Formel 1 „Wir sind knapp davor“: Antonelli legt sich Titel zurecht
Eine weltmeisterliche Vorstellung - aber noch ohne den Titel. Kimi Antonelli gewinnt in Austin, auch sein Teamkollege verhindert die Krönung. Am kommenden Sonntag dürfte es aber so weit sein.
Kimi Antonellis Jubelschrei über Funk hatte schon Weltmeister-Format, seine Fahrt erst recht. Trotz eines famosen Siegs beim Großen Preis der USA reichte es aber noch nicht für die Krönung zum jüngsten Titelträger der Formel 1. Er ballte immer wieder die Fäuste, als er aus seinem Mercedes stieg und sprang sogar über die Absperrung zu seiner Crew.
Denn alle wissen: In Mexiko-Stadt am kommenden Sonntag reicht Antonelli schon Platz neun zum WM-Triumph - im Gegensatz zu Austin kann er dort mit seinen 20 Jahren auch mit Schampus anstoßen. „Wir sind knapp davor, hoffentlich können wir es bald klarmachen“, sagte Antonelli.
Er lieferte auf dem Circuit of The Americas im Mercedes eine weitere beeindruckende Kostprobe seines Ausnahmekönnens und feierte von der Pole aus bereits seinen neunten Saisonsieg in der Formel 1. „Das war ein Ergebnis, das wir gebraucht haben, das ganze Team“, sagte er, bevor er die Trophäe in Longhorn-Design passend zum Rennen in Texas überreicht bekam.
Chef voll des Lobes
„Was für ein Junge“, sagte Teamchef Toto Wolff: „Es ist unglaublich. Er hat es total kontrolliert.“ Dass es mit der WM-Trophäe in Austin noch nicht klappte, lag am achten Platz von Russell. Der Brite hätte nicht über Rang neun hinauskommen dürfen. Zudem schaffte es Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari auf Platz vier - er hätte nur Fünfter werden dürfen, um die Titelvergabe an den 20 Jahre alten Antonelli nicht zu verhindern.
Platz neun in Mexiko-Stadt reicht
Mit 365 Punkten hat Antonelli nun aber 123 Punkte mehr als Russell. Damit reicht Antonelli schon am kommenden Sonntag in Mexiko-Stadt der neunte Platz, um sich mit 20 Jahren und 68 Tagen zum jüngsten Weltmeister der Geschichte zu krönen. Er würde dann Sebastian Vettel ablösen, der 2010 beim ersten seiner insgesamt vier WM-Titel 23 Jahre alt gewesen war.
Zweiter in Austin wurde Charles Leclerc im Ferrari vor Max Verstappen im Red Bull. Nico Hülkenberg verpasste im Audi als Elfter die Punkteränge.
Kein Wochenende wie jedes andere für den WM-Führenden
Ein wenig angespannt wirkte Antonelli schon vor dem Start. Erst zur vergangenen Saison stieg er in die Formel 1 ein. Das erste Jahr lief nicht wie erhofft. Aber der junge Italiener erwies sich als Turbo-Lerner, Teamchef Wolff verglich ihn schon mit einem KI-Agenten.
Als Minuten vor dem Erlöschen der Roten Ampeln die amerikanische Hymne für Gänsehaut-Atmosphäre auf dem Circuit of The Americas sorgte, blickte Antonelli angespannt und kurz auf den Boden. Die silberne Kühlweste war vermutlich in dem Moment das Coolste beim Italiener. Seit über 70 Jahren wartet seine Heimat auf den nächsten Formel-1-Weltmeister. 1953 hatte es Alberto Ascari geschafft. Lobeshymnen begleiten Antonelli in diesem Jahr, wann und wo er auch fährt.
Damit rechnete das Mercedes-Team
Bei aller Anspannung - Antonelli und seinem Team war klar, dass er es nicht unbedingt bei seiner ersten Gelegenheit perfekt machen musste. „Es ist eigentlich unrealistisch“, sagte Wolff vor dem Start bei Sky.
Wie weltmeisterlich Antonelli fährt, bewies er bereits beim Start. Eigentlich hätte er schlechter wegkommen müssen als Verstappen, Leclerc und Hamilton, die alle auf den schnelleren weichen Reifen das Rennen in Angriff nahmen. Antonelli hatte die mittlere Mischung gewählt - und raste den Rivalen in der Bergauf-Passage einfach so davon.
Jegliche Gefahren in der engen ersten Kurve, ausgangs der es dann wieder bergab geht, entging Antonelli, aber auch der Rest hinter ihm kam recht gut durch. Kurz danach attackierte allerdings Leclerc spektakulär Verstappen. Das ließ der Niederländer aber nicht lange auf sich sitzen und konterte kurz danach.
Das Feld zog sich danach etwas auseinander. Ganz vorn hielt sich Antonelli Verstappen gute zwei Sekunden vom Leib, ähnlich waren die Abstände bei den nachfolgenden Fahrern. Hieß auch: So würde es nicht reichen. Hamilton lag auf vier, Russell auf sechs. Allerdings bekam der Brite eine Fünf-Sekundenstrafe, weil er sich nach Ansicht der Rennkommissare in der ersten Runde unerlaubterweise einen Vorteil durch das Verlassen der Strecke verschafft hatte.
Es wurde eine Frage der Reifenstrategie
Aus der Spitzengruppe ließ sich Verstappen als erster neue Reifen geben. Wieder die soften Gummis, was auch bedeutete, dass der 29 Jahre alte Niederländer noch mal an die Box kommen müsste. Jeder Fahrer muss mindestens zwei verschiedenen Reifenmischungen im Rennen fahren.
Leclerc und Hamilton erfüllten das und wechselten von soft auf mittelweich. Antonelli blieb tapfer draußen und drehte seine Runden. Ebenso Russell, der noch seine Strafe beim Boxenstopp absitzen musste.
Nach 22 Runden war’s soweit und Russell reihte sich als Zehnter wieder ein, Hamilton war zu dem Zeitpunkt Fünfter, Antonelli Erster - und damit wäre er Weltmeister. Dann kam auch er rein zum Reifenwechsel und bekam die härteste Mischung und reihte sich als Dritter wieder ein.
Verstappen: „Ich habe ein Problem mit dem Auto, es ist unfahrbar.“
Nicht lange, denn Verstappen musste ja noch mal an die Box, zudem klagte er: „Ich habe ein Problem mit dem Auto, es ist unfahrbar.“ Anders der Mercedes von Antonelli, der ohne Probleme Leclerc passierte und wieder die Führung übernahm.
Die große Frage: Wie würde der Reifen am Silberpfeil halten? Noch ein Wechsel und die Führung und damit auch der Sieg wären wohl dahin. Doch er fuhr souverän und mit über 13 Sekunden Vorsprung zum nächsten Triumph.