Kinderbetreuung

Fachkräftemangel in Krippen und Kindergärten spitzt sich zu

| | 09.08.2021 18:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die Träger von Kindertagesstätten beklagen einen Fachkräftemangel. Der könne dazu führen, dass keine weiteren Einrichtungen gebaut werden, prognostiziert Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller.

Rhauderfehn/Saterland/Barßel - In den Kindertagesstätten in der Region fehlen die pädagogischen Fachkräfte. Das Problem ist nicht neu, aber es spitzt sich zu. Die Träger der Einrichtungen haben es zunehmend schwerer, Stellen zu besetzen. Zudem ist die Fluktuation hoch.

Diese Situation stresst zum einen das vorhandene Personal. Zum anderen kann es dazu führen, dass am Ende Gruppen nach Hause geschickt werden müssen. Darunter leiden dann wiederum Kinder und Eltern. Der Bedarf für Kita-Plätze ist groß. Das hatte kürzlich eine Umfrage dieser Zeitung ergeben. Zum Stichtag 1. August hatten in Ostfriesland und in den Gemeinden Barßel und Saterland im Landkreis Cloppenburg 686 Kinder keinen Kita-Platz bekommen.

Dauerstellenausschreibung im Saterland

Die Gemeinde Saterland ist inzwischen dazu übergegangen, eine „Dauerstellenausschreibung“ auf ihrer Internetseite zu stellen. „Grundsätzlich wird versucht, den Belangen der Kinder beziehungsweise der Eltern nach einer vollumfänglichen Betreuung auch über die Kernbetreuungszeiten hinaus nachzukommen“, sagt Saterlands Bürgermeister Thomas Otto.

„Zunehmende Betreuungszahlen und einem Zuwachs an Kindertagesstätten steht aber ein begrenztes Angebot an ausgebildeten Fachkräften gegenüber. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Berufszweig ganz deutlich von Frauen dominiert wird, kommt es an der Stelle schon aufgrund der individuellen Familienplanung der Beschäftigten an mancher Stelle zu kurzfristen Ausfällen“, so Otto und sagt weiter: „Und bei dem Wiedereinstieg dieses Personenkreises führt das oft aufgrund der eigenen Kinder zu dem Wunsch, nur stundenweise oder in begrenzten Zeitkorridoren zu arbeiten, so dass dies zu weiterem Personalbedarf führt.“

„Wir leben damit, dass wir Vakanz haben“

Ausgebildete Erzieherinnen zu bekommen, sei sehr schwer, sagt auch Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller. „Wir leben inzwischen damit, dass vier Vakanz haben.“ Er schildert ein Beispiel nach der jüngsten Stellenausschreibung: „Von vier zum Vorstellungsgespräch eingeladenen Bewerberinnen haben drei abgesagt, die Vierte ist erst gar nicht gekommen.“ Dem Fachkräftemangel stehe die Forderung der Politik nach immer mehr Ganztagsbetreuung und Sonderöffnungszeiten gegenüber. „Wenn aber erkennbar ist, dass ich kein Personal bekomme, dann baue ich erst gar keine weitere Einrichtungen“, sagt Müller. „Das ist ein Riesenproblem, das schlägt jetzt komplett durch.“

Müller kritisiert die politischen Entscheidungsträger: „Ich finde es ignorant, wenn der Landesgesetzgeber fordert, die Personalschlüssel zu erhöhen, aber gleichzeitig der Fachkräftemangel bekannt ist.“ Ein Beispiel dafür: Die Einrichtungen müssen nun für Kleingruppe mit bis zu zehn Kindern dauerhaft zwei Betreuungskräfte gewährleisten. „Sind die nicht da, muss die Gruppe nach Hause geschickt werden. Ich kann nur schließen, das ist aber das letzte, was ich will“, sagt Müller.

Finanzierung ist ein weiteres Problem

Die Träger der Einrichtungen seien gezwungen, mit Personalüberhang zu planen, weil es immer wieder Ausfälle gebe. Befristete Verträge für Vertretungskräfte seien keine Lösung: „Ich finde gar keine Kräfte, die befristete Verträge unterschreiben.“ Weil der Beruf inzwischen nicht mehr weiblich, sondern jung und weiblich geprägt sei, sei wegen der Familienplanung der Frauen auch die Fluktuation hoch.

Oft mache der Personalchef nichts anderes, als ein Loch nach dem anderen zu schließen. Ein weiteres Problem sei die Finanzierung des zusätzlichen Personalbedarfs, wenn dieser denn überhaupt gedeckt werden könne: Es gebe keine Erstattung, weder vom Land noch vom Landkreis.

Problem wird sich verschärfen

Die Gemeinde Barßel hat zwar keine eigene Kita, alle fünf Einrichtungen sind in kirchlicher Trägerschaft. „Wir als Gemeinde zahlen den Defizitausgleich in Höhe von 2 Millionen Euro jährlich“, sagt Erster Gemeinderat Michael Sope.

Das Personalproblem ist aber auch im Rathaus bekannt. Das werde sich noch verschärfen, wenn der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler und Kinder im Alter von zwölf bis 14 Jahren komme. Fehle Personal, sei die Konsequenz eine einschneidende, sagt Sope: „Dann muss man die Gruppe nach Hause schicken.“

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