Alles Kultur
Kultur auf Papier
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Zu Wochenbeginn geht es immer um Kultur.
Früher war die eigene Hausbibliothek das Aushängeschild der eigenen Bildung und des Standes. Vom 15. Jahrhundert bis mindestens in meine erste Wohnung hielt sich das auch, und ich möchte gestehen, dass die meisten Bücher, die in meinem Regal standen, einfach verdammt gut aussahen oder Eindruck auf meinen Besuch machen sollten. Brockhaus, Bibel, Backträume in Bildern … Die Trivialliteratur stapelte sich derweil auf dem Nachttisch.
Ich liebe den Geruch von einem neuen Buch, bei dem noch der Buchrücken störrisch-steif ist und sein Gewicht in meiner Tasche mich mit Vorfreude beschenkt, wann ich mich endlich wieder in seine Geschichte schmeißen kann. Wie oft habe ich mich schon in gefährliche Situationen gebracht, weil ich es nicht abwarten konnte, wie es weitergeht und deswegen das Buch im Laufen gelesen habe. Es heißt wohl nicht umsonst „Frauen, die lesen, sind gefährlich“. Aber wie gefährlich bin ich für die Umwelt mit meiner Leselust, die sich einfach nicht an ein E-Book-Reader gewöhnen will?
Wie viele Bäume müssen im Jahr für meine Bibliophilie sterben? In Deutschland verbrauchen wir so viel Papier wie Afrika und Südamerika zusammen. Wir können uns hier wirklich als Weltmeister betrachten. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier steigt bei uns beständig und war 2015 bereits bei 253 Kilogramm pro Jahr! Kann ich nun also die Massenvernichtung von Wäldern langfristig beeinflussen, wenn ich auf E-Books umsteige? Wohl nicht. Also gönne ich mir zwischendurch auch neue „echte“ Bücher. Aber nur noch solche, die ich auch zum Angeben ins Regal stellen würde. Und gleichzeitig versuche ich, darauf aufmerksam zu machen, was die wirklichen Gründe für Abholzung sind: Global betrachtet sind Viehzucht und Palmölproduktion wohl offensichtlich, aber allein in Berlin liegt der Verbrauch der Verwaltung bei ca. 317,5 Mio. DIN-A4-Blättern pro Jahr! Ist das wirklich nötig? Wie viele Geschichten hätten darauf Platz gefunden und vor allem, wie viel Sauerstoff hätten sie für uns produzieren können?
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