Fußball-Bundestrainer Klopps Konjunktiv und Pommes in der Pressebox
Jürgen Klopp wartet auf die DFB-Delegation in den USA. Die konkreten Verhandlungen um den Bundestrainer-Posten sollen beginnen. Es ist auch höchste Zeit, findet der Top-Kandidat.
Auch ein Bald-Bundestrainer hat mal Hunger. Der Schnappschuss auf der Videoleinwand in Vancouver von Jürgen Klopp, der sich in einer Pressebox Pommes Frites gönnt, ist aber vor allem der nächste Beleg: So öffentlich wurde noch nie ein kommender Chefcoach der Fußball-Nationalmannschaft ins Amt begleitet.
Die Sache ist öffentlich schon ausgemacht. Da nützt es nichts, dass der 59-Jährige im nächsten Experten-Interview bei MagentaTV am Spielfeldrand von einem Konjunktiv zum nächsten flüchtet. „Wenn es so kommen sollte...“, schob Klopp ein, als er zu seinem Gespräch über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit DFB-Sportdirektor Rudi Völler gefragt wurde.
„Wenn ich es werden würde...“, sagte er, als er dann auf seine bislang nicht vorhandene Arbeitserfahrung bei Nationalteams und Verbänden einging. Doch woher die Zurückhaltung? So richtig wohl fühlte sich Klopp bei der nächsten öffentlichen Sezierung des Status quo nicht. Und Thomas Müller steigerte als redseliger Experten-Kollege neben ihm noch das Unbehagen.
„Jürgen und Sie“
Der Scherz zur richtigen Ansprache wurde noch gekontert. „Mir ist natürlich gleich in den Kopf geschossen, ob ich überhaupt noch Jürgen zu ihm sagen darf. Jürgen und Sie“, sagte Müller. „Dürfen Sie“, antwortete Klopp. Als Müller aber immer mehr über dessen Fähigkeiten als Strukturveränderer sprach, da sah man an Klopps Körpersprache, dass derzeit aus seiner Sicht zu viel gesprochen wird - und zwar über ihn.
Klopp schaute nach unten, schaute nach oben, schaute zur Seite, wollte dazwischenreden. „Das ist schon ein bisschen komisch, wenn ich da mittendrin stehe und nichts sage, ist es schon Quatsch“, sagte Klopp, als er dann wieder drankam. Schon die neue Welle an öffentlichen Beiträgen von Ligapräsident Hans-Joachim Watzke zum Wasserstand in der wichtigsten Sommerpersonalie bis Völlers Ich-mache-weiter-Ankündigung sollen ihm nicht sonderlich gefallen haben. Sie nötigten ihn nun wiederum zu weiteren Kommentaren.
„Die Situation ist insofern ungewöhnlich, dass nichts entschieden ist. Aber trotzdem müssen ja ein paar Gespräche geführt werden können, egal, wie es am Ende ausgeht“, sagte der Noch-Fußball-Chefstratege von Red Bull. Da merkt einer gerade, dass alles, aber auch alles eine Bedeutung hat, wenn es um den Bundestrainer-Posten geht.
Getränkedosen als Hingucker
Sogar die zwei Getränkedosen, die bei seinem Pommes-Snack vor ihm standen, wurden zum Gesprächsthema. Die vermeintlich wichtigste Anmerkung: Es handelte sich erkennbar nicht um Produkte aus dem Red-Bull-Sortiment. Eine indirekte Erinnerung, dass auch mit dem Noch-Arbeitgeber eine Lösung aussteht.
Erstmal kommt aber der DFB in die USA: Während sich Präsident Bernd Neuendorf und sein Stellvertreter Watzke wie geplant zu den immer noch notwendigen Verhandlungen nach Amerika - dem Vernehmen nach Richtung New York - aufmachen, ist Klopp durch seinen TV-Job omnipräsent. Zu den Viertelfinalspielen wird es dann offenbar ruhiger.
In Foxborough, dort wo Julian Nagelmann im Elfmeterschießen gegen Paraguay als Bundestrainer final scheiterte und wo die DFB-Elf beim bestmöglichen Verlauf am Donnerstag gegen Marokko hätte um den Einzug ins WM-Halbfinale hätte spielen können, ist Klopp bei der Partie der Nordafrikaner gegen Frankreich noch dabei. Dann ließe der Einsatzplan Zeit für Verhandlungen.
Und die sind - so zeichnet es Klopp vor - auch unverändert notwendig. „Es geht um viel. Wer es auch immer machen wird, hat einen Haufen zu tun“, sagte er. Dass er derjenige sein wird, der viel Arbeit hat, daran gibt es unverändert keinen Anlass zu Zweifeln. Aber dennoch baut Klopp irgendwie vor.
Bundestrainer oder Bundes-Reformer?
Das Kernthema: Die Struktur. Und da ist sich der große Motivator vielleicht nicht so sicher, was beim Deutschen Fußball-Bund nötig und möglich ist. „Aber um etwas zu verändern, muss man zuallererst wissen, was wirklich passiert. Wir von außen haben ja gar keine Ahnung, was passiert. Wer auch immer dahin kommt, muss sich das angucken. Es ist einfach, in so einer Phase zu sagen: Es ist alles Quatsch. Das geht so nicht - offensichtlich nicht“, sagte Klopp.
Immerhin eine Frage wäre abgeräumt: Mit Völler kann er sich sehr wohl vorstellen, konstruktiv zusammenzuarbeiten. Das war in den ersten WM-Aufräumtagen öffentlich bezweifelt worden. Doch offenbar hielte es Klopp für ganz gut, wenn jemand in seinem künftigen DFB-Orbit wäre, der den Verband und seine Besonderheiten schon bestens kennt.
Bei allen Absichtserklärungen, dass man den Kosmos Nationalmannschaft und den deutschen Fußball bestmöglich generell neu aufstellen muss, hat Klopp seinen Trainerinstinkt nicht verloren. Und der besagt, dass das nächste Spiel gewonnen werden muss. Strukturen schön und gut. Aber am 24. September gibt es ein Pflichtspiel in der Nations League in den Niederlanden. Gegen Oranje verliert niemand gerne, schon gar nicht zum Einstand.
„Es muss sich keiner da draußen Gedanken machen, sollte ich das machen, dass ich mich hinsetze und das Einzige, was mich interessiert, ist das erste Spiel gegen Holland. Aber bis zum Spiel gegen Holland wäre es wahrscheinlich genauso“, äußerte sich Klopp vielsagend.