Ukraine-Krieg Neuer Ort, neue Hoffnung? Selenskyj trifft Witkoff in Oslo
Die Ukraine und die USA reden wieder miteinander, auch wenn Präsident Trump vorab Kiew den Willen zum Frieden abspricht. Doch der ukrainische Präsident bekommt Unterstützung von zwei engen Partnern.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Oslo dem norwegischen Rundfunk zufolge Gespräche mit US-Unterhändler Steve Witkoff über eine Friedenslösung für sein Land begonnen. Auf der Nachrichtenplattform X hatte er das Treffen zuvor angekündigt. Zunächst wollte er zu dritt mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb sprechen, dann einzeln mit Witkoff, schließlich eine Runde zu viert.
„Ich bin jedem dankbar, der die Ukraine und einen würdigen Weg zum Frieden unterstützt“, schrieb Selenskyj. Die norwegische Hauptstadt ist ein neuer Schauplatz in den bislang erfolglosen Friedensbemühungen für das von Russland seit viereinhalb Jahren mit einem verheerenden Angriffskrieg überzogene Land. Auch das Format ist neu.
„Ziel ist es, die diplomatischen Bemühungen wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken“, sagte Støre laut der Nachrichtenagentur NTB. Wittkoff soll die Ergebnisse später weiter nach Moskau tragen.
Arrived in Norway with my team. Important meetings are scheduled: a trilateral with Jonas Gahr Støre and Alex Stubb, a bilateral with Steve Witkoff, and a meeting of all four of us. I will also have an audience with King Haakon VIII of Norway and a meeting with the Storting. We… pic.twitter.com/NY6XDzcQTZ
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) October 20, 2026
Das Treffen gehört zu der von US-Präsident Donald Trump dieser Tage vorangetriebenen Diplomatie. Diese setzt indes stark auf eine Verständigung mit Moskau, während der Druck auf die Ukraine wächst. Trump griff in Washington erneut Selenskyj an und beklagte, dieser sei bei den Friedensbemühungen „keine echte Hilfe“.
Trump für Dreiertreffen mit Putin und Xi
Trump zeigte sich auch offen für ein mögliches Dreiertreffen mit Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping. „Wir würden das machen, um über Atomwaffen und nukleare Abrüstung zu sprechen“, sagte Trump am Montag (Ortszeit) in Washington. Ein Treffen der drei größten Atommächte zur nuklearen Abrüstung sei „eine sehr gute Sache für die Welt“, die er jederzeit angehen würde. Er würde bei einer solchen Gelegenheit auch weitere Themen „wie die Ukraine“ ansprechen, sagte Trump weiter.
US-Medienberichten zufolge könnte ein Treffen mit Putin und Xi im November beim Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen Shenzhen stattfinden. Der Kreml erklärte sich einverstanden, weil Putin seit längerem auf Gespräche zur nuklearen Abrüstung dringt.
Moskau für Atomgespräche
Nach dem Ausstieg der beiden größten Atommächte Russland und USA aus Abrüstungsabkommen „steht die Welt ohne diese vertragliche Rechtsgrundlage da“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Das ist äußerst gefährlich, und wir müssen rechtzeitig mit den Verhandlungen beginnen.“ Es handle sich um einen langwierigen Verhandlungsprozess. In Sachen Ukraine verwies Peskow dagegen auf den Gesprächsfaden mit Witkoff.
China bestätigte die Pläne für ein Dreiertreffen nicht. Angesprochen auf Trumps Äußerungen sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking, sie habe derzeit keine Informationen dazu, die sie teilen könnte.
Verschärfter Tonfall zwischen Washington und Kiew
Trumps Vorstellung zu Amtsantritt, er könne den Ukraine-Krieg rasch beenden, hat sich nicht bewahrheitet. Unter ihm sehen sich die USA nicht mehr als Verbündeter Kiews, sondern eher als Vermittler. Der US-Präsident spricht auch immer wieder vom angeblichen Friedenswillen Putins, während er den Widerstand der Ukraine gegen einen übermächtigen Gegner abwertet.
In den vergangenen Tagen hat Trump Vereinbarungen mit Moskau getroffen, unter anderem Dieselkäufe in Russland vereinbart. Zugleich stocken wichtige militärische Hilfsleistungen für die Ukraine. Warnungen vor dem Start russischer ballistischer Raketen bleiben aus, das Starlink-Satelliteninternet ist gedrosselt. Kiew vermutet dahinter Absicht der USA. US-Außenminister Rubio dementierte bei einem Besuch in Indien Abweichungen von den Vereinbarungen mit Kiew.
Selenskyj hat in dieser Lage seine Zurückhaltung aufgegeben und Trump offen kritisiert. Der US-Präsident stehe mit seinem kremlfreundlichen Kurs auf der falschen Seite der Geschichte. Trump entgegnete: „Selenskyj weiß nicht, wovon er spricht.“ Er warf der Ukraine fehlende Gegenleistungen für die Unterstützung der USA vor. „Wir haben der Ukraine viel gegeben - sie hat uns nichts gegeben. Vergessen Sie das nicht“, sagte er in Washington.
Mindestens neun Tote in der Ukraine
Russische Luftangriffe auf die Ukraine gingen unterdessen mit großer Härte weiter, dabei kamen am Dienstag mindestens neun Zivilisten ums Leben. Drei Leichen wurden gefunden, als Rettungskräfte den Brand in einer Produktions- und Lagerhalle im Kreis Obuchiw südlich der ukrainischen Hauptstadt löschten. Das teilte der Militärgouverneur des Kiewer Gebiets, Tymur Tkatschenko, auf Telegram mit. Sechs Menschen seien verletzt worden.
Weniger später traf eine russische Drohne eine Autobahn am Stadtrand von Kiew. Dabei gab es drei Tote. Drohnentreffer wurden auch aus den Gebieten Charkiw, Sumy, Odessa, Dnipro bis nach Chmelnyzkyj, Ternopil und Lwiw weit im Westen der Ukraine gemeldet. Weitere drei Menschen wurden durch russischen Beschuss auf die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine getötet.
Russisches Treibstofflager angegriffen
Nach ukrainischen Gegenangriffen kam es zu einem Brand an einer Industrieanlage in Mitschurinsk im Gebiet Tambow, wie Gouverneur Jewgeni Perwuschow mitteilte. Nach inoffiziellen Berichten wurde in dem Ort 300 Kilometer südöstlich von Moskau die Pumpstation einer Pipeline getroffen. Russland überzieht die Ukraine seit 2022 mit einem Angriffskrieg. Deren Gegenangriffe richten sich vor allem gegen Industrie- und Militärziele im russischen Rückraum.