Verwertung

Streit um Geruchsbelästigung am C-Port in Sedelsberg

Astrid Fertig
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Von Astrid Fertig
| 07.12.2020 14:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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In einem Leserbrief hatte ein Sedelsberger moniert, durch eine Testanlage, in der Geflügelmist verarbeitet werde, würde es stinken. Dadurch fühlt sich deren Geschäftsführer zu Unrecht an den Pranger gestellt. Seine Anlage verarbeite gar keinen Geflügelmist – sondern Klärschlamm.

Sedelsberg - Zu Unrecht durch einen Leserbrief im General-Anzeiger angeprangert sieht Andreas Tiemann, Geschäftsführer der BioReformer GmbH, seine Firma. Das Unternehmen mit Sitz im emsländischen Lähden betreibt seit dem Herbst eine Pilotanlage am C-Port in Sedelsberg. Damit werden aus organischen Substanzen Aktivkohle und Phosphatdünger gewonnen.

In einem Leserbrief an den GA hatte Walter Hußmann von einer Anlage im Testbetrieb in dem Industriepark gesprochen, in der Geflügelmist verarbeitet werde. „Die Umweltbelastung durch Geruch ist derart hoch, dass Mitarbeitern von benachbarten Firmen ,kotzübel‘ wird“, schreibt Hußmann, „und sie wegen Kopfschmerzen nicht mehr arbeiten können.“

Einzige Anlage im Testbetrieb

Zwar nennt Hußmann, der zu den Aktivisten gegen die Ansiedlung der Gülle- und Festmistverwerter Revis bioenergy und Kaskum am C-Port gehört, den Namen der Firma nicht. Allerdings, sagt Tiemann, sei sein Unternehmen das einzige, das in dem Industriepark eine Anlage im Testbetrieb laufen habe, und dadurch eindeutig identifizierbar.

In seiner mobilen Halle werde kein Geflügelmist verarbeitet, erläutert der Geschäftsführer. Tatsächlich verwerte die BioReformer GmbH dort Klärschlamm, also menschliche Fäkalien aus Kläranlagen, sowie Abwasser aus Industriebetrieben, Waldrestholz, Straßenbegleitgrün und Einstreu.

Zwei Tonnen Klärschlamm und anderer organischer Abfall werden täglich in der Pilotanlage getrocknet und aus der Grundmasse Phosphat und Aktivkohle abgeschieden.
Zwei Tonnen Klärschlamm und anderer organischer Abfall werden täglich in der Pilotanlage getrocknet und aus der Grundmasse Phosphat und Aktivkohle abgeschieden.

Phosphatdünger und Aktivkohle

Daraus erzeuge die Anlage Phosphatdünger und Aktivkohle, erläutert Tiemann. Durch die Klärschlammverordnung gebe es gesetzliche Vorgaben, dass Phosphat aus Klärschlamm zurück gewonnen werden müsse. Bisher werde Klärschlamm weitgehend verbrannt. In seiner Testanlage, so Tiemann, würde er hingegen aufbereitet und dadurch Stoffe gewonnen, die anschließend dem Kreislauf, etwa als Zuschlag in der Industrie, wieder zugeführt würden.

Als Basis würden jedoch weder Gülle, noch Gärreste genutzt und auch kein Geflügelmist. „Der Ausgangsstoff enthält überhaupt nichts Tierisches“, sagt der Geschäftsführer der Bioreformer GmbH, sondern „Wertstoff, der sonst in die Biotonne geht“. Alles, was verarbeitet werde, komme aus einem Umkreis von 50 Kilometern.

In großen Röhren werden die Stoffe verarbeitet. Nächstes Jahr will das emsländische Unternehmen eine fest etablierte Halle auf dem C-Portgelände errichten, um den Betrieb auszuweiten.
In großen Röhren werden die Stoffe verarbeitet. Nächstes Jahr will das emsländische Unternehmen eine fest etablierte Halle auf dem C-Portgelände errichten, um den Betrieb auszuweiten.

