Kolumne „Frau am Freitag“ Fenster zum Garten – ein Blick auf die Kleinsten
Der Herbst ist da – und die Frau am Freitag erfreut sich an Eichelhäher, Specht und Eichhörnchen im Garten. Schon kleine Entscheidungen können helfen, Tiere und ihre Lebensräume besser zu schützen.
Immer, wenn ich bei uns im Schlafzimmer bin, schaue ich durch das große Fenster raus in den Garten und auf die Wiese, die dahinter liegt. Ich beobachte das Eichelhäher-Pärchen, den Buntspecht, den Grünspecht, Eichhörnchen und eine Vielzahl von kleinen Meisen. Sie alle leben auf diesem kleinen Stückchen unbebautem Land hinter meinem Haus – und sie erinnern mich jeden Tag daran, wie kostbar das Leben ist. Denn seien wir ehrlich: Auf der Wiese könnte man auch zwei Einfamilienhäuser bauen. Die Bäume fällen, die Büsche ausreißen, die Wiese dem Erdboden gleichmachen und alle Lebewesen, die dort ihre kleine Lücke zwischen all der Bebauung gefunden haben, vertreiben. Dass das mal passieren könnte, macht mir heute schon Sorgen.
Das große Fenster zur Wiese hat mir nicht nur die vielen tierischen Nachbarn nähergebracht. Seitdem wir hier wohnen, habe ich ein ganz anderes Verhältnis zu den Jahreszeiten. Das Stück Grünland hinterm Haus ist nicht nur eine freie Fläche. Hier kann ich jede Veränderung an jeder Pflanze sehen – während ich zuvor jahrelang immer ganz überrascht war, wenn plötzlich alle Blätter an den Bäumen braun waren.
Ich weiß nicht, liegt es am Alter? Oder liegt es daran, dass uns die Kostbarkeit des Lebens, der Natur, wichtiger erscheint, weil alles auf der Welt so schnelllebig, rücksichtslos und herzlos wirkt? Immer nur „Ich, Ich, Ich“ ohne Rücksicht auf Verluste – dabei ist das, was wir jetzt noch haben, doch so schützenswert. Wen bitte interessiert es, ob im Garten Maulwurfshaufen zu sehen sind? Muss man – und ja, das passiert leider immer noch trotz Verbot – die armen Maulwürfe deswegen mit Fallen töten? Sicher nicht. Ist es zwingend notwendig, den Baumbestand auf dem Grundstück zu roden, obwohl das Lebensraum für zahlreiche Tiere ist? Ich denke nicht. Und tun Laubhaufen in Gärten und an den Wegesrändern jemandem weh? Nein. Aber: Igel freuen sich darüber, denn auch sie brauchen einen Unterschlupf für den Winter.
Die Zeiten sind vorbei, an denen wir Menschen nur an uns denken konnten. Die Natur und die Tiere werden immer weiter verdrängt und es liegt an uns, diesen Prozess zu stoppen und Raum zu schaffen für die, die eben keine Lobby haben. Ich glaube, wir in Ostfriesland bekommen das schon ganz gut hin, und trotzdem denke ich, dass wir alle etwas bewusster durchs Leben gehen können. Das Leben draußen wirklich sehen und die Verantwortung, die uns als Bewohner dieser Erde zuteil ist, annehmen. Natürlich werden sich nie alle ändern. Aber selbst wenn es nur ein paar wenige von uns sind, die nach diesen Zeilen bewusster hinsehen, ist das ein Grund für mich zum – Tapfer bleiben.