Kolumne Larsklar Lars‘ erste Wahl mit Ansage aus dem Familienblock

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Eine Kolumne von Lars Reckermann
| 12.09.2026 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Appell von Chefredakteur Lars Reckermann: „Gehen Sie wählen.“
Appell von Chefredakteur Lars Reckermann: „Gehen Sie wählen.“
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Zwischen Wahlkabine und Küchentisch zeigt sich, wie Demokratie gelernt wird. Das ist die Meinung unseres Chefredakteurs Lars Reckermann.

Meine erste Wahl war keine Sternstunde demokratischer Selbstbestimmung, sondern eher ein öffentliches Familienkammerspiel. Ich stand im Wahlraum, geschniegelt in einem längst nicht passenden Anzug, aber für meine Oma ging man nicht in Latzhose ins Wahllokal, sondern im Anzug. Basta! Als ich dann in der Wahlkabine stand, brüllte mein Vater durch den Saal: „Du weißt ja … Dritter von oben!“ Dritter. Von. Oben. Ich vergrub mein Gesicht noch mehr in den aufgeklappten Sichtschutz. Am liebsten hätte ich mich hinter der Wahlkabine eingerollt und wäre erst zur nächsten Legislaturperiode wieder herausgekommen. Die Wahlhelfer taten so, als hörten sie nichts. Natürlich hörten alle alles. Für meinen Vater war das vermutlich gelebte politische Bildung.

Zur Person

Lars Reckermann, 1970 geboren, ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers Rhauderfehn und der Borkumer Zeitung. Seit 2016 lebt der gebürtige Westfale in Norddeutschland. Er plaudert gerne mit Menschen aus Ostfriesland. Deshalb hat er den Podcast „Ein Glas mit Lars“ ins Leben gerufen.

Kontakt: l.reckermann@zgo.de

Aber vielleicht steckt in dieser Szene mehr Wahrheit, als mir damals lieb war. Wählen lernt man nicht nur aus Schulbüchern oder Sonntagsreden. Man lernt es auch von der Familie, aus Küchentischgesprächen, aus Streit, aus Haltung. Irgendwann kommt dann der Moment, in dem man selbst den Stift in der Hand hält. Und dann ist eben nicht mehr der Vater dran und schon gar nicht der lauteste Kommentar im Internet, sondern man selbst. Gerade bei der Kommunalwahl ist das keine Nebensache. Hier geht es nicht um ferne Weltpolitik, die in Talkshows zerredet wird. Hier geht es um den Bus, der fährt oder eben nicht. Um die Schule, in der das Dach undicht ist. Um Radwege, Kitas, Feuerwehren, Sportplätze, Windräder, Marktplätze und die Frage, wie sich die Orte in Ostfriesland anfühlen sollen: lebendig, gerecht, vernünftig, mutig.

Kommunalpolitik ist die Politik, der man nicht entkommen kann, weil man ständig über ihre Entscheidungen läuft, fährt, stolpert oder sich über sie freut. Wer nicht wählt, überlässt anderen die Regie über das eigene Alltagstheater. Demokratie lebt nicht davon, dass alle zufrieden sind. Sondern davon, dass alle die Chance haben, mitzuentscheiden. Das Kreuzchen ist vielleicht klein. Seine Wirkung ist es nicht. Also: Gehen Sie wählen. Nehmen Sie Ihre Meinung an die Hand, geben Sie ihr einen Stift, und zeigen Sie der Demokratie, dass sie in Ihrer Gemeinde nicht auf dem Stimmzettel verstaubt, sondern Beine hat.

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