Steuern Größere Hürden für Krankschreibungen im Job

Sascha Meyer, dpa
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Von Sascha Meyer, dpa
| 02.07.2026 09:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Regeln für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen verschärft werden. (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt
Regeln für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen verschärft werden. (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt
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Der Krankenstand in vielen Firmen lag zuletzt auf einem relativ hohen Niveau. Die Koalition will das stärker eindämmen - für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden Krankmeldungen damit aufwendiger.

Beschäftigte müssen sich auf strengere Regeln und häufigere Praxisbesuche einstellen, wenn sie wegen Krankheit nicht zur Arbeit gehen können. Die schwarz-rote Koalition plant deutlich schärfere Vorgaben, die hohe Fehlzeiten in Unternehmen eindämmen sollen, wie Kanzler Friedrich Merz (CDU) deutlich machte. Künftig soll demnach als gesetzliche Regel gelten, dass man schon vom ersten Fehltag an eine ärztliche Bescheinigung braucht statt am vierten Tag. Krankschreibungen per Telefon sollen nicht mehr möglich sein.

Warum kommt die Verschärfung?

Merz sagte: „Die Zahl der Krankentage in Deutschland ist zu hoch.“ Und mit „exorbitanten“ Krankenständen in den Unternehmen nach der Corona-Krise finde man sich nicht ab, begründete er die Pläne nach Beratungen im schwarz-roten Koalitionsausschuss. „Das ist eine harte Entscheidung, das wissen wir“, sagte der Kanzler. „Aber wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten in den Unternehmen nicht länger leisten.“

Was genau ist bei Krankschreibungen geplant?

Fürs Fernbleiben vom Job soll künftig als gesetzliche Regel gelten, dass die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung verpflichtend wird. Beschäftigte müssen dafür dann direkt in die Praxis gehen und können nicht erst einmal zu Hause bleiben und schauen, wie es ihnen geht. Aktuell muss eine Bescheinigung her, wenn man länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig ist, also am vierten Tag. Arbeitgeber sind aber schon bisher berechtigt, die Vorlage der Bescheinigung früher zu verlangen.

Wie soll das in den Unternehmen umgesetzt werden?

Merz erläuterte, dass es um eine Rahmenregelung im Gesetz geht - mit einer konkreten Umsetzung jeweils vor Ort. „Die Betriebe können davon abweichen, entweder durch einzelvertragliche Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Betrieb oder durch Betriebsvereinbarung oder durch Tarifvertrag.“ 

Was ist mit der telefonischen Krankschreibung?

Die Möglichkeit, sich auch ohne extra Praxisbesuch krankschreiben zu lassen, besteht seit Ende 2023 - unter der Bedingung, dass man in der Praxis bekannt ist und keine schweren Symptome hat. Vorbild war eine Sonderregelung aus Corona-Zeiten, um Ansteckungen zu vermeiden. Die Möglichkeit per Telefon soll jetzt wegfallen, wie es kürzlich auch ein CDU-Parteitag gefordert hatte - denn je einfacher eine Krankmeldung zu bekommen sei, desto eher falle die „Bettkantenentscheidung“ dafür auch aus, hieß es zur Begründung.

Was bringt das für die Praxen?

Vor allem Hausarztpraxen sind bisher nicht unausgelastet - im Gegenteil. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte daher sogar eine Lockerung vorgeschlagen, dass man erst nach dem vierten oder fünften Krankheitstag eine Bescheinigung vorlegen müsse. Dass Arbeitgeber schon jetzt in den ersten drei Tagen eine Bescheinigung verlangen können, produziere „Abertausende“ nicht zwingend nötige Arztbesuche. Laut KBV dauern gut ein Drittel der jährlich 116 Millionen Krankschreibungen in deutschen Praxen maximal drei Tage.

Wie hoch ist der Krankenstand überhaupt? 

Krankheitsausfälle im Job sind nach Auswertungen großer Krankenkassen im vergangenen Jahr auf einem hohen Niveau geblieben. Bei der DAK-Gesundheit fehlten Beschäftigte 19,5 Kalendertage, annähernd so lange wie 2024 mit 19,7 Fehltagen - meist geht es um Atemwegsinfekte, psychische Erkrankungen und Probleme wie Rückenschmerzen. Generell weisen Kassen darauf hin, dass ein spürbarer Anstieg der Fehlzeiten 2022 auch dadurch zustande kam, dass die Krankschreibungen seitdem direkt digital von den Praxen an die Kassen gehen.

Wie fallen Reaktionen aus?

Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände erklärte, die Koalition reagiere zu Recht auf den im internationalen Vergleich hohen Krankenstand. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte, statt Hausarztpraxen zu entlasten und Patienten besser zu steuern, würden wertvolle ärztliche Kapazitäten für reine Bescheinigungen gebunden. „Das verlängert Wartezeiten, erhöht das Infektionsrisiko in den Wartezimmern und verschlechtert am Ende die Versorgung der Menschen, die ärztliche Hilfe wirklich brauchen.“

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