Schüsse aus Auto „Blutbad“ bei Paris - Terrorermittlungen im Gange

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Von dpa
| 23.10.2026 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei dem Angriff wurde ein Mensch getötet. Foto: Emma Da Silva/AP/dpa
Bei dem Angriff wurde ein Mensch getötet. Foto: Emma Da Silva/AP/dpa
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Während Frankreich angespannt auf die am Samstag bevorstehenden Proteste blickt, ereignet sich in der Nähe von Paris eine Schreckenstat. Ein Mensch stirbt, mehrere sind verletzt. Was steckt dahinter?

Bei der tödlichen Schussattacke nahe Paris halten Ermittler und Politiker einen rassistischen Hintergrund für möglich. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete den Vorfall in den Gemeinden Trappes und La Verrière als „terroristische Tat“. Ein Mann hatte aus einem Auto heraus auf offener Straße mit einer automatischen Waffe geschossen. Dabei kam ein Mensch ums Leben, fünf weitere wurden teils sehr schwer verletzt, darunter ein zwölfjähriges Kind. Zuvor war von vier Verletzten die Rede. Der Verdächtige wurde kurze Zeit später festgenommen.

Terrorermittler gehen von besonderem Hintergrund aus

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe eine Untersuchung eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts auf gezielte Tötung im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben, der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zur Vorbereitung von Straftaten gegen Personen sowie des Waffenbesitzes. Dabei werde berücksichtigt, dass die Tat „aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit des Opfers zu einer bestimmten angeblichen Rasse, ethnischen Gruppe, Nation oder Religion begangen wurde“.

Bei dem Verdächtigten handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann. Sein Strafregister weise vier Verurteilungen auf, die von Rechts wegen getilgt seien. Seine Wohnung wurde demnach am Abend durchsucht. „Da für die Durchsuchung seiner Wohnung gemäß den Bestimmungen der Strafprozessordnung seine Anwesenheit erforderlich ist, wurde er bislang noch nicht von den Ermittlern vernommen“, hieß es.

Sprengfalle in Wohnung des Verdächtigen gefunden

Die Durchsuchung habe ergeben, dass in der Wohnung eine Sprengfalle eingerichtet worden sei. Diese habe aus drei Gasflaschen und elektrischen Drähten bestanden, die mit einer Zeitschaltuhr verbunden waren. 

Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs des Verdächtigen wurden den Angaben nach eine Maschinenpistole sowie eine Tränengasgranate entdeckt. Darüber hinaus wurde am Nachmittag eine weitere Person aus seinem engsten Familienkreis festgenommen. 

Macron fährt in betroffene Gemeinde

Präsident Emmanuel Macron stattete der betroffenen Gemeinde Trappes für Gespräche mit Einsatzkräften einen Besuch ab und verurteilte die tödlichen Schüsse vor Ort als „rassistischen Terroranschlag“. „Das, was heute geschehen ist, stellt einen Wendepunkt im Leben unserer Republik und unserer Nation dar“, sagte er. 

Auch Frankreichs Ex-Präsident François Hollande sprach von einer rassistisch motivierten Tat. „Angesichts des schrecklichen Anschlags, der die Gemeinden Trappes und La Verrière getroffen hat, ist nun nationale Solidarität gefragt, denn diese abscheuliche Tat ist vom rassistischen Hass geprägt“, schrieb Hollande auf der Plattform X.

Die rechtsnationale Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen meldete sich ebenfalls zu Wort: „Das Blutbad, das heute Morgen in Trappes stattfand, ist ein barbarischer Akt, dessen Motive aufgeklärt und die Verantwortlichen hart bestraft werden müssen.“

Bürgermeister geht von islamophoben Motiv aus

Als „Blutbad“ bezeichnete den Vorfall auch der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh. Der Angreifer habe offensichtlich ein solches anrichten wollen, sagte er dem Sender BFMTV. Der Mann habe wahllos geschossen. 

Rabeh hielt insbesondere einen islamfeindlichen Hintergrund für möglich. „Was wir heute miterlebt haben, ist objektiv gesehen ein Anschlag mit rassistischem, wahrscheinlich islamophobem Hintergrund“, sagte Rabeh. „Die Menschen, die heute ins Visier genommen wurden, hätten auch meine Mutter, meine Brüder, meine Schwägerinnen sein können“, sagte Rabeh.

Muslim-Verband ruft zu Wachsamkeit auf

Der muslimische Dachverband in Frankreich (CFCM) zeigte sich in einer Mitteilung nach der Tat entsetzt. Er warne unablässig vor den Folgen von Hassreden, Stigmatisierung und der Suche nach Sündenböcken, die von bestimmten Medien und politischen Verantwortlichen mitgetragen und dadurch in der öffentlichen Debatte zunehmend banalisiert würden, schrieb der Verband auf der Plattform X.

Sollte sich der rassistische und islamfeindliche Charakter des Angriffs bestätigen, wäre er ein tragisches Beispiel für die Gefahren, die von Hassideologien und entsprechenden Äußerungen ausgehen, hieß es weiter. Der CFCM rufe die Musliminnen und Muslime in Frankreich zu äußerster Wachsamkeit auf.

Mutmaßlicher Täter fuhr durch mehrere Orte

Die Schüsse ereigneten sich laut Polizei am Vormittag gegen 10.30 Uhr im Département Yvelines, das im westlichen Teil der Pariser Großraumregion liegt. Zunächst wurde in der Gemeinde Trappes geschossen, dann fuhr der Mann den Angaben nach weiter in die angrenzende kleine Gemeinde La Verrière. Laut Nuñez schoss der Verdächtige an drei verschiedenen Orten aus dem Wagen heraus.

Der Bürgermeister von La Verrière, Nicolas Dainville, sagte dem Sender BFMTV, dass die verletzte Zwölfjährige von acht Schüssen getroffen worden sei, was die Schwere der Lage verdeutliche. Rabeh sagte, das Mädchen schwebe „zwischen Leben und Tod“. 

Die Lage in Frankreich ist derzeit ohnehin äußerst angespannt. Am vergangenen Wochenende war es am Rande von Protesten wegen hoher Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen von Geschäften gekommen. 

Am Samstag sind erneut landesweit Demonstrationen angekündigt. Mit 70.000 Einsatzkräften ist ein massives Polizeiaufgebot vorgesehen. Erneut befürchten die Behörden Ausschreitungen.

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