Altersvorsorge Schon als Kind fürs Alter vorsorgen - die Frühstartrente

Andreas Hoenig und Theresa Münch, dpa
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Von Andreas Hoenig und Theresa Münch, dpa
| 16.10.2026 04:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
„Sparschwein“ fürs Alter: Neue Frühstartrente. (Archivbild) Foto: Hendrik Schmidt/dpa
„Sparschwein“ fürs Alter: Neue Frühstartrente. (Archivbild) Foto: Hendrik Schmidt/dpa
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Ein Zuschuss vom Staat soll Kinder an die Altersvorsorge heranführen. Die Koalition sieht einen wichtigen Baustein für die Rente.

Kinder bekommen 10 Euro im Monat vom Staat - für die Rente, die noch Jahrzehnte entfernt ist. Das ist der Kern der neuen Frühstartrente. Sie soll das Startkapital für die private Altersvorsorge sein. Der Bundestag beschloss einen Gesetzentwurf der Bundesregierung. Der Bundesrat muss noch zustimmen.

Finanzpolitiker der schwarz-roten Koalition sprachen von einer historischen Entscheidung. Der SPD-Finanzpolitiker Michael Thews sagte, die Frühstartrente werde lange wirken. „Das wird vielen helfen, eine vernünftige Altersvorsorge aufzubauen.“ 

Was ist konkret geplant?

Für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren werden pro Monat 10 Euro vom Staat in einen Altersvorsorgedepot-Vertrag eingezahlt. Das kann ein von den Eltern ausgewähltes Depot sein, oder automatisch eine von der Bundesbank verwaltete, sogenannte kollektive Anlage. 

Der Bundestag stimmte dem Gesetz zu.  Foto: Kay Nietfeld/dpa
Der Bundestag stimmte dem Gesetz zu. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Erträge sind bis zum Beginn der Auszahlungsphase steuerfrei. Ausgezahlt wird das geförderte Kapital laut Finanzministerium grundsätzlich nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Eltern und Großeltern können das Depot auch durch freiwillige Zahlungen aufstocken - Einzahlungen bis zu 6.840 Euro im Jahr sind erlaubt. 

Gefördert wird laut Finanzministerium nur ein Standarddepot-Vertrag mit dem Kostendeckel von einem Prozent. Bis zur Volljährigkeit dürfen Anbieter keine Abschluss- und Vertriebskosten erheben. Im Finanzausschuss des Bundestags wurde festgelegt, dass das Geld ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds anzulegen ist.

Wann startet die Frühstartrente?

Das Gesetz soll Anfang Januar 2027 in Kraft treten. Die Frühstartrente startet mit dem Geburtsjahrgang der im Jahr 2026 Sechsjährigen, also dem Geburtsjahrgang 2020 - die staatliche Unterstützung wirkt rückwirkend. Ab 2027 wird jährlich der Geburtsjahrgang der im jeweiligen Kalenderjahr Sechsjährigen einbezogen. Alle Kinder, die heute schon sieben oder älter sind, gehen also leer aus. Der Staat zahlt die Frühstartrente bis zur Volljährigkeit. Dann geht das Depot in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge über. 

Was soll die Frühstartrente bringen?

Der große Vorteil eines frühen Starts sei Zeit, so das Finanzministerium. Über viele Jahre könne der Zinseszinseffekt wirken. Je länger Geld investiert bleibe, desto stärker könne sich dieser Effekt bemerkbar machen. 

Der Depotwert steigt. (Symbolbild) Foto: Andreas Gebert/dpa
Der Depotwert steigt. (Symbolbild) Foto: Andreas Gebert/dpa

Nach Berechnungen des Finanzministeriums entsteht allein aus der staatlichen Förderung bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro. Daraus könnten bis zum 65. Lebensjahr ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro werden. Legen Eltern monatlich 10 Euro dazu, kann das Depot laut Ministerium bis zum 65. Lebensjahr auf rund 107.000 Euro wachsen - bei 50 Euro Zuzahlung wären es rund 320.000 Euro.

Den Berechnungen liegt dem Finanzministerium zufolge eine angenommene durchschnittliche Wertentwicklung von 7 Prozent pro Jahr zugrunde. Das entspreche der langjährigen Durchschnittsrendite weltweit gestreuter Aktienanlagen nach Abzug etwaiger Kosten. Die tatsächliche Wertentwicklung könne höher oder niedriger ausfallen. Im Gesetzentwurf heißt es: Sollte das Startkapital durch eine ungünstige Entwicklung am Kapitalmarkt geringer ausfallen als die Summe der für einen Anspruchsberechtigten angelegten Frühstartrente, bestehe kein Anspruch auf einen Ausgleich durch den Bund. 

Was kostet das den Staat?

Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.

Wozu soll die Frühstartrente junge Menschen motivieren?

Die Frühstartrente soll auch dafür sorgen, dass sich mehr junge Leute mit dem Aktienmarkt auseinandersetzen. Sie sollen die Wertentwicklung in ihren eigenen Depots spüren - und auch sehen, dass sich ein vorübergehendes Minus auf lange Sicht oft ausgleicht.

Bis zur Rente ist es noch weit weg für Kinder. (Archivbild) Foto: Jens Büttner/dpa
Bis zur Rente ist es noch weit weg für Kinder. (Archivbild) Foto: Jens Büttner/dpa

So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen. Denn private Vorsorge wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Dafür hat die Bundesregierung einen Nachfolger für die wenig beliebte private Riester-Rente entwickelt. 

Wie wird das Konzept bewertet?

Die Deutsche Kreditwirtschaft begrüßt die Pläne. Die Frühstartrente ergänze das geplante Altersvorsorgedepot um ein Angebot für Kinder und Jugendliche und erleichtere den frühzeitigen Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge. „Sie kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, junge Menschen früh an den langfristigen Vermögensaufbau über den Kapitalmarkt heranzuführen“, hieß es in einer Stellungnahme.

„Zehn Euro im Monat werden die Rentenlücke nicht schließen. Aber die Frühstartrente kann Millionen junge Menschen frühzeitig und ganz selbstverständlich mit dem Kapitalmarkt und langfristigem Investieren in Kontakt bringen“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Was wird kritisiert?

Der Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt sprach im Bundestag von einem Zweiklassensystem. Wer in der „Elternlotterie“ Glück habe, könne aus der Frühstartrente sehr viel mehr machen als eine kleine Starthilfe für die Altersvorsorge, sagte er mit Blick auf die Möglichkeit der Zuzahlungen im Depot. Er kritisierte außerdem: Falls das Geld in der kollektiven Anlage bis zum 35. Geburtstag nicht abgerufen werde, falle das Geld zurück an den Staat. Auch die Linke-Abgeordnete Sarah Vollath kritisierte, das Gesetz sorge nicht für Chancengleichheit.

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