Südamerika-Reise Papst kehrt in seine zweite Heimat zurück

Christoph Sator, dpa
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Von Christoph Sator, dpa
| 06.11.2026 07:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Zu den großen Messen werden wieder Hunderttausende erwartet. (Foto: Archiv) Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
Zu den großen Messen werden wieder Hunderttausende erwartet. (Foto: Archiv) Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
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Mehr als 20 Jahre lang lebte Leo XIV. in Südamerika. Jetzt führt ihn seine längste Auslandsreise zurück nach Peru sowie nach Uruguay und Argentinien - unter ganz anderen Umständen als geplant.

Eine Inka-Stätte auf 3.700 Metern Höhe in den Anden: So nahe war ein Papst dem Himmel auf Erden schon lange nicht mehr. Seit 1990 nicht, als sich Johannes Paul II. mit dem Hubschrauber ins Massiv des Mont Blanc hinauffliegen ließ. Nun wird in Saqsaywaman oberhalb von Perus alter Inka-Hauptstadt Cusco, nicht weit entfernt von Machu Picchu, Leo XIV. zu Besuch sein. Wegen der dünnen Luft ist das schon für gewöhnliche Touristen eine Herausforderung - erst recht für einen 71-Jährigen, dem wegen eines bösartigen Tumors vor dreieinhalb Wochen ein Teil der Lunge entfernt wurde.

Durch die Krebs-OP Mitte Oktober haben sich die Gewichte von Leos fast zweiwöchiger Reise nach Südamerika - seiner längsten Auslandsreise bisher, die heute beginnt - gründlich verschoben. Bis dahin richtete sich die Aufmerksamkeit vor allem darauf, wie der gebürtige US-Amerikaner in seiner zweiten Heimat Peru aufgenommen wird, wo er fast ein Drittel seines Lebens verbrachte. Das ist nicht mehr so wichtig - ebenso wie die Frage, wie er mit rechtspopulistischen Staatschefs wie Keiko Fujimori in Peru und Javier Milei in Argentinien umgeht. 

Vatikan-Ärzte geben grünes Licht

Jetzt geht es zuvorderst um seine Gesundheit. Den offiziellen Verlautbarungen zufolge ist der Papst ein geradezu idealer Patient: die OP, bei dem ihm der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt wurde, erfolgreich; früher aus dem Krankenhaus als geplant; und nach allen Befunden wieder völlig krebsfrei. Der Lungenkrebs habe nicht gestreut, keine weitere Behandlung erforderlich, so die behandelnden Ärzte Luigi Carbone und Stefano Margaritora. Es gebe „keine klinischen Gründe, warum die Reise nicht stattfinden sollte“.

Allerdings gibt es Mediziner, die das kritisch sehen. Normalerweise muss sich ein Patient nach einer solchen OP einige Monate lang daran gewöhnen, dass seine Lunge weniger leistet. Standard-Empfehlung ist eigentlich, die ersten drei bis vier Wochen überhaupt nicht zu fliegen. Leo steigt mehr als ein Dutzend Mal ins Flugzeug: Allein die erste Strecke nach dem Start morgens um 7.00 Uhr in Rom bis nach Uruguay dauert 13,5 Stunden. Wie Höhenluft gelten auch Menschenmassen für Lungenkranke als gefährlich, der Keime wegen: Zu Papstmessen kommen Hunderttausende.

Rückkehr unter besonderen Umständen nach Peru

Trotz solcher Bedenken will der Vatikan alle Termine durchziehen. „Der Plan ist so wie er ist“, sagt Papstsprecher Matteo Bruni. Die Reise werde „gemäß dem veröffentlichten Programm“ stattfinden. Leo selbst ließ sich so zitieren: „Ich freue mich auf die Rückkehr auf den Kontinent, auf dem ich so viele Momente meines Lebens erlebt habe.“ In Peru hatte der US-Amerikaner - geboren unter dem Namen Robert Francis Prevost in Chicago - alles in allem mehr als 20 Jahre lang gearbeitet. 

Für einen Besuch in seinem eigentlichen Heimatland gibt es hingegen weiterhin keinen Termin. Eine Einladung zu den 250-Jahr-Feiern der USA im Juli schlug Leo aus. Dafür gab der Immer-noch-US-Bürger bei den Zwischenwahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus am Dienstag per Briefwahl seine Stimme ab. Natürlich gilt auch für den Pontifex das Wahlgeheimnis. Aber man liegt vermutlich nicht falsch mit der Vermutung, dass er mit der Niederlage der Republikaner, die auch eine Niederlage für Donald Trump ist, zufrieden ist. Papst Nummer 267 und US-Präsident 45/47 mögen sich offensichtlich nicht. Es gab auch noch nie eine Begegnung.

Treffen mit zwei Trump-Vertrauten 

In Peru war Leo die erste Zeit als Missionar tätig, dann als Bischof von Chiclayo, einer Großstadt im Norden. Aus jenen Jahren hat er auch einen peruanischen Pass. Als Missionar kritisierte er den damaligen Präsidenten Alberto Fujimori, Vater der heutigen Präsidentin, wegen dessen brutalen Vorgehens im Bürgerkrieg gegen die Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“. Mehr als 60.000 Menschen kamen in jener Zeit ums Leben. Auch mit dessen späterer Begnadigung 2017 war er nicht einverstanden.

Mit Spannung wird erwartet, was Leo nun zum Thema Versöhnung, Aufarbeitung der Verbrechen und Menschenrechte sagen wird. So oder so dürfte er umjubelt werden. Neben den bei Papstbesuchen üblichen Souvenirs wie T-Shirts und Rosenkränzen gibt es in Lima auch Stoffpuppen mit Leos Antlitz. Die Regierung hat für die Zeit des Besuchs mehrere „arbeitsfreie Tage“ angeordnet, damit die Leute an den Messen teilnehmen können - was allerdings bedeutet, dass die Arbeit später nachgeholt werden muss.

In seiner zweiten Heimat liegen schon Stoffpuppen mit dem Antlitz des Papstes bereit. (Archivbild) Foto: Stifs Paucca/dpa
In seiner zweiten Heimat liegen schon Stoffpuppen mit dem Antlitz des Papstes bereit. (Archivbild) Foto: Stifs Paucca/dpa

Die vorige Station in Argentinien wird aus politischer Sicht keineswegs leichter. Mit dem marktradikalen Staatschef Milei, der mit Trump noch vertrauter ist als Fujimori, verbindet ihn herzlich wenig. Dass Leo dennoch nach Buenos Aires kommt, hat auch damit zu tun, dass sein Vorgänger Franziskus aus Argentinien stammte und Erzbischof von Buenos Aires war, als Papst aber nie mehr zurückkehrte. In einem Land, in dem nach offizieller Statistik etwa 90 Prozent der Bevölkerung katholischen Glaubens sind, sorgte das für Irritationen.

Uruguay mit verhältnismäßig wenig Katholiken

Demgegenüber sollte die erste Station in Uruguay, Argentiniens kleinem Nachbarland, verhältnismäßig unkompliziert sein. Kirche und Staat sind dort strikt getrennt. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zum katholischen Glauben - deutlich weniger als in den meisten anderen Ländern des Kontinents. Das Land wird pragmatisch links regiert. Und auch mit Höhenluft sollte Leo in Uruguay keine Probleme haben: Der höchste Punkt der Hauptstadt Montevideo liegt 134 Meter über dem Meer.

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