Hinter den Kulissen Hier gibt es Wat(t) aufs Ohr

| | 19.10.2026 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Das Logo des Volontärspodcasts entstand in Zusammenarbeit mit den Mediengestaltern der Zeitungsgruppe Ostfriesland.
Das Logo des Volontärspodcasts entstand in Zusammenarbeit mit den Mediengestaltern der Zeitungsgruppe Ostfriesland.
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Mit ihrem Podcast „Watt‘n los?“ haben die Volontäre der Zeitungsgruppe Ostfriesland ihre Redakteursausbildung auf ein neues Level gehoben.

Ostfriesland - Einen Podcast der Volontäre – das gab es bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland bis zum vergangenen Jahr nicht. Das wollten die angehenden Redakteure von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger und Borkumer Zeitung ändern und zugleich wissen, wie es ist, ein eigenes journalistisches Produkt zu entwickeln. Im gemeinsamen Brainstorming in Form einer „Volo-Woche“ entstand die Idee, ein in Staffeln gegliedertes Audio-Format zu schaffen. Unter dem Titel „Watt‘n los? Plattes Land, tiefe Themen“ setzen sich die Volontäre in jeweils vier Folgen mit einem lokalen Themenschwerpunkt auseinander, der in den Lokalredaktionen der Zeitungsgruppe Ostfriesland bereits stattgefunden hat. Die Auswahl erfolgt im Team und orientiert sich sowohl an Fragen, die junge Menschen bewegen, als auch an den persönlichen Interessen der Nachwuchsjournalisten.

Um was geht‘s genau?

Moderiert wird die jeweilige Staffel abwechselnd von einem Paar, den sogenannten Hosts. Ihre Episoden erscheinen im Zwei-Wochen-Rhythmus. Als Veröffentlichungstag wurde der Montag auserkoren. Mit Unterstützung von Audio-Redakteur Daniel Noglik, Volontärsbetreuer Claus Hock sowie der Chefredaktion veröffentlichten die fünf Nachwuchsjournalisten im Januar 2025 die erste Folge von „Watt‘n los?“. Seitdem haben sie elf Staffeln zu folgenden Themen produziert:

  • Jagd in Ostfriesland (Lars Löschen & Deike Terhorst)
  • Erdgasbohrungen vor der Insel Borkum (Pia Pentzlin & Jasmin Oltmanns)
  • Jugendkriminalität in Ostfriesland (Leona Spindler & Jasmin Oltmanns)
  • Kirche und Konfessionen in Ostfriesland (Pia Pentzlin & Deike Terhorst)
  • Kneipensterben in Ostfriesland (Jasmin Oltmanns & Deike Terhorst)
  • Das Klaasohm-Fest auf Borkum (Pia Pentzlin & Leona Spindler)
  • Bundeswehr und das neue Wehrdienstgesetz in Ostfriesland (Madita Janßen & Björn Klüver)
  • „Inselkinder“ – Jugendliche auf den Ostfriesischen Inseln (Romy Jochens & Deike Terhorst)
  • Ostfriesland verlassen: Chancen, Jobs, Rückkehr (Donia Rezkalla & Björn Klüver)
  • Herzblut für Ostfrieslands Bühnen (Eva van Loh & Madita Janßen)
  • Jung gründen in Ostfriesland: Der Weg in die Selbstständigkeit (Romy Jochens & Jurij Babanin)

Insbesondere die Aufbereitung der zweiten, sechsten und siebten Staffel war schwierig für die Volontäre, da die Themen recht komplex und nicht besonders zugänglich sind. Dennoch war es dem Team wichtig, sie im Podcast aufzugreifen, da sie gesellschaftliche Debatten anstoßen.

So wird der Podcast umgesetzt

Um einen Zugang zu diesen Themen zu gewinnen, lesen sich die Volontäre in der Vorbereitung in aktuelle Entwicklungen und bereits vorhandene Artikel ein und überlegen, an welchem Punkt sie diese vertiefen können. Sie durchforsten Social-Media-Kanäle und holen Stimmen von Experten ein. Dafür scheuen sich die angehenden Redakteure nicht, an die Orte des Geschehens zu fahren – so waren sie unter anderem bei einem Familiengottesdienst in Emden, bei der Marine in Wilhelmshaven und auf Norderney und Juist unterwegs. Ziel ist es dabei immer, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und damit eine ausgewogene Sicht auf das Thema zu bieten.

Deike Terhorst (links) und Romy Jochens haben sich in der achten Staffel von „Watt‘n los?“ mit Jugendlichen von den Ostfriesischen Inseln unterhalten. Foto: Madita Janßen
Deike Terhorst (links) und Romy Jochens haben sich in der achten Staffel von „Watt‘n los?“ mit Jugendlichen von den Ostfriesischen Inseln unterhalten. Foto: Madita Janßen

Die Struktur des Podcasts ist klar gesetzt: Die erste Episode jeder Staffel führt in das Thema ein, die weiteren Folgen widmen sich spezifischen Aspekten. Das Moderatorenpaar unterhält sich über seine Recherche und lässt immer wieder O-Töne von Experten einfließen. Für notwendige Definitionen von Fachbegriffen gibt es das „Lexikon“. Dafür wird immer ein weiterer Volontär dazugeholt. Jede Folge schließt mit einem Meinungsteil ab, in dem die Hosts gegebenenfalls auch eigene Erfahrungen teilen sowie ihre Hörer zum Austausch einladen. Ein weiteres Ziel von „Watt‘n los?“ ist es nämlich, vor allem jüngeren Menschen lokale Themen zugänglich zu machen und sie damit zur eigenen Meinungsbildung einzuladen.