Drei Millionen Euro Entwicklungskosten

Das Projekt, das ab Januar im Zwei-Schicht-Betrieb laufen soll, basiere auf einem langfristigen Konzept, so der Verfahrenstechniker, in das sein Unternehmen mehr als drei Millionen Euro hineingesteckt habe. Die Testanlage in einer mobilen Halle steht hinter dem Verwaltungsgebäude des C-Port-Zweckverbands Am Küstenkanal 2. Im nächsten Jahr plane man den Erwerb eines Grundstücks im südwestlichen Teil des Industrieparks. Dort soll ein Festbau entstehen, in dem man seinen Betrieb ausweite.

Zwei Tonnen Klärschlamm täglich

Bei einem Termin vor Ort, trifft man auf Tiemanns Bruder, Hans-Jürgen Tiemann. Er ist Betriebsleiter der Pilotanlage, in der derzeit drei Mitarbeiter beschäftigt sind. In der Halle werden Klärschlamm und andere organische Materialien getrocknet, täglich zwei Tonnen pro Stunde.

Die Obergrenze liege bei 50 Tonnen täglich, die in einem Drei-Schicht-Betrieb erreicht würden. Mehr gebe die Genehmigung nicht her, sagt Hans-Jürgen Tiemann.

„Hier darf es riechen“

In der Halle riecht es. „Wir sind an einem Industriestandort“, sagt Tiemann. „Dass das hier riecht und riechen darf, ist normal. Aber wir halten die Grenzwerte ein. Und Klärschlamm muss schließlich irgendwo aufbereitet werden.“

Auch dem gelernten Landwirtschaftsmeister sind die Beschwerden über Geruchsbelästigung von Mitarbeitern benachbarter Firmen bekannt. Arno Djuren, Geschäftsführer des C-Port-Zweckverbands, bestätigt ebenfalls, dass sich Leute über Gestank beklagt hätten. „Uns liegen Beschwerden vor“, sagt Djuren auf Nachfrage des GA, „denen nachgegangen wird.“

Unter Beobachtung des Gewerbeaufsichtsamts

Wie Uwe Rottmann, Leiter des Gewerbeaufsichtamts Oldenburg, mitteilt, seien Mitarbeiter seiner Behörde mehrfach vor Ort gewesen. „Dabei konnten zum Teil Geruchsemissionen im Umfeld der Anlage wahrgenommen werden, jedoch nicht bei allen Besuchen“, schildert Rottmann. Wegen Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation sei das Gewerbeaufsichtsamt mit dem Betreiber der Anlage im Gespräch.

„Hier erwarten wir vom Betreiber, dass gegebenenfalls noch vorhandene Anfangsprobleme kurzfristig gelöst werden“, so der Behördenleiter. „In der nächsten Zeit werden wir die Geruchssituation im Umfeld der Anlage weiter beobachten, um damit eine breitere Grundlage für die Beurteilung des Umfangs der Geruchsbelästigungen zu erhalten.“ Das weitere Vorgehen seiner Behörde werde an diesen Erkenntnissen ausgerichtet.

Auftrag an Emissionsexperten vergeben

Als wenige Wochen nach dem Start der Pilotanlage Beschwerden über Gestank laut geworden waren, hatte Andreas Tiemann in Aussicht gestellt, eine Spezialfirma aus Belgien zu beauftragen, die Abluft zu kontrollieren, um zu prüfen, was man verbessern könnte.

Dieser Auftrag sei inzwischen erteilt, sagt Betriebsleiter Hans-Jürgen Tiemann. Damit gehe man über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Filter und Abluftwäsche seien, wie es das Gesetz vorsehe, ohnehin in Betrieb. Die beauftragten Experten sollen nun herausfinden, was noch im Wasserdampf steckt, der aus der Anlage ausgestoßen wird, und was man verändern könnte, um die Situation zu optimieren, etwa, indem man den Schornstein verlängere. „Bis zum Jahresende kommt die Firma und führt Messungen durch“, so Tiemann.

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