Arbeitsunfähigkeit Kasse: Leichter Rückgang bei Krankheitsausfällen im Job

Sascha Meyer, dpa
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Von Sascha Meyer, dpa
| 20.07.2026 05:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach einer DAK-Auswertung sank der Krankenstand im ersten Halbjahr leicht. (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa
Nach einer DAK-Auswertung sank der Krankenstand im ersten Halbjahr leicht. (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa
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Die Bundesregierung plant höhere Hürden für Beschäftigte, sich bei der Arbeit krankzumelden. Im ersten Halbjahr sanken die Zahlen nun aber etwas, wie neue Kassendaten zeigen. Hält der Trend?

Krankheitsausfälle bei der Arbeit sind verschärft ins Visier der Politik gerückt, um Fehlzeiten in Firmen einzudämmen. In der ersten Hälfte dieses Jahres gingen die Krankschreibungen im Job nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit jetzt leicht zurück. Im Schnitt waren Erwerbstätige 9,6 Tage arbeitsunfähig geschrieben, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 9,9 Tage gewesen. Die häufigste Ursache für Fehlzeiten waren demnach nun psychische Erkrankungen, während es bei Atemwegsinfekten eine deutliche Abnahme gab.

Kassenchef Andreas Storm sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Der leichte Rückgang beim Krankenstand ist erfreulich.“ Die Analyse zeige, wie schnell sich Fehlzeiten durch das reale Krankheitsgeschehen nach oben oder unten entwickeln könnten. „Handlungsbedarf besteht vor allem bei der großen Zahl von Langzeiterkrankungen mit vielen Fehltagen.“

Anstieg bei psychischen Erkrankungen

Der Krankenstand sank der DAK-Auswertung zufolge im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 von 5,4 Prozent auf 5,3 Prozent. An jedem Tag von Januar bis Ende Juni waren also im Schnitt 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben. Für die Analyse wertete das Berliner Iges-Institut den Angaben zufolge Daten von rund 2,2 Millionen Erwerbstätigen aus, die bei der Kasse versichert sind.

Ursache Nummer eins für Krankschreibungen waren mit einem Plus von neun Prozent psychische Erkrankungen wie Depressionen mit 184 Fehltagen je 100 Versicherten. Bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Grippe, die im ersten Halbjahr 2025 an der Spitze gelegen hatten, gab es ein Minus von 21 Prozent auf 175 Fehltage je 100 Versicherte. Damals waren die Fehltage wegen einer Erkältungswelle im Januar und Februar deutlich hochgegangen. Dritthäufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit waren nun Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen mit 174 Fehltagen je 100 Versicherten.

Erkältungen und Grippe waren laut DAK-Auswertung zweithäufigste Ursache für Fehlzeiten. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt
Erkältungen und Grippe waren laut DAK-Auswertung zweithäufigste Ursache für Fehlzeiten. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt

Jüngere Beschäftigte fehlten seltener 

Betrachtet nach dem Alter, gingen Krankschreibungen demnach bei allen Beschäftigten unter 55 tendenziell zurück - besonders stark bei Jüngeren. So sank der Krankenstand bei 15- bis 19-Jährigen und bei 20- bis 24-Jährigen jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Gegen den Trend habe es bei Über-60-Jährigen aber ein Plus von 0,3 Prozentpunkten gegeben, ergab die Analyse. Bei ihnen sei die Zahl der Krankschreibungen gesunken, deren Dauer sei aber gestiegen.

DAK-Vorstandschef Storm sagte mit Blick auf Langzeiterkrankungen, er begrüße die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gestartete Offensive für mehr Vorbeugung auch für die Arbeitswelt. Zielführend sei ebenso die geplante Einführung einer Teilkrankschreibung. „Das sind geeignete Instrumente, um den Krankenstand nachhaltig senken zu können.“

Höhere Hürden für Krankmeldungen 

Um Fehlzeiten im Job zu verringern, plant die schwarz-rote Koalition jetzt auch strengere allgemeine Regeln für Krankschreibungen. So soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag zur gesetzlichen Regel werden - statt wie bisher am vierten Tag, wobei Arbeitgeber schon eine frühere Vorlage verlangen können. In Firmen sollen abweichende Regeln vereinbart werden können. Wegfallen soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen ohne extra Praxisbesuch. 

Kanzler Merz hält den Krankenstand in Firmen für zu hoch. (Archivbild) Foto: Elisa Schu
Kanzler Merz hält den Krankenstand in Firmen für zu hoch. (Archivbild) Foto: Elisa Schu

Gegen die Pläne gibt es breite Proteste. Es grenze an Irrsinn, Abertausende Menschen für das reine Ausfüllen von Zetteln zusätzlich in die Praxen zu jagen, kritisierte etwa die Kassenärztliche Bundesvereinigung. „Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett - und nicht in die übervolle Praxis.“

Wie kommt man an eine Bescheinigung?

Kanzler Friedrich Merz (CDU) machte deutlich, es gehe nicht darum, dass man direkt am ersten Tag in die Praxis gehen muss - zur Regel werden solle aber eine Bescheinigung vom ersten Krankheitstag. Möglich ist es schon, dass Ärzte den Beginn einer Arbeitsunfähigkeit rückdatieren - aber „nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen“, wie eine Richtlinie festlegt. Das Gesundheitsministerium weist außerdem auf die Möglichkeit hin, Bescheinigungen per Videosprechstunde zu bekommen.

Bereits beschlossen ist die Einführung von Teilkrankschreibungen. Beschäftigte sollen sich so bei längeren Erkrankungen nur teilweise arbeitsunfähig schreiben lassen können, wenn sie und der Arbeitgeber es möchten - und zwar zu 25, 50 oder 75 Prozent der üblichen Wochenarbeitszeit. Generell weisen Kassen und das Statistische Bundesamt darauf hin, dass ein Anstieg der Fehlzeiten auch auf die seit 2022 geltende elektronische Übermittlung von Krankschreibungen zurückzuführen sei. Dies habe zu einer vollständigeren Erfassung geführt.

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