Nun gegen Spanien Messis Fäuste-Jubel: Argentinien wieder im WM-Finale

Tom Bachmann und Jens Marx, dpa
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Von Tom Bachmann und Jens Marx, dpa
| 15.07.2026 23:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Er schreit seine Freude heraus. Foto: Lynne Sladky
Er schreit seine Freude heraus. Foto: Lynne Sladky
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Wieder liegt Argentinien zurück, wieder siegt der Titelverteidiger in der Nachspielzeit. Lautaro Martinez trifft, aber eine Schlüsselrolle gegen England hat mal wieder Superstar Messi.

Lionel Messi sank auf die Knie und schrie mit geballten Fäusten immer wieder seine unbändige Freude heraus. Titelverteidiger Argentinien hat sich in einem intensiven Gipfel im WM-Halbfinale gegen England mit einer weiteren packenden Aufholjagd durchgesetzt und Harry Kane & Co. den Traum vom ersten Titel der Three Lions seit 60 Jahren zerstört. 

Die Südamerikaner siegten nach zwei Vorlagen von Superstar Messi in Atlanta die Three Lions des deutschen Trainers Thomas Tuchel. „Ich habe immer davon geträumt“, sagte Siegtorschütze Martínez völlig aufgelöst unter Tränen. „Ich bin sprachlos“, gestand Trainer Lionel Scaloni, der die Mannschaft seit seiner Übernahme im Sommer 2018 ins vierte Finale eines großen Turniers geführt hat.

Kane: „Mir tut es leid“

Am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) kommt es damit in East Rutherford bei New York zum Duell von Europameister Spanien mit Weltmeister Argentinien. England spielt am Samstag in Miami gegen Ex-Weltmeister Frankreich um Platz drei.

„Mir tut es leid für die Jungs“, sagte Englands diesmal wirkungsloser Bayern-Mittelstürmer Kane: „Wir haben so hart gearbeitet, um hier zu sein, geschwitzt, Blut und Tränen. Wir waren nahe dran, aber in den letzten Minuten hat es leider nicht geklappt.“ 

Für Kane ist der Titeltraum beendet. Foto: Erik S. Lesser
Für Kane ist der Titeltraum beendet. Foto: Erik S. Lesser

Schweinsteiger zieht den Hut

Vor 68.239 Fans ging England durch Anthony Gordon (55. Minute) in Führung, ehe Enzo Fernandez (85.) und Lautaro Martínez (90+2.) auf Vorlage jeweils von Messi das Spiel drehten. „Sie haben es sich verdient“, betonte der deutsche Ex-Weltmeister Bastian Schweinsteiger als ARD-Experte. 

„Es war wieder mal schwer, aber sie haben es wieder geschafft, ein Spiel umzudrehen. Unfassbar. Das war schon wieder gigantisch. Diese Wucht, die Argentinien geschaffen hat: Hut ab!“ Für Tuchel war es als England-Coach die erste Pflichtspielniederlage. 

Englands Hymne kaum zu verstehen

Dass dieses sechste WM-Duell der beiden Nationen mehr als nur ein Fußballspiel war, war schon weit vor dem Anpfiff zu spüren. Ob der auf der Anzeigetafel eingeblendete Sir David Beckham oder der abgespielte Britpop - alles Englische wurde von den sich deutlich in der Überzahl befindenden argentinischen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Selbst die Hymne „God save the king“ war nicht zu verstehen.

Vor dem Anpfiff hatte der bekannte Box-Ansager Michael Buffer seinen Auftritt bei der Vorstellung der Teams. Alles es losging, fühlte man sich wie im Boxring. Schon nach drei Minuten musste US-Schiedsrichter Ismail Elfath die erste Rudelbildung auseinanderbringen. Fernandez hatte zuvor Elliot Anderson gefoult.

Simeone und die Erinnerung an 1998

Während Tuchel im Vergleich zum Viertelfinale drei Änderungen - beide Außenverteidiger und Morgan Rogers als Rechtsaußen - vornahm, tauschte sein Kollege Lionel Scaloni nur einmal. Doch das war pikant. Ausgerechnet Messis Bodyguard Rodrigo De Paul musste weichen, Giuliano Simeone bekam seinen Platz. Simeones Vater Diego hatte im Achtelfinale der WM 1998 Beckham zu einer Tätlichkeit provoziert.

England feiert Torschütze Gordon. Foto: Lynne Sladky
England feiert Torschütze Gordon. Foto: Lynne Sladky

28 Jahre später war es ein zunächst chancenarmes, aber bemerkenswert intensives Spiel. Hohe Laufbereitschaft und enorme Aggressivität auf beiden Seiten sorgten für viele Unterbrechungen. Nach 20 Minuten musste Argentiniens Torwart Emiliano Martinez den ersten Ball halten, der Abschluss von Reece James war aber kein Problem.

Deutlich mehr strecken musste sich Martinez beim Freistoß von James (36.). Auf der anderen Seite zog Fernandez aus gut 20 Metern ab, der Ball rauschte über das Tor. Die Stars waren zunächst kein Faktor. Englands Kapitän wurde durch seinen 121. Einsatz der Feldspieler mit den meisten Länderspielen. Zu Rekordhalter Peter Shilton fehlen dem Bayern-Stürmer nur noch vier Spiele.

Gordon hinter Molinas Rücken

Dann nahm das Spiel endlich auch in Sachen Torchancen Fahrt auf. Julian Alvarez (47.) scheiterte zunächst an England-Keeper Jordan Pickford, beim zweiten Versuch drosch der Stürmer den Ball ans Außennetz.

Lionel Messi ärgert sich nach dem Gegentreffer. Foto: Tom Weller/dpa
Lionel Messi ärgert sich nach dem Gegentreffer. Foto: Tom Weller/dpa

Kurz darauf hatte England nach einer Ballbehauptung von Declan Rice Platz. Rogers flankte weit auf den langen Pfosten, dort stahl sich Gordon im Rücken von Nahuel Molina weg und traf zur Führung. Argentinien berappelte sich schnell. Nur zwei Minuten später rettete Djed Spence mit einer riskanten Grätsche im eigenen Strafraum gegen Simeone.

Messi ragt mit zwei Assists heraus

England stellte sich hinten rein, das Spiel sah teilweise aus wie eine Handball-Begegnung. Argentinien versuchte es über Flanken. Eine davon fand den Kopf des eingewechselten Nicolas Gonzalez (69.), Pickford rettete aber auf der Linie. Tuchel stärkte nun die Defensive, brachte Ezri Konsa für Gordon. Doch es blieb gefährlich, Alexis Mac Allister (76.) traf per Kopf nur den Pfosten. Fernandez zielte auf Vorlage von Messi aus 18 Metern genauer und erzielte den Ausgleich. 

Doch damit nicht genug: Messi nahm erneut Maß, diesmal auf Martínez, der den Ball ins englische Tor köpfte. Es war die Belohnung für die argentinische Druckphase gegen die Engländer, die nur noch versucht hatten, die Führung über die Zeit zu retten. Was dann folgte, war eine riesige argentinische Party. Auf der Tribüne feierte wie immer auch Messis Ehefrau das große Comeback der Mannschaft um den Superstar.

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