Polizeieinsatz CSD: Fahrzeug in Menschenmenge - Ein Toter, viele Verletzte

Julia Kilian, Marion van der Kraats, Andreas Rabenstein und Michael Zehender, dpa
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Von Julia Kilian, Marion van der Kraats, Andreas Rabenstein und Michael Zehender, dpa
| 25.07.2026 04:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Rande des CSD in Berlin fuhr ein Fahrzeug in Menschenmenge. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Am Rande des CSD in Berlin fuhr ein Fahrzeug in Menschenmenge. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Es ist das dramatische Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Es gibt mindestens einen Toten.

Hunderttausende Menschen haben am Samstag in Berlin den Christopher Street Day gefeiert - gegen 22.00 Uhr endet das Fest abrupt. Ein Fahrzeug wird in der Nähe des Potsdamer Platzes in die Menschenmenge gelenkt. Mindestens eine Person kommt ums Leben, wie die Polizei mitteilte. 14 weitere Menschen werden demnach wegen Verletzungen behandelt. Mehrere davon seien schwer bis lebensgefährlich verletzt, sagte Polizeisprecher Florian Nath am Abend. 

Der CSD wurde direkt nach dem Vorfall abgebrochen. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. 

Nach ersten Erkenntnissen fuhr ein weißer Wagen gegen 22.00 Uhr am Ahornsteig parallel zur Lennéstraße, wie Nath erklärte. Dort habe er mehrere Menschen angefahren, möglicherweise auch umgefahren, bevor er mit einem Baum kollidierte. Der Fahrer habe das Fahrzeug verlassen und sich in unbekannte Richtung entfernt.

Gibt es Hinweise auf ein mögliches Motiv?

Die genauen Hintergründe waren zunächst noch unklar. „Wir wissen momentan noch nichts über irgendwelche Motivlagen, über die Person des Täters oder Ähnliches“, sagte ein Polizeisprecher. „Das ist alles noch nicht gesichert bekannt.“ 

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr stehen neben Einsatzfahrzeugen nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD) Foto: Fabian Sommer/dpa
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr stehen neben Einsatzfahrzeugen nach dem Abbruch des Christopher Street Day (CSD) Foto: Fabian Sommer/dpa

Die Polizei prüft nach eigenen Angaben, ob auch eine Stichwaffe eingesetzt wurde. „Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab. Ob jemand dann das Fahrzeug verlassen hat und mit möglichen Stichwaffen auf Personen eingewirkt und die verletzt hat“, sagte Nath. Die „Bild“ berichtete, eine Person mit einem Messer habe das Fahrzeug verlassen, die „B.Z.“ schrieb von einer Machete. 

Wegner: „Angriff auf freie und weltoffene Gesellschaft“

Wegner erklärte: „Es ist ein Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft - nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert. Berlin ist die Stadt der Freiheit - und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden.“ Auf die Frage, ob er von einem Terroranschlag spreche, sagte Wegner: „Es ist zu früh, das heute zu sagen.“

Der CSD wurde nach dem Vorfall abgebrochen. Foto: Fabian Sommer/dpa
Der CSD wurde nach dem Vorfall abgebrochen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Auch der Berliner Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler warnte vor Spekulationen über den Hintergrund. Danach gefragt, ob es irgendwelche Hinweise für einen politischen oder kriminellen Hintergrund gebe, sagte der SPD-Politiker, dazu könne man im Moment noch nichts zu sagen. Es sei auch besser, noch nicht zu spekulieren. „Es hat sich ja auch nicht in der Veranstaltung selber abgespielt, sondern tatsächlich im Tiergarten.“ Das mache die Sache nun auch unübersichtlich. Gaebler, der Innensenatorin Iris Spranger während ihres Urlaubs vertritt, zeigte sich bestürzt über den Vorfall.

Polizisten leuchteten den Bereich zwischen Potsdamer Platz und der Südseite des Tiergartentunnels aus, wie ein dpa-Reporter berichtete. Sie suchten nach Spuren.

 

Hunderttausende Menschen hatten in der Hauptstadt am Samstag den CSD gefeiert. Mit ihrer Demonstration wollten die Veranstalter ein Zeichen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt setzen. Am Abend trat unter anderem Sarah Connor bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor auf. Mit einer Regenbogenflagge um die Schultern spielte sie rund eine halbe Stunde lang ihre Songs. 

„Bitte geht nach Hause“

Nach dem Auftritt wurde das Bühnenprogramm zunächst fortgesetzt. Wenig später forderte ein Moderator die Menschen jedoch auf, das Veranstaltungsgelände umgehend, aber ruhig und geordnet zu verlassen. Auf den Videoleinwänden am Brandenburger Tor erschien auf gelbem Hintergrund das Wort „Evakuierung“. Die Besucher wurden aufgefordert, nicht in Richtung Siegessäule zu gehen, sondern die U-Bahneingänge am Brandenburger Tor zu nutzen. Auch in den sozialen Medien forderte der Veranstalter die Besucher auf: „Bitte geht nach Hause. Der CSD ist abgebrochen.“

Nach Angaben eines dpa-Reporters vor Ort wurden die Besucher auf der Ostseite des Brandenburger Tors zunächst nicht über die Lage informiert. Viele verfolgten das Geschehen und die Nachrichten allerdings auf dem Handy. Der Bereich direkt am Brandenburger Tor war abgesperrt. 

Rettungskräfte kümmerten sich um Verletzte. Foto: Fabian Sommer/dpa
Rettungskräfte kümmerten sich um Verletzte. Foto: Fabian Sommer/dpa

An einem Späti am Potsdamer Platz wurde kurz nach Mitternacht noch gefeiert und getanzt. Die wenigen, die noch vor Ort waren, hatten gute Laune. Alle hatten vom Vorfall mitbekommen. Vor allem Touristen waren vor Ort. „Wir sind zum Feiern gekommen, und das machen wir jetzt auch“, sagte Petr aus Tschechien.

Ein junger Mann erzählte: „Wir waren im Tiergarten, als es wohl passiert ist. Wir wurden dann von einem Polizisten rausgeleitet, alleine sollten wir den Tiergarten nicht verlassen. Das war schon crazy, wir haben das grad erstmal realisiert. Der Polizist meinte, der Täter hatte wohl ein schwarzes Oberteil an, aber ich glaube nicht, dass der noch im Tiergarten ist oder noch so aussieht. Da waren ja eh so viele Menschen.“

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