Schwimm-EM Kein „Arschtritt“ nötig: Märtens und die Rückkehr nach Paris

Thomas Eßer und Gerald Fritsche, dpa
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Von Thomas Eßer und Gerald Fritsche, dpa
| 09.08.2026 10:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei Olympia vor zwei Jahren feierte Lukas Märtens seinen größten Erfolg. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler
Bei Olympia vor zwei Jahren feierte Lukas Märtens seinen größten Erfolg. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler
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Das Freiwasser-Team um Dreifach-Champion Wellbrock legt vor, nun wollen seine Kollegen im Becken glänzen. Auf seiner Lieblingsstrecke kann ein Olympiasieger etwas Besonderes schaffen.

Den Triumph der deutschen Freiwasser-Staffel mit dem dritten EM-Gold von Kumpel Florian Wellbrock genoss Lukas Märtens noch als Fan mit Eiffelturm-Blick. Von diesem Montag an wird es auch für den deutschen Vorzeigeschwimmer im Becken ernst. Der Olympiasieger von 2024 will seine großartigen Paris-Erinnerungen um weitere denkwürdige Momente ergänzen. Das Ziel: an die starke deutsche Performance in der Seine im Centre Aquatique Olympique anknüpfen.

„Paris hat natürlich seine ganz eigene Geschichte“, sagt Märtens. „Ich habe da vor zwei Jahren - auch für mich - Geschichte geschrieben.“ Den Sieg über 400 Meter will er sich auch bei der EM schnappen. Märtens wäre auf der Strecke dann gleichzeitig Olympiasieger, amtierender Weltmeister, aktueller Europameister und Weltrekordhalter - mehr geht nicht. „Und bei den 200 Metern habe ich auch noch eine Rechnung offen. Da habe ich noch keine internationale Medaille“, sagt das Freistil-Ass.

Darf sich Lukas Märtens in Paris wieder über Gold freuen? (Archivbild) Foto: Michael Kappeler
Darf sich Lukas Märtens in Paris wieder über Gold freuen? (Archivbild) Foto: Michael Kappeler

Bundestrainer: Märtens zuletzt mit Schulterproblemen

Los geht es für ihn aber an diesem Montag mit der Staffel über 4x200 Meter Freistil (Finalsession ab 18.30 Uhr/ARD). Die ersten Trainingseindrücke in der französischen Hauptstadt stimmen. „Er hatte jetzt ein paar Schulterprobleme die letzten Tage, aber das wird auch besser“, sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn. „Ich denke, dass er am Montag in der Staffel schon mal ein bisschen zeigen kann, was er drauf hat.“

Der Magdeburger Coach ist für seine Schwimmer, zu denen auch die Medaillenkandidaten Oliver Klemet, Johannes Liebmann und Isabel Gose zählen, mehr als nur ein normaler Trainer, der die sportlichen Pläne macht. Berkhahn ist auch Vertrauensperson und Motivator.

Märtens: „Dann gibt er mir einen Arschtritt“

Wenn er seinen Fokus verliere, sehe es der 55-Jährige ihm an, sagt Märtens. „Dann gibt er mir einen Arschtritt und dann geht’s wieder weiter. Dann weiß ich auch wieder um meinen Weg, was noch bevorsteht und was ich leisten kann.“ Wie viel das ist, zeigte Märtens vor vier Jahren erstmals so richtig auf großer Bühne.

Bei der EM in Italien schwamm er zu seinem ersten großen Titel. In Rom bejubelte Märtens Gold über 400 Meter. Bei den Gedanken daran „muss ich fast weinen“, sagt er über den Erfolg als Auftakt einer steilen Karriere. Auf seiner besten Strecke will er nun „den zweiten EM-Titel einsacken“. Zu verlieren habe er nichts. „Ich habe schon alles gewonnen, was man gewinnen kann. Ich kann eigentlich nur noch mehr gewinnen“, sagt er. Motivationsprobleme hat er nicht.

Von Paris nach Los Angeles

Für Wellbrock gilt das ebenfalls. Ausgerechnet in dem Fluss, aus dem er vor zwei Jahren bei Olympia schwer geschlagen stieg, gewann er nun drei Goldmedaillen. „Es galt ja auch ein bisschen was gutzumachen“, stellte der 28-Jährige nach dem glänzenden Freiwasser-Abschluss mit Julia Ackermann, Isabel Gose und Oliver Klemet in der Staffel fest.

Glänzender EM-Abschluss für das Freiwasser-Team vor prächtiger Kulisse. Foto: Aurelien Morissard
Glänzender EM-Abschluss für das Freiwasser-Team vor prächtiger Kulisse. Foto: Aurelien Morissard

„Drei Medaillen, drei Titel hätte ich mir vorher nicht erträumt hier bei der Europameisterschaft. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich das hier so noch einmal erleben durfte“, sagte Wellbrock. Der gebürtige Bremer gewann zuvor auch über fünf und zehn Kilometer, Gose siegte im Knockout-Sprint. Zudem holte Klemet Bronze auf der olympischen Distanz. Damit lag Deutschland auch im Medaillenspiegel klar vorn.

Sein nächstes Ziel hat Wellbrock schon vor Augen. Nach dem letzten Rennen in der Seine hieß es für ihn Koffer packen. Direkt von der EM ging es nach Los Angeles. Dort will Wellbrock schon einmal die Strecke der Sommerspiele 2028 testen. Im EM-Becken ist er diesmal nicht dabei.

Florian Wellbrock war der überragende Schwimmer in der Seine. (Archivbild) Foto: Dimitar Dilkoff/AFP/dpa
Florian Wellbrock war der überragende Schwimmer in der Seine. (Archivbild) Foto: Dimitar Dilkoff/AFP/dpa

Bundestrainer: „Nicht viele Medaillenchancen“

Aus den USA wird Wellbrock verfolgen, was seine Teamkollegen in der Halle beim Stade de France leisten. „Wenn man sich die Meldeliste anschaut, dann haben wir nicht viele Medaillenchancen im Beckenschwimmen“, sagt Berkhahn. „Ich hoffe einfach, dass wir diese wenigen nutzen, dass das gut läuft - und ein paar Newcomer durchstarten, in die Finals kommen und vielleicht springt ja auch die eine oder andere Podiumsplatzierung noch raus, mit der wir jetzt noch nicht rechnen.“

Zu den Edelmetallkandidaten zählen neben seinen Magdeburger Athleten auch Brustschwimm-Weltmeisterin Anna Elendt, Langstrecken-Experte Sven Schwarz sowie Schmetterlingsschwimmerin Angelina Köhler.

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