Freizeitsport
Strücklingen nimmt Kunstrasenplatz in Betrieb
731.000 Euro hat das neue Fußballfeld des SV Strücklingens gekostet: ein Kunstrasenfeld. Der SV zahlte 50.000 Euro selbst. Der Platz ist nach einem Verfahren gebaut, das weniger umweltschädlich ist.
Strücklingen - Am Freitag wird am Strücklinger Stockweg der neue Kunstrasenplatz des SV Strücklingen offiziell in Betrieb genommen. Der feierlichen Einweihung des Fußballfelds im Beisein von Vertretern der Gemeinde Saterland, des Kreissportbunds und des Landkreises Cloppenburg folgt um 18 Uhr der Anpfiff zum ersten Spiel: Die E-Jugend des Vereins tritt gegen eine Mannschaft vom SV Hansa Friesoythe an.
Peter Hermes, seit 1999 Vorsitzender des Strücklinger Sportvereins, freut sich, dass die neue Anlage nun endlich in Betrieb geht. Ein Jahr lang habe es gedauert bis zum Baubeginn, erzählt er. Etliche Behörden seien involviert gewesen. Fünf Monate lang wurde die knapp 7200 Quadratmeter große Fläche eingerichtet. Auf dem Gelände hatte sich vorher ein Rasenplatz befunden. 731.000 Euro kostet die Kunstrasenfläche. Erstellt worden ist sie von der Straßen- und Landschaftsbaufirma Borchers aus Surwold als Generalunternehmen.
Über Sonderprogramm gefördert
Das Geld stammt größtenteils aus Fördertöpfen der Gemeinde Saterland und des Landkreises Cloppenburg. Knapp 50.000 Euro hat der SV Strücklingen neben viel ehrenamtlicher Arbeit selbst dazu beigetragen. „Das ist viel Geld für unseren Verein“, beteuert Vorsitzender Hermes. Der Eigenanteil war Voraussetzung dafür, dass das Projekt vom Kreis über dessen „Sonderprogramm des Landkreises Cloppenburg zur Förderung von Kunstrasenplätzen durch den Landkreis Cloppenburg und seinen Städten und Gemeinden“ bezuschusst wurde. Zu den Bedingungen gehört außerdem, dass alle Fußballvereine der Gemeinde den Platz nutzen können.
Das Programm wurde 2018 aufgelegt für die Dauer von fünf Jahren. Nach Auskunft von Kreissprecher Sascha Sebastian Rühl ist der Platz in Strücklingen der dritte, der vom Kreis gefördert wurde. Der Landkreis Cloppenburg hat außerdem für die Kunstrasenplätze des SV Blau-Weiß-Galgenmoor und des TuS Emstekerfeld eine Förderung entsprechend dem Sonderprogramm bewilligt. Bei der Sportschule Lastrup war bereits vor dem Auflegen des Förderprogramms ein Kunstrasenplatz in Nutzung. Pro Jahr sollen aus dem Programm maximal drei Kunstrasenlätze gefördert werden, und zwar über das gesamte Kreisgebiet verteilt, so dass Ende 2023 insgesamt 15 Kunstrasenplätze vorhanden sein können, so Rühl.
Nachbarkreis Leer förderte bisher keine Kunstrasenplätze
Der Landkreis Leer habe bislang keinen Kunstrasenplatz gefördert, sagt dessen Kreissprecher Philipp Koenen. Eine Förderung von Sportplätzen, die Vereinen gehören, käme nur infrage, wenn diese auch von Schulen genutzt werden können – und wenn für den Sportunterricht ein Kunstrasen erforderlich wäre.
Die Gemeinde Saterland hat sich mit einem Anteil von 55 Prozent an den Gesamtkosten beteiligt. Das ist mehr als die Förderbedingungen des Landkreises vorsahen. Die setzen voraus, dass sich die Gemeinde, in der der Platz entsteht, mindestens ebenfalls zu 40 Prozent beteiligt. Doch die verbliebenen 20 Prozent der Kosten wären bei der hohen Gesamtsumme vom SV Strücklingen nicht zu stemmen gewesen. Deshalb hatte der Saterländer Rat im März 2021 gegen die Stimmen von SPD und Grünen beschlossen, das Projekt mit 403.000 Euro zu fördern. Die Gruppe SPD/Grüne hatte deswegen ihre Zustimmung zum Haushalt 2021 verweigert.
Quarzsand statt Kunststoffgranulat
Der Platz sei nach dem neuesten Verfahren entstanden - mit weniger Kunststoff als bei früheren Plätzen, die Kunstrasenplätze als Umweltsauerei wegen des Abriebs von Mikroplastik in Verruf gebracht hatten, erläutert SV-Vorsitzender Hermes. Statt mit Kunststoffgranulat seien in Strücklingen auf die Kunstrasenfasern 110 Tonnen Quarzsand aufgebracht worden. Dadurch wird die Rutsch- und Verletzungsgefahr für die Spieler vermindert.
Der BUND empfehle und fordere Alternativen wie Sandplätze, teilt Dr. Tonja Mannstedt, Leitung der Kommunikationsabteilung vom BUND-Landesverband Niedersachsen, mit. Insofern sei die Planung vor Ort zu begrüßen. Auch Matthias Freter, Pressereferent des NABU-Landesverbands Niedersachsen, teilt mit, Quarzsand oder auch Kork seien „selbstverständlich deutlich bessere Alternativen zu Kunststoffen, da diese die Umwelt nicht mit Mikroplastik verseuchen können. Gleichzeitig ist hier aber zu bedenken, dass es sich bei Quarzsand um eine endliche Ressource handelt.“
Das Kunstrasenfeld in Strücklingen ist außerdem sehr wasserdurchlässig. Der Plastikrasen könne bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter schlucken, sagt Hermes. „Ich habe mich selbst auch gewundert, dass das geht“, stellt der Vereinsvorsitzende fest. Damit ist das Feld ganzjährig bespielbar. Unterhalb des Rasens liege ein Filter, der das Grundwasser vor Kunststofffasern schützt. 15 Jahre soll der Platz halten, eventuell sogar länger, erklärt Hermes. Der Quarzsand halte mindestens fünf Jahre, das habe die Firma Borchers in Aussicht gestellt. Hermes hofft, dass er auch selbst mal auf dem neuen Spielfeld kicken kann: Der 58-Jährige ist in der Altliga seines Vereins aktiv.
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