen von zu Hause aus teilnehmen konnten.

Apropros zu Hause: Bei den Klaassens merken Besucher sofort, dass in diesem Haus eine Turnfamilie wohnt. So liegt unter der Treppe allerlei Material – unter anderem aufblasbare Turnmatten und ein Schaumstoffbalken. Im Garten stehen ein großes Trampolin und eine Reckstange. Doch bei den Klaassens geht es nicht nur turnerisch zu, sondern auch musikalisch: Jedes Kind kann mindestens ein Instrument spielen.

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