Mehr als 100 Menschen getötet Lateinamerika bleibt gefährlichste Region für Umweltschützer
Wer die Natur verteidigt, lebt in Teilen Lateinamerikas gefährlich. Zwar sinkt die weltweite Zahl der getöteten Umweltschützer - in Brasilien hat sie sich aber binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.
Weltweit sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Global Witness mindestens 124 Land- und Umweltschützer getötet worden. Allein 105 von ihnen wurden in Lateinamerika umgebracht - damit war die Region erneut mit großem Abstand trauriger Spitzenreiter, wie ein veröffentlichter Bericht der Organisation zeigt.
Kolumbien an der Spitze
Am größten war die Gefahr erneut in Kolumbien, wo 39 Umweltschützer getötet wurden. Damit führt das Land zum vierten Mal in Folge die Statistik an. Es folgen Brasilien (26 Todesfälle), Honduras und die Philippinen (12), Mexiko (10) und Guatemala (8). Auf Kolumbien und Brasilien entfielen damit mehr als die Hälfte aller weltweit registrierten Fälle.
Mehr als drei Viertel der weltweit Getöteten waren Kleinbauern, Angehörige indigener Völker oder Menschen afrikanischer Abstammung. Bei mehr als einem Drittel der weltweit erfassten Fälle gab es zudem Hinweise auf Verbindungen zu organisierter Kriminalität oder Auftragsmördern.
Insgesamt ist die Zahl der dokumentierten Tötungen allerdings zurückgegangen. 2024 gab es laut Global Witness 142 Todesopfer, im Jahr davor waren es 196 gewesen. Allerdings betont Global Witness auch, dass die tatsächliche Zahl der Fälle vermutlich höher liegt.
Gefährlich wird es auf umkämpftem Land
Besonders gefährlich ist die Lage dort, wo um Land und natürliche Ressourcen gerungen wird. Mehr als die Hälfte der Tötungen stand nach Angaben von Global Witness mit Landkonflikten in Verbindung. Betroffen sind unter anderem Gebiete mit Bergbau und Rohstoffförderung, Abholzung und Landwirtschaft. Ungeklärte oder nicht anerkannte Ansprüche auf Land führten dazu, dass indigene Gemeinschaften und Kleinbauern unter Landraub, Einschüchterung und Gewalt zu leiden hätten, sagte Gabriella Bianchini von Global Witness.
Menschen, die ihr Land und die Umwelt verteidigen, seien die „Augen und Ohren der Welt vor Ort“, sagte Toby Hill, Hauptautor des Berichts. Sie machten sichtbar, wo Ökosysteme zerstört, Wälder gerodet oder Flüsse verschmutzt würden. Die Gewalt gegen sie spiegele einen größeren Kampf um Land und Ressourcen wider.
Brasilien besonders stark betroffen
In Brasilien hat sich die Zahl der Tötungen binnen eines Jahres von 12 auf 26 mehr als verdoppelt. Die meisten Fälle standen im Zusammenhang mit Forderungen nach der Anerkennung angestammter indigener Gebiete sowie nach Landreformen in den Bundesstaaten Rondônia und Pará. Global Witness sieht die Konzentration von Land in den Händen weniger Großgrundbesitzer und die Erschließung immer größerer Flächen für Viehzucht, Sojaanbau, Rohstoffabbau und Spekulation als zentrale Konflikttreiber.
Indigene schützen ihre Gebiete
Zugleich versuchen betroffene Gemeinschaften, sich selbst zu schützen. In Peru etwa haben Kakataibo-Indigene eine eigene Schutztruppe aufgebaut, die ihr Gebiet überwacht und gegen organisierte Kriminalität und illegalen Koka-Anbau verteidigt. „Für die nächste Generation ist diese Arbeit gefährlicher als je zuvor“, sagte deren Kommandant Segundo Ispón.