Feuerwehr

Rechtliche Gründe verhinderten Tauchbad für brennendes E-Auto

| | 01.08.2021 20:48 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf mindestens 100.000 Euro wird der Sachschaden geschätzt. Foto: Radtke
Auf mindestens 100.000 Euro wird der Sachschaden geschätzt. Foto: Radtke
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Ein Akkubrand eines E-Autos hat die Feuerwehr in Rhauderfehn am Freitag vor eine Herausforderung gestellt. Rechtliche Gründe sprachen gegen ein Versenken des Fahrzeugs in einen speziellen Container.

Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Rhaudermoor und Westrhauderfehn waren im Einsatz. Foto: Radtke
Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Rhaudermoor und Westrhauderfehn waren im Einsatz. Foto: Radtke
Rhauderfehn/Region – Ein Akkubrand eines Elektro-Autos hat die Feuerwehr in Rhauderfehn und schließlich auch die Kreisfeuerwehr Leer am vergangenen Freitag vor eine neue Herausforderung gestellt. Offenbar rechtliche Probleme und befürchtete Strafzahlungen in vierstelliger Höhe führten dazu, dass bei dem Einsatz auf ein für solche Fälle erprobtes System nicht zurückgegriffen wurde. Das E-Auto wurde nicht zum Herunterkühlen in einen speziellen Löschcontainer verfrachtet. Das sagte Oskar Gerdes, Gemeindebrandmeister in Rhauderfehn, im Gespräch mit dieser Redaktion. Weiteres Problem: Löschcontainer gibt es in der Region so gut wie gar nicht.

Zum Einsatz kam schließlich das Cobra-Löschsystem der Feuerwehr Loga. Das Gerät, das für das Löschen von Gebäuden entwickelt worden ist, kam in Rhaudermoor bundesweit erstmals bei einem Brand eines E-Autos zum Einsatz. „Die Zulassung für einen solchen Einsatz hat die Hersteller-Firma von allen E-Fahrzeugherstellern erst seit einem halben Jahr“, sagte Pressesprecher Dominik Janßen von der Kreisfeuerwehr Leer. Im gesamten Nordwesten gibt es auch nur eine Feuerwehr, die über das Cobra-Löschsystem verfügt, die Feuerwehr Loga.

Akku fing immer wieder an zu brennen

Der Einsatz am Freitag wird die Feuerwehren noch einige Zeit beschäftigen und für Diskussionen sorgen: Zwischen zwei Häusern standen zwei Carports mit jeweils einem Auto darin in Flammen. Die Feuerwehren aus Rhaudermoor und Westrhauderfehn waren schnell vor Ort und konnten ein Übergreifen auf die Gebäude weitestgehend verhindert. Dennoch gab es an beiden Gebäuden Schäden. Beide Fahrzeuge, darunter das Elektrofahrzeug, und die Carports brannten vollständig aus. Der Brand des E-Autos sorgte dann dafür, dass die Einsatzkräfte noch Stunden vor Ort beschäftigt waren.

Ein Blick in das Innere des ausgebrannten E-Autos. Foto: Janßen/Kreisfeuerwehr Leer
Ein Blick in das Innere des ausgebrannten E-Autos. Foto: Janßen/Kreisfeuerwehr Leer
Denn der Akku des E-Autos wurde durch das Feuer ebenfalls beschädigt und fing immer wieder an zu brennen. Eine bewährte Methode beim Löschen eines Elektro-Autos ist das Versenken in einen Wasserbassin. Der Wagen wird mit einem Kran in einen Spezialcontainer verladen. Der wir dann mit Wasser geflutet. E-Autos, deren Akku in Brand geraten ist, werden darin gefahrlos heruntergekühlt. Gemeindebrandmeister Gerdes hatte nach etlichen Telefongesprächen schließlich einen Unternehmer in Papenburg ausfindig gemacht, der einen Container zum Einsatzort bringen wollte. Davon habe ihn dann aber Kreisbrandmeister Johann Waten abgeraten, sagte Gerdes. Es gebe rechtliche Probleme. Ein Unternehmen aus Delmenhorst habe einen Spezialcontainer für solche Fälle entwickelt und ein Patent darauf. Werde bei einem Brand ein Container einer anderen Firma verwendet, drohe eine Konzessionsstrafe.

Rechtliche Folgen befürchtet

Das war für mich auch neu, sagt Gerdes. Bis zu 5000 Euro hätten andere Gemeinden in solchen Fällen bereits bezahlt. „Hier steht offenbar Patentrecht über Brandschutz, es geht doch bei einem Feuer um Sachwerte und Menschenleben“, sagte Gerdes. Das ärgere ihn sehr.

Um den möglichen rechtlichen Folgen aus dem Weg zu gehen, sei dann im weiteren Verlauf des Einsatzes das sogenannte Cobra-Löschsystem aus Loga angefordert worden. „Mit diesem Spezialgerät war es möglich, in die Akkuzellen einzudringen und den Brand im Akku von innen zu löschen, sowie weitere Zellen zu zerstören, um einen erneuten Brandausbruch zu verhindern“, erklärte Dominik Janßen, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Leer. Das Ablöschen des Akkus war erfolgreich, dauerte jedoch rund drei Stunden. Dadurch habe aber ein noch längerer Einsatz verhindert werden können.

Oskar Gerdes ist Gemeindebrandmeister in Rhauderfehn. Archivfoto: Radtke
Oskar Gerdes ist Gemeindebrandmeister in Rhauderfehn. Archivfoto: Radtke

Nächster Spezialcontainer steht in Wildeshausen

Ein in Brand geratener Akku eines E-Autos müsse ohne diese Methode 48 bis 72 Stunden von den Einsatzkräften gekühlt werden, erklärte Gerdes. Es sei denn, ein Spezialcontainer kommt zu Einsatz. Den von dem Delmenhorster Hersteller entwickelten Container mit Patentzulassung gibt es bisher in der Region nur in Wildeshausen, sagte Dominik Janßen. „Diese Container sind wasserdicht und verfügen über einen Schlauchanschluss.“

Mit diesem Thema müsse sich nun dringend die Politik befassen, sagte Gerdes. Zudem müsse darüber nachgedacht werden, bei steigenden Zulassungszahlen von E-Autos jede Feuerwehr im Kreisgebiet mit solchen Systemen auszustatten.

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