Sicherheit
Löschcontainer: Patent-Inhaber wegen Gerüchten stinksauer
Bei einem Akkubrand eines E-Autos war in Rhaudermoor auf den Einsatz eines Spezialcontainers verzichtet worden – aus Sorge vor Strafzahlungen. Der Hersteller ist über diese Argumentation verärgert.
Rhauderfehn/Region - Nach dem Brand eines Carports in Rhaudermoor am 31. Juli sind die Ermittlungen zur Ursache des Feuers noch nicht abgeschlossen, es gibt aber erste Ergebnisse: Neben Gebäudeschäden waren auch zwei Autos, darunter eines mit Elektro-Antrieb, zerstört worden. „Nach Rücksprache mit dem zuständigen Brandermittler sind technische Defekte der beiden Pkw und eines aufgefundenen E-Bikes als Brandursache auszuschließen. Die weiteren Ermittlungen dauern an. Bis Ende der Woche ist mit einem vorläufigen Ermittlungsergebnis zu rechnen.“ Das teilte Polizeioberkommissarin Frauke Bruhns, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Emden/Leer, auf Anfrage mit.
Das Feuer hatte auch zu einem Akkubrand in dem Elektro-Auto geführt. Der deshalb notwendig gewordene stundenlange Löscheinsatz hatte für Aufsehen gesorgt. Zudem wurde eine Diskussion über ein Patent für einen Spezialcontainer ausgelöst. Solche Container hat die Firma Ellermann Eurocon mit Sitz in Delmenhorst entwickelt. Weil Schadensersatzforderungen von diesem Unternehmen Unternehmen befürchtet worden waren, hatte die Feuerwehr Rhauderfehn auf Anraten des Kreisfeuerwehrverbandes Leer auf den Einsatz eines bereits im Emsland angeforderten Löschcontainers verzichtet. Von Schadensersatzforderungen des Herstellers in vierstelliger Höhe war die Rede.
Gerücht kursiert schon länger
Darüber ärgert sich Unternehmer Claus W. Ellermann: „Leider kursiert immer wieder das Gerücht, wir würden den Feuerwehren untersagen, E-Fahrzeuge in Behältern zu versenken. Das ist ausdrücklich nicht der Fall. Wir bitten lediglich bei der Neuanschaffung von entsprechenden Produkten, unsere bestehenden Patente zu respektieren“, sagte dazu auf Anfrage Claus W. Ellermann. Dass nun im Landkreis Leer erneut dieses Gerücht aufgekommen sei, habe ihn geärgert. „Insbesondere, da wir doch alle Feuerwehrverbände bundesweit angeschrieben haben, um die teilweise haltlosen Anschuldigungen und Angriffe gegen unsere Firma und die von uns entwickelte Abrollbehälter-Hochvolt-Patentfamilie richtig zu stellen.“
In der Vergangenheit habe es immer wieder Behauptungen und Gerüchte gegeben, die Firma Ellermann würde rechtlich gegen Feuerwehren oder Kommunen vorgehen. „Wir haben keinerlei Interesse daran, aus unseren Schutzrechten direkt gegen einzelne Feuerwehren oder Verbände vorzugehen. Wir sehen die Feuerwehren viel mehr als unsere Partner, auch vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung unserer Produkte, was zu aller Vorteil ist“, so Ellermann.
Der Löschvorgang in einem Container und das Patent
Brennt ein Hochleistungsakku in einem E-Auto, gibt es verschiedene Löschmethoden. Denn diese Akkus müssen über Stunden heruntergekühlt werden. Eine Methode ist das Versenken des betroffenen Fahrzeugs in einem mit Wasser gefüllten Container, bis sich die Hochvoltbatterie komplett unter Wasser befindet. Dadurch wird die Batterie extern gekühlt. Das teilte Alexandra Kruse vom ADAC-Landesverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt mit. „Außerdem kann Wasser über Öffnungen im Batteriegehäuse in die Batterie eindringen, den Energieabbau beschleunigen und schließlich den Brand löschen.“
Die Firma Ellermann hat seit 2015 solche Container entwickelt und sich 2016 das Verfahren für ihre „Red-Boxx“ patentieren lassen.
Das Unternehmen gehe nur gegen Firmen vor, die das Produkt nachbauen. „Wenn uns der offensichtliche Fall eines patentverletzenden Produkts vorliegt, so suchen wir immer zunächst den Dialog mit der Feuerwehr und im Anschluss mit dem konkurrierenden Unternehmen, klären über die Patentsituation auf und bieten auf Wunsch den Erwerb einer einmaligen Lizenz an. Mit dem Erwerb dieser Lizenz durch den Lieferanten kann dann der jeweilige Endkunde, also die Feuerwehr, das erworbene Produkt rechtssicher einsetzen. Sollte sich der Wettbewerber dazu aber nicht bereit erklären, so bleibt uns, auch um keine Präzedenzfälle zu schaffen, leider nur eine streitige Auseinandersetzung mit dem konkurrierenden Unternehmen“, teilte Ellermann mit. Im Brandfall von Rhaudermoor war kurzzeitig über den Einsatz eines Containers der Firma Augustin aus Papenburg nachgedacht worden. „Das ist ein guter Kunde von uns, da hätte es keine Probleme gegeben“, sagte Ellermann.
Kreisfeuerwehr entschied sich gegen Container
In Ostfriesland gibt es bisher keinen speziellen Löschcontainer. Der Akkubrand in Rhaudermoor war mit dem Cobra-Löschsystem der Feuerwehr Loga gelöscht worden. „Auch innerhalb der Kreisfeuerwehr ist die Anschaffung eines Löschcontainers im vergangenen Jahr überlegt worden – allerdings hat man sich dann aber für das Löschsystem Cobra entschieden, das als effektiv angesehen wird“, sagte Landkreis-Pressesprecher Philipp Koenen. „Eigentlich ist dieses Schneid-Lösch-System dazu gedacht, von außen durch Hauswände hindurch Feuer zu löschen, das ist auch der Haupteinsatzbereich – es eignet sich aber ebenso zum Einsatz bei Fahrzeugbränden“, so Koenen. „Ob die Städte und Gemeinden für ihre Feuerwehren solche Löschsysteme anschaffen werden, müsste dort erfragt werden. Bei der Kreisfeuerwehr ist dies, speziell nur für E-Fahrzeuge, derzeit nicht geplant.“
In der Gemeinde Rhauderfehn sei darüber bisher nicht diskutiert worden, sagt Bürgermeister Geert Müller und ergänzt. „ Ich denke, es ist zunächst einmal auch anhand dieses Falles feuerwehrtaktisch aufzuarbeiten, welcher Weg bei Bränden von E-Fahrzeugen eingeschlagen werden muss. Ob dann ein mögliches System dem Cobra-System der Kreisfeuerwehr angegliedert wird, eine Nachalarmierung der Feuerwehr Loga bis auf weiteres ausreichend ist oder aber empfohlen wird, dass jede Gemeinde eigene Lösungen denken sollte, kann ich nicht beurteilen.“