Geschichte

Pfarrer äußert Kritik an Johanniter-Ausstellung

| | 26.08.2021 15:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Zur Wanderausstellung „Johanniter an der Nordseeküste“ meldete sich jetzt Pfarrer August Vornhusen (sitzend) zu Wort. Archivfoto: Hellmann
Zur Wanderausstellung „Johanniter an der Nordseeküste“ meldete sich jetzt Pfarrer August Vornhusen (sitzend) zu Wort. Archivfoto: Hellmann
Artikel teilen:

Bei der Ausstellung im Saterland zum Johanniterorden findet der Pfarrer August Vornhusen die Zerstörung, der viele kirchliche Gebäude in der frühen Neuzeit anheimfielen, nicht angemessen gewürdigt.

Bokelesch - Die Wanderausstellung „Johanniter an der Nordseeküste“ , die zur Zeit in der Johanniterkapelle und im historischen Informationspunkt Bokelesch zu sehen ist, stellt die vielen einstigen Klosteranlagen und die Geschichte der Johanniter entlang der Nordseeküste dar. Jemand, der sich intensiv mit der Geschichte der Johanniter befasst hat, ist der emeritierte Pfarrer August Vornhusen. Der 95-Jährige ist selbst seit 1977 Magistral des Johanniterordens. Seit 20 Jahren lebt er im Altenheim St. Michael-Stift in Bollingen.

Vornhusen äußert Kritik an der Wanderausstellung: Eine große Anzahl ehemaliger Kirchengüter im Nordseeraum sei zerstört worden, dies werde aber nicht angemessen in der Ausstellung berücksichtigt. Die Klosterkapelle in Bokelesch sei nur verschont worden, weil das Saterland zum katholischen Bistum Münster gehörte und die ostfriesischen Häuptlinge darauf keinen Zugriff hatten.

Einfache Leute griffen nach der Macht

Um die Zeit nach 1500 ergriff ein Unbehagen die Bevölkerung des nordwestlichen Küstengebietes Deutschland, schildert Vornhusen. Die kulturelle Entwicklung brachte Unzufriedenheit hervor, die sich zum Teil daraus ergab, dass immer mehr Menschen eine Ausbildung erfuhren. Das führte zur Ablehnung des bisherigen Lebensstandards. Nun wollte auch die breite Bevölkerung teilhaben an öffentlichen Positionen, Machstellungen und Einfluss.

Diese Unzufriedenheit führte zu Übergriffen auf Ämter. Radikale Bürger griffen zu Druckmitteln um ihren Einfluss zu verstärken. Dabei wurden die Rechte anderer Bürger eingeschränkt.

Rechtsverletzungen „terroristischen Ausmaßes“

Der steigende Unmut brachte Rechtsverletzungen mit sich, die bis hin zu „terroristischen Ausmaßen“ führten, erläutert der Saterländer Geistliche. Menschen seien ausgeraubt und verjagt oder beruflich behindert worden, Eigentümer bestohlen und unter Druck gesetzt. Viele Häuser und stabile Bauten wie Stallungen, Gemeindehäuser, Klöster und Kirchen wurden zerstört.

Vor 500 Jahren sei das Küstengebiet, die friesischen Lande bis nach Holland und das Emsland, mit Trümmerschutt übersät gewesen, so Vornhusen. Diese Zerstörungswut traf neben dem Privatbesitz auch kirchliche Bauten. Viele dieser Ruinen und Trümmerstätten würden heute als touristische Sehenswürdigkeit geführt. Damit, so Vornhusen, würde der „terroristische Ursprung“, der zu diesem Zustand geführt habe, überdeckt und eine Geschichtslüge verbreitet.

Ähnliche Artikel