Jasmin Oltmanns (links) und Deike Terhorst waren für ihre Podcast-Staffel zum Thema Kneipensterben in vier ostfriesischen Schankwirtschaften unterwegs. Foto: Pia Pentzlin
Jasmin Oltmanns (links) und Deike Terhorst waren für ihre Podcast-Staffel zum Thema Kneipensterben in vier ostfriesischen Schankwirtschaften unterwegs. Foto: Pia Pentzlin

Für alle Arbeitsschritte sind die Volontäre selbst verantwortlich: Themenfindung, Recherche, Gespräche mit Experten, Schreiben von Skripten, Moderation, Aufnahme und schließlich der Schnitt. Die Hosts denken auf Folgentiteln herum, schreiben die dazugehörigen Beschreibungen und veröffentlichen Artikel mit Folgenankündigungen. Wenn es sich anbietet, veröffentlichen sie weiterführende Texte zum Thema – seien es Interviews oder Reportagen. Für diese Arbeit werden die Volontäre einen Tag in der Woche von ihren regulären Ausbildungsstationen freigestellt.

Das sagen die Hörer

Sobald eine neue Folge erschienen ist, wird diese zudem für die Social-Media-Kanäle der Zeitungsgruppe Ostfriesland aufbereitet – als Story, Feed- und Linkpost sowie als Kurzvideo, das die Volontäre selbst aufnehmen und schneiden. Für diesen Zweck wurden in Zusammenarbeit mit der Kreativabteilung der Zeitungsgruppe Ostfriesland Gestaltungsvorlagen für sämtliche Darstellungsformen in den sozialen Netzwerken erarbeitet. Mithilfe dieser visuell ansprechenden Gestaltung konnte sich das „Watt‘n los?“-Team, insbesondere seit der Staffel zu Kirche und Konfessionen in Ostfriesland, eine kleine Online-Community aufbauen. Vor allem ihre Videoclips sorgen für rege Beteiligung. Die Rückmeldungen sind dabei überwiegend differenziert und konstruktiv – anders, als man es heutzutage aus Kommentarspalten gewohnt ist.

Pia Pentzlin (links) und Deike Terhorst wollten in der vierten Staffel von „Watt‘n los?“ wissen, wie es um die Institution Kirche in Ostfriesland bestellt ist. Foto: Jasmin Oltmanns
Pia Pentzlin (links) und Deike Terhorst wollten in der vierten Staffel von „Watt‘n los?“ wissen, wie es um die Institution Kirche in Ostfriesland bestellt ist. Foto: Jasmin Oltmanns

Bei der sechsten Staffel von „Watt‘n los?“ war das anders. Leona Spindler und Pia Pentzlin haben sich mit dem umstrittenen Borkumer Brauch „Klaasohm“ beschäftigt. Bis 2023 wurden während des Festes nachweislich Frauen mit einem Kuhhorn geschlagen. Die Reaktionen auf die Podcast-Staffel waren überwiegend negativ. Der Grund: Die Borkumer legen großen Wert darauf, ihren Brauch ohne Öffentlichkeit zu feiern. Berichterstattung, egal welcher Art, ist nicht erwünscht. Der Gegenwind in den sozialen Netzwerken war extrem. In Zusammenarbeit mit der Digital-Redaktion haben die Volontärinnen daraufhin ein Konzept entwickelt, wie mit diesen Reaktionen umgegangen werden kann. Daraus ist ein FAQ entstanden, auf das alle Kollegen zugreifen konnten. Für das Staffelfinale sind Spindler und Pentzlin trotz der Anfeindungen nach Borkum gefahren, um bei Klaasohm dabei zu sein. Auf der Insel haben sie die Möglichkeit genutzt, auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die sie beziehungsweise ihre Berichterstattung kritisiert haben.

So geht‘s weiter

Das Fazit nach rund zwei Jahren „Watt‘n los?“: Da sie sonst in ihrer zweieinhalbjährigen Ausbildung in unterschiedlichen Redaktionen der Zeitungsgruppe Ostfriesland eingesetzt werden, gab es bis zum Beginn des Podcasts kein Projekt, an dem die Volontäre als Team zusammenarbeiten. Das haben sie selbst geändert und sich zudem die Möglichkeit geschaffen, auch im Audiobereich journalistische Erfahrung zu sammeln. Es lohnt sich demnach, bereits in der Ausbildung eigene Projekte anzustoßen und neue Formate mutig auszuprobieren. Ihr Erfolg gibt den angehenden Redakteuren recht: Innerhalb eines Jahres konnten sie ihre monatlichen Hörerzahlen mehr als verzehnfachen.

Das „Ursprungsteam“, bestehend aus Pia Pentzlin, Leona Spindler, Jasmin Oltmanns und Deike Terhorst, hat sich zum Jahreswechsel 2025/2026 und dem Ende der jeweiligen Ausbildungszeiten weitestgehend aufgelöst. Für Nachwuchs ist jedoch gesorgt: Mit Madita Janßen, Björn Klüver, Romy Jochens und Donia Rezkalla geht derzeit die zweite „Watt‘n los?“-Generation an den Start. Auch die Volontäre der Ostfriesischen Nachrichten, Eva van Loh und Jurij Babanin, sind am Projekt beteiligt. Das Team ist also auf eine Größe von sechs Personen angewachsen. Wer neugierig auf den Podcast geworden ist, kann sich „Watt‘n los?“ überall dort anhören, wo es Podcasts gibt. Auch auf den Homepages oz-online.de, ga-online.de, on-online.de und borkumer-zeitung.de ist er unter dem Reiter „Podcasts“ zu finden. Hören Sie gerne rein! Die Volontäre freuen sich zudem über Feedback und Themenideen für weitere Staffeln.

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