Todesstrafe Gescheiterte Hinrichtung: Christa Pike in kritischem Zustand

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Von dpa
| 02.10.2026 07:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Rettungsfahrzeuge treffen am Ort der Hinrichtung ein, nachdem diese abgebrochen wurde.  Foto: George Walker IV/AP/dpa
Rettungsfahrzeuge treffen am Ort der Hinrichtung ein, nachdem diese abgebrochen wurde. Foto: George Walker IV/AP/dpa
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Zweimal wird Christa Pike ein tödliches Mittel verabreicht - doch sie stirbt nicht. Der US-Bundesstaat Tennessee stoppt vorerst weitere Hinrichtungen. Was über ihren Gesundheitszustand bekannt ist.

Die zum Tode verurteilte Mörderin Christa Pike sollte im US-Bundesstaat Tennessee mit der Giftspritze hingerichtet werden, doch sie überlebte. Nach Angaben ihrer Anwälte ist der Gesundheitszustand der 50-Jährigen kritisch. Sie erhalte eine lebensrettende medizinische Behandlung, so die Anwälte einen Tag nach der gescheiterten Hinrichtung. Offen ist, warum sie die zwei Injektionen überlebte.

Unterdessen berichtet die italienische Zeitung „La Repubblica“, Papst Leo XIV. habe sich schon im Vorfeld für eine Aussetzung der Hinrichtung von Pike eingesetzt. Eine Reaktion auf das Gesuch des Vatikans habe es aber nicht gegeben. Der Heilige Stuhl lehnt die Todesstrafe ab. Leo selbst sprach sich in der Vergangenheit für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe aus. Das ist bislang bekannt:

Wie geht es Christa Pike?

Pikes Anwälte äußerten sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz und bezeichneten den Gesundheitszustand als kritisch. Ihnen sei gesagt worden, dass Pike lebensrettende medizinische Behandlung erhalte. Bis Freitagmittag (MESZ) sind keine neuen Angaben bekanntgeworden. Wie Pikes Prognose ist und welche gesundheitlichen Folgen sie davontragen könnte, ist bislang unklar.

Unklar ist zudem, ob der 50-Jährigen erneut die Hinrichtung droht, falls sie sich erholen sollte. Die Anwälte sprachen sich dafür aus, dass die Todesstrafe für Pike nicht mehr angewandt werde und sie stattdessen lebenslänglich ohne Bewährung bekomme.

Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. Foto: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa
Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. Foto: Uncredited/Tennessee Department of Correction/AP/dpa

Was ist über die gescheiterte Hinrichtung bekannt?

Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten Pike noch lange atmen und nach Luft ringen gehört. Einer ihrer Anwälte sagte später, er habe sie nach der ersten Dosis sogar noch sprechen und singen gehört. Schließlich wurde Pike in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht.

Pikes Anwalt Randy Spivey sagte am Donnerstag, das Personal habe etwa eine Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. „Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln, von denen eine verbogen zu sein schien, als sie nach einem erfolglosen Versuch aus ihrem Arm gezogen wurde“, sagte Spivey. Während der Hinrichtung habe sich zudem ihr rechter Arm violett verfärbt; inzwischen gibt es nach Angaben der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.

Welche Konsequenzen zogen die Behörden?

Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Es ist offen, ob und unter welchen Bedingungen der Staat noch einmal versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken.

Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Hinrichtung des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.

Kurz vor der geplanten Hinrichtung versammelten sich Demonstranten in dem für Gegner der Todesstrafe reservierten Bereich. Foto: George Walker IV/AP/dpa
Kurz vor der geplanten Hinrichtung versammelten sich Demonstranten in dem für Gegner der Todesstrafe reservierten Bereich. Foto: George Walker IV/AP/dpa

Was ist über das Mittel bekannt?

Pentobarbital wird in Deutschland in der Tiermedizin angewendet, wie es in einem Beitrag der Universität des Saarlandes in der Fachzeitschrift „Rechtsmedizin“ heißt. Weil das Mittel bei Überdosierungen schnell zu Atemdepressionen führe, werde es zum Beispiel in der Schweiz bei Sterbehilfe oder in den USA bei der Vollstreckung von Todesstrafen eingesetzt. 

Im Fall von Christa Pike halten es von der „New York Times“ befragte Mediziner für möglich, dass das Pentobarbital zumindest teilweise nicht in Pikes Blutbahn, sondern in das umliegende Gewebe gelangte. Das könne erklären, warum die verabreichte Menge nicht ausreichte, um Atmung und Kreislauf vollständig zum Stillstand zu bringen. 

Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte anschließend, jeder Schritt der geltenden Richtlinie sei eingehalten worden. Dieses sehe nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen mehr vor. 

Wie oft kommt es vor, dass solche Hinrichtungen scheitern?

Nach Angaben des unabhängigen Death Penalty Information Center ist aus der modernen Ära der Todesstrafe in den USA kein anderer Fall bekannt, in dem ein Gefangener die Medikamente zur Hinrichtung erhielt und anschließend weiterlebte. Bei früheren gescheiterten Hinrichtungen war die Vollstreckung demnach meist schon zuvor abgebrochen worden, etwa weil kein geeigneter Venenzugang gelegt werden konnte.

Die Giftspritze ist in den USA die häufigste Hinrichtungsmethode. Seit 2024 ist in mehreren Bundesstaaten auch eine Hinrichtung mit Stickstoff erlaubt, was in der Praxis zu einem qualvollen Todeskampf der Verurteilten führt.

 

Warum erging die Todesstrafe gegen Pike?

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet worden. In den vergangenen Jahren hatten Pikes Anwälte zunehmend ihre schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft in den Mittelpunkt gestellt. Gouverneur Lee lehnte ein Gnadengesuch kurz vor dem geplanten Hinrichtungstermin dennoch ab. 

Ein Berufungsgericht hatte die geplante Hinrichtung zunächst gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte noch einmal mit der Frage beschäftigen, ob schwerer sexueller Missbrauch und andere traumatische Erfahrungen aus ihrer Kindheit sowie psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil angemessen berücksichtigt worden waren. 

Tennessee zog daraufhin vor den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub am Abend wieder auf und machte damit den Weg für die Hinrichtung frei. Bereits einen Tag zuvor hatte der Supreme Court einen anderen Antrag Pikes abgelehnt, die Hinrichtung zu stoppen.

Gibt es nun in den USA eine Diskussion über Hinrichtungen?

Umfragen zeigten in der Vergangenheit, dass die Mehrheit der Befragten in den USA an der Todesstrafe festhalten wolle. In Tennessee gab es zwar Kritik am Verlauf der Hinrichtung, eine Abschaffung wurde aber nicht diskutiert.

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