Titel-Kandidat gewinnt Spanien souverän 3:0 gegen Österreich: „Wundervolles Spiel“
Spanien zählt zu den großen Titel-Kandidaten bei dieser WM - und zeigt gegen Österreich, warum. Der Europameister kontrolliert sein erstes K.-o.-Spiel und sorgt zudem für einen Rekord.
Spaniens Fußball-Künstler um Superstar Lamine Yamal klatschten sich nach der Pflichtaufgabe cool und nüchtern ab - die Österreicher ließen am Ende ihrer WM-Reise dagegen die Köpfe hängen. Der Europameister hat seine WM-Pflichtaufgabe gegen die Alpenrepublik mit 3:0 (1:0) souverän erfüllt und steht im Achtelfinale. „Wir haben ein wundervolles Spiel gezeigt“, resümierte Spanien-Coach Luis de la Fuente. „Ich bin überglücklich.“
Torjäger Mikel Oyarzabal per Doppelpack (36./89. Minute) und Pedro Porro (66.) trafen beim nie gefährdeten Erfolg der Südeuropäer. „Es war ein kompliziertes Spiel und wir wussten, dass es schwierig sein würde“, sagte Matchwinner Oyarzabal mit übertriebener Bescheidenheit.
Österreichs Bundesliga-Profi Marcel Sabitzer wurde deutlicher: „Man muss sagen, dass die einfach besser sind als wir. Der Sieg ist verdient für Spanien.“ Auch Coach Rangnick sagte: „Insgesamt muss man anerkennen, dass wir auf einen herausragend guten Gegner getroffen sind.“ Er haderte mit der WM-Auslosung, die Österreich den Europameister schon in der ersten K.-o.-Runde bescherte. „Ich glaube, dass wir mit dieser Mannschaft gegen jeden anderen Gegner auf Augenhöhe die Chance auf das Weiterkommen gehabt hätten.“
Spanien-Keeper knackt WM-Rekord
Spanien trifft am 6. Juli in Dallas nun nach vier Spielen zu null entweder auf Portugal oder Kroatien. Torhüter Unai Simon knackte nebenbei einen Rekord: WM-übergreifend blieb Spaniens Keeper nun 519 Minuten ohne Gegentor - die bisherige Bestmarke hatte Italiens Walter Zenga mit 517 Minuten gehalten. Simon hatte letztmals bei der WM 2022 in Kater hinter sich greifen müssen.
Österreich um Kapitän David Alaba kam zwar gut ins Spiel und hatte auch die erste klare Chance, die Flanke von BVB-Profi Sabitzer auf den Augsburger Michael Gregoritsch geriet aber um einen Tick zu lang (17. Minute). Der Stürmer, der anstelle für Marko Arnautovic als einer von drei Neuen ins Team gerückt war, streckte sich nur wenige Meter vor dem Tor vergeblich.
„Wir wollen uns nicht verstecken. Im Gegenteil, wir wollen unser Spiel durchziehen“, hatte Alaba angekündigt. Nur: Danach kamen die Spanier vor zahlreichen Promis wie Javier Bardem, Penélope Cruz oder Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea unter den offiziell 70.492 Zuschauern immer besser in ihren Rhythmus und erhöhten den Druck auf das Tor von Alexander Schlager.
Österreichs Torwart im Minutentakt gefordert
Der agile Dani Olmo wurde nach einer sehenswerten Drehung erst im letzten Moment vom Ball getrennt (29.), aus der folgenden Ecke entstand das vermeintliche 1:0 für Spanien. Vor dem Treffer von Marc Cucurella war Schlager aber geblockt worden. Danach musste der Torwart einen Schuss von Oyarzabal aus dem langen Eck kratzen (33.). Keine Minute später tauchte Yamal frei vor ihm auf, lupfte den Ball aber über den Kasten. Alabas Distanzschuss war ungefährlich, aber das einzige, was Österreich offensiv zu bieten hatte.
Die nächste gute Kombination Spaniens führte dann zur Führung: Cucurella sorgte für den letzten Pass in den Rücken der österreichischen Viererkette und fand dort den starken Oyarzabal, der den Ball unbeeindruckt vom heranfliegenden Alaba flach und kalt ins Tor lenkte. Kurz vor der Pause knallte Alex Baena noch einen Freistoß an die Latte, Schlager war mit einer Hand am Ball. In der gleichen Szene kam Yamal dann völlig frei zum Abschluss, doch der starke Torwart von RB Salzburg verhinderte das zweite Gegentor erneut.
Doppelwechsel zur Pause hilft Österreich auch nicht
Österreich war mit dem knappen Rückstand gut bedient, Rangnick reagierte und tauschte sein defensives Mittelfeld. Für Xaver Schlager und Nicolas Seiwald kamen Florian Grillitsch und BVB-Profi Carney Chukwuemeka, die schnellen Ballverluste blieben dennoch ein Problem für die Alpenrepublik. Spanien sah sich so gut wie keinen gefährlichen Gegenstößen ausgesetzt, das von den Österreichern bekannte Gegenpressing funktionierte beim Team von Trainer Luis de la Fuente viel besser als bei der Rangnick-Elf.
Nach einer Stunde veränderte Rangnick auch seine Offensive und brachte Arnautovic und Sasa Kalajdzic. Der Torschütze zum 3:3 im letzten Gruppenspiel gegen Algerien stand noch keine Minute auf dem Platz, als er für die beste Torchance Österreichs verantwortlich war. Sein Kopfball unter Bedrängnis ging aber über das Tor (61.) - die Rekordjagd von Simon hatte Bestand.
Das 2:0 sorgte für die Vorentscheidung. Erneut war Österreich dem spanischen Druck nicht gewachsen, Baenas Flanke köpfte Porro (66.) unmittelbar vor der zweiten Trinkpause aus sieben Metern in die Maschen. Auch danach behielt Spanien die Kontrolle und Österreichs Zeit bei der WM lief ab. Yamal hatte kurz vor Schluss das 3:0 auf dem Fuß (85.), doch sein Schuss aus der Drehung wurde auf der Linie von Alaba geklärt. Oyarzabal erneut nach einer Vorlage von Cucurella ließ sich die Chance zum Doppelpack dann aber nicht entgehen.