Arbeitsmarkt Drei Millionen Arbeitslose – Besserung in Sicht?

Irena Güttel, dpa
|
Von Irena Güttel, dpa
| 28.08.2026 09:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Chancen für Arbeitslose, eine neue Beschäftigung zu finden, sind nach Einschätzung der Bundesagentur zurzeit historisch schlecht. (Symbolbild) Foto: Patrick Pleul
Die Chancen für Arbeitslose, eine neue Beschäftigung zu finden, sind nach Einschätzung der Bundesagentur zurzeit historisch schlecht. (Symbolbild) Foto: Patrick Pleul
Artikel teilen:

Sommerpause und schwache Konjunktur drücken auf den Arbeitsmarkt. Doch es gibt Hoffnung, dass dieser wieder Fahrt aufnehmen könnte.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland verharrt auch im August über der Drei-Millionen-Marke. Verantwortlich dafür ist nach Angaben der Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, die Sommerpause. „Wir gehen aber davon aus, dass im kommenden Monat die Arbeitslosigkeit wieder sinken wird.“ Doch eine Trendwende am Arbeitsmarkt ist ihr zufolge nicht so schnell in Sicht. 

3,061 Millionen Menschen waren laut der Bundesagentur im August ohne Job und damit 54.000 mehr als im Vormonat. „Das entspricht dem für August üblichen Saisonmuster“, erläuterte Nahles. So sind nach dem Ende von Schule und Ausbildung etwa junge Menschen noch ohne festen Job.

Saisonbereinigt lag das Plus bei 4.000 Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquote nahm im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 6,5 Prozent zu. Die Bundesagentur griff für die aktuelle Statistik auf Daten zurück, die bis zum 13. August vorlagen. 

Wachstumsimpulse fehlen

Damit setzt sich die verhaltene Entwicklung der vergangenen Monate fort. Bei der konjunkturellen Kurzarbeit sei das Niveau im langjährigen Vergleich weiterhin erhöht, die Zahl der offenen Stellen bewege sich auf niedrigem Niveau, der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung fehlten die Wachstumsimpulse, zählte Nahles auf. 

Mit der Herbstbelebung im September könnte die Zahl der Arbeitslosen wieder unter die Drei-Millionen-Marke sinken, sagte Nahles. Aber das werde ausschließlich saisonale Gründe haben. „Die Ferienzeit geht in vielen Betrieben zu Ende, und Einstellungen werden wieder verstärkt vorgenommen.“ 

Konjunkturerholung kommt verzögert an

Fachleuten zufolge könnte die deutsche Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnen. Doch bis eine konjunkturelle Erholung auf dem Arbeitsmarkt ankomme, dauere es mehrere Monate, sagte Nahles. Außerdem seien die Erwartungen noch mit vielen Fragezeichen versehen. „Wir haben ja auch im letzten Herbst gedacht, dass das Frühjahr dieses Jahr besser wird, und dann ist der Iran-Krieg dazwischengekommen.“

Für den Haushalt der Bundesagentur wären sinkende Arbeitslosenzahlen eine gute Nachricht, denn diesen belasten vor allem die Mehrausgaben beim Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Nahles rechnet zum Jahresende mit einem Defizit von mehr als 10 Milliarden Euro. 2027 sind ihr zufolge 5 Milliarden Euro prognostiziert. Im Zuge eines konjunkturellen Aufschwungs könnte die Summe im kommenden Jahr aber geringer ausfallen, sagte sie.

Was die Ministerin sagt

„Als Bundesregierung tun wir alles für mehr Wirtschaftswachstum, um den Arbeitsmarkt zu stärken“, teilte Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) mit. „Dazu gehört auch, dass wir unseren Sozialstaat effizienter machen. Erste konkrete Schritte werden wir noch in diesem Herbst umsetzen.“ 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte aber davor, die Arbeitslosenversicherung unter Spardruck zu setzen. „In solchen Zeiten braucht es nicht weniger Personal und weniger Beratung, sondern mehr und bessere Angebote“, erklärte Vorstandsmitglied Anja Piel, die auch im Verwaltungsrat der Bundesagentur sitzt. 

Im August erhielten nach einer Hochrechnung 1,133 Millionen Menschen Arbeitslosengeld - 109.000 mehr als vor einem Jahr. Grund für den Anstieg ist den Fachleuten zufolge die schwierige Wirtschaftslage und der Strukturwandel. Demgegenüber stand ein Rückgang beim Bürgergeld von 116.000 auf 3,754 Millionen erwerbsfähige Empfänger, weil nach Angaben der Bundesagentur Flüchtlinge zunehmend eine Arbeit aufnehmen. 

Fachkräfte aus dem Ausland unverzichtbar

Die Chancen für Arbeitslose, eine neue Beschäftigung zu finden, sind nach Einschätzung der Bundesagentur zurzeit historisch schlecht. „Die Unternehmen bleiben bei der Suche nach neuem Personal zurückhaltend“, sagte Nahles. Neben der Wirtschaftsflaute ist auch die Demografie für den Abwärtstrend bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verantwortlich, da die deutsche Bevölkerung im erwerbstätigen Alter schrumpft. 

„Zuwanderung hat diesen Rückgang über viele Jahre zu einem erheblichen Teil ausgeglichen“, erläuterte Nahles. Von den 34,81 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren nach den aktuellsten Hochrechnungen aus dem Juni erstmals mehr als 6 Millionen ausländische Bürgerinnen und Bürger. 

„In den ostdeutschen Bundesländern ist diese Entwicklung bereits seit längerem besonders deutlich“, betonte Nahles. Dort reiche die Zuwanderung häufig nicht mehr, um den Rückgang bei den deutschen Beschäftigten auszugleichen - ein Muster, das sich ihr zufolge inzwischen auch in Westdeutschland zeigt. „Vielfach sind Menschen ohne deutschen Pass für den Arbeitsmarkt mittlerweile unverzichtbar“, sagte sie.

Ähnliche Artikel