Trauerfeier für Graham Es geht um zwei Kriege: Selenskyj und Netanjahu bei Trump

Franziska Spiecker, Sara Lemel und Andreas Stein, dpa
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Von Franziska Spiecker, Sara Lemel und Andreas Stein, dpa
| 28.07.2026 05:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Trauerfeiern für den verstorbenen US-Senator Graham bringen auch ausländische Gäste nach Washington. Foto: Allison Robbert
Die Trauerfeiern für den verstorbenen US-Senator Graham bringen auch ausländische Gäste nach Washington. Foto: Allison Robbert
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Der Ukraine-Krieg wird in den USA schon länger vom Iran-Krieg überlagert – nun stehen beide auf Trumps Agenda. Der ukrainische Präsident Selenskyj macht als erster die Aufwartung im Weißen Haus.

US-Präsident Donald Trump hat in Washington den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen. Bei dem Gespräch sollte es Selenskyj zufolge um weitere US-amerikanische Unterstützung für ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gehen. Auch eine Stärkung der Flugabwehr habe Priorität, sagte er. Die USA sehen sich in dem Krieg als Vermittler – ihre Bemühungen um ein Kriegsende sind zuletzt aber wegen ihres eigenen Kriegs gegen den Iran in den Hintergrund geraten.

Unmittelbar danach stand für Trump ein Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an, bei dem es um den Iran-Krieg gehen sollte. Anlass der zwei internationalen Treffen im Weißen Haus war ein Trauerfall: Selenskyj und Netanjahu kamen nach Washington zur Trauerfeier für den unlängst gestorbenen US-Senator Lindsey Graham. Er hatte sich einen Namen als wichtiger Unterstützer Israels und der Ukraine gemacht. 

Zentrale Punkte der politischen Gespräche des US-Präsidenten: 

Selenskyj und Trump

Trump und Selenskyj haben sich in den vergangenen Wochen häufiger gesehen: Anfang des Monats beim Nato-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Évian. Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg mit.

Selenskyj und Trump haben ein Verhältnis mit Höhen und Tiefen. (Archivbild) Foto: Ukraine Presidency/Ukrainian Pre
Selenskyj und Trump haben ein Verhältnis mit Höhen und Tiefen. (Archivbild) Foto: Ukraine Presidency/Ukrainian Pre

Verhältnis der beiden

Wenn Selenskyj nach Washington kommt, werden unweigerlich Erinnerungen an den Eklat im Oval Office wach. Kurz nach seinem Amtsantritt überzog Trump seinen ukrainischen Kollegen dort vor laufenden Kameras lautstark mit heftigen Vorwürfen und brach das Treffen abrupt ab.

Danach besserten sich die Beziehungen der beiden Staatsoberhäupter – auch wenn sich Trump weiterhin Kritik ausgesetzt sah, nicht genug Distanz zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu zeigen. Der Wendepunkt war laut Selenskyj ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025. „Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten änderten“, sagte Selenskyj der rechten US-Influencerin Laura Loomer kürzlich in Kiew. 

Worum es Selenskyj bei Trump gehen könnte

Neben Sanktionen gegen Russland sind für Selenskyj vor dem kommenden Winter neue Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen relevant. Zwar soll Kiew eine Lizenz zur eigenen Produktion dieser Flugkörper bekommen. Doch der Aufbau einer Produktion in der Ukraine wird Monate dauern, die Stückzahlen werden den Bedarf gegen russische Raketenangriffe kaum decken können. Mitte Juli hatte der ukrainische Staatschef als Mindestbedarf 300 dieser Raketen für die drei Wintermonate angegeben. 

Es wird erwartet, dass Selenskyj am Abend (US-Ostküstenzeit) auch Senatoren beider Parteien trifft. Nach Informationen des US-Portals „The Hill“ wurden alle 100 Senatoren zu dem Treffen eingeladen. In der Kongresskammer wird seit langem über ein neues Sanktionspaket gegen Russland verhandelt, das der Trump-Verbündete Graham maßgeblich vorangetrieben hatte. Es richtet sich unter anderem gegen Länder, die russische Energieträger importieren und damit helfen, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Nach dem Tod Grahams versuchen mehrere Senatoren, das Anliegen ihres gestorbenen Kollegen zum Abschluss zu bringen.

Netanjahu und Trump

Trump empfing Netanjahu zuletzt im Februar im Weißen Haus. Im Zentrum der Gespräche damals: der Umgang mit dem Iran. Rund zweieinhalb Wochen später starteten die USA und Israel ihre gemeinsamen Angriffe gegen die Islamische Republik. Seitdem sind fünf Monate vergangen – und unterschiedliche Interessen der USA und Israels in dem Krieg zunehmend sichtbar geworden. Während Israel den Krieg Medienberichte zufolge fortsetzen wollte, lag Trumps Fokus zuletzt lange auf einer diplomatischen Lösung.

Netanjahu und Trump verbindet eine Partnerschaft im Iran-Krieg mit Spannungen. (Archivbild) Foto: Alex Brandon/AP/dpa
Netanjahu und Trump verbindet eine Partnerschaft im Iran-Krieg mit Spannungen. (Archivbild) Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Nach der jüngsten Eskalation in dem Krieg sind jedoch sowohl die vereinbarte Waffenruhe als auch das Rahmenabkommen Washingtons mit Teheran aktuell Geschichte. Für Trump ist das ein Problem: In knapp 100 Tagen stehen die wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress an. Der Krieg ist im eigenen Land unbeliebt – und einige in den USA machen Netanjahu dafür verantwortlich, Trump dazu überredet zu haben.

Verhältnis der beiden

In den vergangenen Monaten galt das einst gute Verhältnis der beiden wegen der Differenzen im Iran-Krieg als belastet. Gerade vor einer richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es für Netanjahu entscheidend, Einigkeit mit Trump zu zeigen. 

Netanjahu betonte vor der Zusammenkunft, es sei bereits sein achtes Treffen mit Trump in dessen zweiter Amtszeit, „mehr als mit jedem anderen internationalen Staats- oder Regierungschef“. Trump wiederum sagte am Montag, dass er und Netanjahu mit Blick auf den Iran zwar eine „kleine Unstimmigkeit“ hätten, aber ziemlich nah beieinander lägen.

Worum es Netanjahu bei Trump gehen könnte

Netanjahu machte zu Beginn seiner US-Reise klar, wichtigstes Thema bei Trump werde der Iran sein. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, Netanjahu wolle Geheimdienstinformationen über mutmaßliche Bestrebungen des Irans vorlegen, seine militärischen Fähigkeiten wiederaufzubauen. Dazu gehörten auch angebliche Bestrebungen von Irans oberstem Führer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, auf eine Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran dementiert solche Berichte schon seit Jahren. Medienberichten zufolge könnte Netanjahu Trump um die Zustimmung zu neuen Angriffen Israels im Iran bitten.

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