Fußball Attacke am Mittelmeer: Baumann rechnet mit Nagelsmann ab

Patrick Reichardt, dpa
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Von Patrick Reichardt, dpa
| 18.09.2026 10:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Baumann äußert sich kritisch zum WM-Sommer. (Archivbild) Foto: Tom Weller/dpa
Baumann äußert sich kritisch zum WM-Sommer. (Archivbild) Foto: Tom Weller/dpa
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Es sollte sein WM-Sommer als deutsche Nummer eins werden. Doch Oliver Baumann wurde auf den letzten Drücker degradiert - und nun auch von Jürgen Klopp nicht berufen. Der Frust ist groß.

Oliver Baumann sprach mit ruhiger Stimme, doch seine zutiefst bedrückte Miene und die klaren Worte in Richtung Julian Nagelsmann waren unmissverständlich. „Ich muss ehrlich sagen: Das im Sommer tat deutlich mehr weh, wie das gelaufen ist. Das war unfassbar - auch nicht nur aus einer Richtung tatsächlich“, sagte der Torhüter der TSG Hoffenheim beim TV-Sender Nitro über seine Last-Minute-Degradierung vor der WM. 

Wen er - abgesehen vom ebenfalls nicht namentlich genannten Ex-Bundestrainer - mit seinem Anwurf am Mittelmeer auf Kreta meinte, präzisierte Baumann nicht. Für Ex-Weltmeister Manuel Neuer hatten sich in den Tagen vor der Weltmeisterschaft in Amerika intern offenbar auch zahlreiche Bayern-Profis positioniert.

Die Ära Nagelsmann ist beim DFB längst Geschichte - und damit wahrscheinlich auch die kurze Ära Baumann, der alle seine 13 Länderspiele unter seinem früheren Hoffenheim-Trainer Nagelsmann machte. Nachfolger Jürgen Klopp nominierte am Donnerstag fünf Torhüter für die anstehenden vier Nations-League-Partien - der 36 Jahre alte Baumann war nicht darunter.

Neuer kehrt zurück - und tritt wieder ab

„Ich habe mich für Marc-André ter Stegen entschieden in dieser erfahrenen Position. Und danach wollte ich die nächste Generation haben“, erklärte Klopp mit Blick auf Baumann, der im Mai dieses Jahres kurzfristig für Neuer (40) weichen musste. Dieser kehrte zwei Jahre nach seiner Rücktrittserklärung für die WM zurück, spielte bis zum blamablen Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay ein unscheinbares Turnier und trat im Anschluss direkt wieder ab.

Stellvertreter Baumann und Stammkeeper Neuer waren bei der WM dabei. (Archivbild) Foto: Jan Woitas/dpa
Stellvertreter Baumann und Stammkeeper Neuer waren bei der WM dabei. (Archivbild) Foto: Jan Woitas/dpa

Und Baumann? Der hat die wohl einmalige Chance auf einen Turniereinsatz verpasst, obwohl er in der Qualifikation noch das deutsche Tor hütete und dabei überzeugte. Statt in den WM-Arenen von Houston oder Toronto zu glänzen, blieb Baumann selbst im sportlich wertlosen Gruppenfinale gegen Ecuador (1:2) nur der undankbare Platz auf der Bank.

Baumann: Klopp-Entscheidung „gefällt mir nicht“

Doch selbst den behält er im Zeitalter Klopp nicht. Hinter ter Stegen berief der neue Bundestrainer nun auch Alexander Nübel (29 Jahre), Finn Dahmen (28), Noah Atubolu (24) und Jonas Urbig (23) für die Position im Tor. Baumann nimmt Klopp das nicht übel und hob die offene Kommunikation des Bundestrainers hervor, der sich schon vor rund einer Woche mit der Absage bei ihm gemeldet hatte. 

„Die Entscheidung muss ich akzeptieren. Die gefällt mir nicht, das ist klar. Sie schlagen einen anderen Weg ein, das muss ich akzeptieren und respektieren“, sagte Baumann beim TV-Sender Nitro über die Nominierung. Die 0:2-Schlappe in der Europa League beim krassen Außenseiter OFI Kreta trug ihr Übriges zu Baumanns durchwachsener Laune bei.

Bundestrainer äußert Verständnis

Vorzeitig im DFB-Team abtreten will Baumann aber nicht. „Es ist so ein bisschen so ein Umbruchthema. Ich fühle mich topfit, egal, wie alt ich bin. Ich kann nur sagen: Wenn er mich braucht, dann bin ich auch da - und wenn nicht, dann muss ich es akzeptieren“, sagte der Torhüter später dem „Kicker“ in der Interviewzone. 

Harte Realität im Herbst: Hoffenheim verliert auf Kreta. Foto: InTime Sports
Harte Realität im Herbst: Hoffenheim verliert auf Kreta. Foto: InTime Sports

„Dass das für Oliver im Sommer nicht toll war, kann ich mir vorstellen“, sagte Klopp. Verständnis und Mitgefühl hatte vor der WM auch Nagelsmann geäußert. Dieser nannte Baumann „einen tollen Mannschaftsspieler“, einen „super Typ“ und „einen sehr guten Torwart“. Der Hoffenheimer Kapitän hatte seine Rolle als Nummer zwei damals klaglos akzeptiert - trotz der enormen Enttäuschung, die er nun an einem RTL-Mikrofon erstmals scharf zum Ausdruck brachte.

Bei der nächsten EM 2028 in Großbritannien wäre Baumann bereits 38 Jahre alt. Ter Stegen geht bei Klopp in der Pole Position an den Start, dahinter warten bereits die nächste und die übernächste Generation. Viel deutet darauf hin, dass TSG-Spiele in Heraklion oder beim SC Paderborn am kommenden Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) Baumanns Realität der kommenden Jahre sind - und nicht mehr die ganz große DFB-Bühne.

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