Oktoberfest 2026 KI-Kameras und neue Konzepte: Wiesn-Sicherheit verstärkt
Ein überfülltes Festgelände, Panik - und ganz viel Glück. Das Oktoberfest ist im vergangenen Jahr womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Das soll nicht noch mal passieren.
Nach Schockmomenten auf der überfüllten Wiesn im vergangenen Jahr wird nun einiges anders auf dem Oktoberfest. Als „Herzstück“ des weiterentwickelten Sicherheitskonzepts nannte Wiesnchef Christian Scharpf eine neue Koordinierungsstelle für Sicherheitskräfte und Stadt auf dem Gelände. Von dort aus sollen die Besucherströme auf dem Festgelände beobachtet und bei Bedarf gesteuert werden.
Mehr als 50 KI-gestützte Kameras an rund 35 Standorten sollen rechtzeitig gefährliche Ansammlungen von Menschen erkennen lassen. Zudem ist an den besucherstarken Tagen ein sogenannter Crowdspotter im Einsatz, der die Besucherströme im Blick behält. Der ausgebildete Sprecher könne bei Bedarf Durchsagen machen, um die Gäste zu lenken. 2025 war es am zweiten Wiesn-Samstag mit vielen Gästen aus dem Ausland vor den Festzelten so voll, dass es weder vor- noch zurückging - eine gefährliche Situation, die gerade noch glimpflich ausging.
Die Überfüllungssituation sei zu spät erkannt worden, sagte Scharpf. Bei einem Fest dieser Größe müsse man zu jeder Zeit wissen, was auf dem Festgelände los sei. „Wir haben massiv nachgesteuert“, sagte Scharpf. „Sicherheit ist die oberste Priorität.“
Auch Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller sagte, das Sicherheitskonzept sei „generalüberholt“. Kaum an einem Ort auf der Welt sei so viel Polizei und Sicherheitspersonal zu finden wie auf der Wiesn. Es gebe ein Eskalationskonzept, das stufenweise gezündet werden könne.
„Jeder Winkel des Festgeländes videoüberwacht“
Etwa 600 Polizeibeamte sind rund um das Fest im Einsatz. Die Wiesnwache wird unterstützt von der Bayerischen Bereitschaftspolizei, spezialisierten Taschendieb-Fahndern und internationalen Einsatzkräften. „Wir bekommen Unterstützung aus acht Ländern“, kündigte der Münchner Polizeivizepräsident Christian Huber an.
Neben den KI-Kameras gibt es 56 polizeiliche Videokameras auf dem Gelände. „Es soll sich jeder bewusst sein, dass jeder Winkel des Festgeländes videoüberwacht ist“, sagte Huber. Beamte tragen zudem Bodycams.
Bis zu 1600 Ordner
Rund 240 Beschäftigte des KVR sind laut Sammüller im Einsatz. Zudem seien 1200 bis 1600 Ordnerinnen und Ordner auf dem Festgelände unterwegs. Sie kontrollieren auch an den Eingängen, unter anderem mit Metalldetektoren. Gefährliche Gegenstände wie Messer, aber auch Schraubenzieher und ähnliches sind seit langem verboten. Messer sind auch in einer Zone rund um das Festgelände untersagt.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann versprach zum Start des Oktoberfests trotz abstrakter Gefahren „bestmögliche Sicherheit“ für Besucher. „Aufgrund der großen Bedeutung und der internationalen Bekanntheit des Oktoberfests gehen wir von einer erhöhten abstrakten Gefährdungslage aus“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Uns liegen derzeit aber keine konkreten Erkenntnisse über Gefährdungen oder Störungen vor.“
Drohnen im Blick
Drohnenflüge waren alljährlich ein Thema - meist aber von Hobbypiloten, die ein schönes Foto schießen wollten. Seit Jahren herrscht rund um und über dem Festgelände ein absolutes Flugverbot.
Man sei nun aber auch mit Blick auf die jüngsten Drohnen-Vorfälle gut vorbereitet, sagte Huber. Es gebe dabei Unterstützung vom neuen Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum. „Nach meiner Einschätzung sind wir gut aufgestellt.“
Nach islamistischen Terroranschlägen - und drohungen waren über die Jahre die Sicherheitsvorkehrungen ständig verschärft worden. Rund um das Gelände gibt es drei Sperrringe. Betonkübel mit Blumen auf den für Autos gesperrten Zufahrtsstraßen sollen Attacken verhindern. Direkt am Gelände gibt es versenkbare Poller. Es ist zudem seit zehn Jahren komplett umzäunt.
Sicherheit für Frauen und Mädchen
Huber mahnte Mädchen und Frauen, die sich belästigt fühlten, sollten sich an Sicherheitskräfte wenden oder notfalls die Nummer 110 wählen: „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“ Für Notfälle, Bedrohungen oder sexuelle Übergriffe unterstützen viele Zelte die „SafeNow“-App, mit der per Klick das Sicherheitspersonal gerufen werden kann.
Fraunhofer-Institut und Bundeswehr-Uni begleiten Projekt
In der neuen Koodinierungszentrale kommen unter anderem Sanitätsdienst, Verkehrsbetriebe, Feuerwehr, Polizei und Kreisverwaltungsreferat (KVR) täglich und bei Bedarf zu Lagebesprechungen zusammen.
Die Maßnahmen zur Besucherlenkung werden wissenschaftlich begleitet. Das Fraunhofer-Institut wird mit KI-gestützten Verfahren die Videodaten auswerten. „Wir extrahieren aus den Videoströmen lokale Personendichte und Bewegungsrichtungen“, sagte Jürgen Beyerer vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung. Gesichter und Personen würden dabei nicht erkannt, gemessen werde anonym. Es gehe darum, datenschutzkonform Großereignisse sicherer zu machen.
Die Universität der Bundeswehr wird zudem die Dynamik von Besucherströmen erforschen. Die Wissenschaftlerin Silja Hofmann verglich diese mit Verkehrsströmen. Es genüge nicht, den Stau festzustellen. Vielmehr wolle man wissen, wo sich demnächst ein Stau entwickele - und was geeignete Gegen-Maßnahmen sein könnten. Die Wiesn sei hier ein „Reallabor“, um Simulationsmodelle zu prüfen und zu verbessern.
Mehr Sicherheit durch mehr Blasmusik
Die Stadt will mit einer Kampagne auch internationale Gäste dazu bringen, nicht nur am Wochenende, sondern unter der Woche und zu unterschiedlichen Zeiten auf die Wiesn zu kommen und so den Ansturm entzerren. „Uns ist noch einmal wichtig zu sagen: Kommt doch, wenn es irgendwie geht, unter der Woche. Kommt zur Mittagswiesn, kommt am Nachmittag“, sagte Scharpf.
Bei dem Ziel, die Wiesn sicherer zu machen, spielt auch die Blasmusik eine Rolle. Um den Besuch der Wiesn auch unter der Woche attraktiver zu machen, soll die Musik in den Zelten eine Stunde früher beginnen dürfen.
„O’zapft is“ mit neuem OB
Das 191. Münchner Oktoberfest, das als größtes Volksfest der Welt gilt, startet am Samstag. Für das berühmte „O’zapft is“ ist dann erstmals der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) zuständig, der den langjährigen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) an der Stadtspitze abgelöst hat.