Elektromobilität Wenn das E-Auto was am Haken hat

Uwe Prins
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Von Uwe Prins
| 24.06.2026 13:02 Uhr | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Reichweite eines E-Autos sinkt im Hängerbetrieb. Neben dem Gewicht ist die Aerodynamik entscheidend. Foto: Automobil-Club Verkehr/obs
Die Reichweite eines E-Autos sinkt im Hängerbetrieb. Neben dem Gewicht ist die Aerodynamik entscheidend. Foto: Automobil-Club Verkehr/obs
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Wer einen Wohnwagen hat, sollte beim Kauf eines Stromers unbedingt einige Faktoren bedenken

Ostfriesland - Die Caravaning-Branche befindet sich weiterhin auf der Überholspur. Alleine im März hat das Kraftfahrtbundesamt im Bereich der Wohnwagen einen Anstieg der Neuzulassungen von 16,8 Prozent gegenüber des Vorjahresmonats registriert (2662 Fahrzeuge). Seit Jahresbeginn sind mehr als 4600 neue Wohnwagen angemeldet worden.

Zugleich gibt es auch Bewegung im Bereich der Elektromobilität – und da stellt sich zwingend die Frage, ob ein Stromer den eigenen Wohnwagen denn überhaupt ziehen kann – und darf. Und: Wie sieht es eigentlich mit der Reichweite eines Autos mit Elektroantrieb aus, wenn da was am Haken hängt?

Im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) ist die maximale Anhängelast unter O.1 (gebremste Anhängelast) und O.2 (ungebremst) vermerkt. Foto: Prins
Im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) ist die maximale Anhängelast unter O.1 (gebremste Anhängelast) und O.2 (ungebremst) vermerkt. Foto: Prins
Zunächst einmal ist grundsätzlich zu klären, ob das Fahrzeug überhaupt für einen Anhängerbetrieb geeignet ist. Ein Blick in die Fahrzeugpapiere ist hilfreich, rät Philipp Mathey vom Automobil-Club Verkehr (ACV). „Die Punkte O.1 und O.2 der Zulassungsbescheinigung Teil I geben Auskunft über die zulässige Anhängelast für gebremste und ungebremste Anhänger.“ Wichtig: Ist keine Anhängelast ausgewiesen oder freigegeben, darf das Fahrzeug keinen Anhänger ziehen. Gerade bei älteren Elektroautos könne das der Fall sein, so der ACV-Pressesprecher.

Wer den Kauf eines Stromers plant – hohe Spritpreise und die staatliche Förderung sorgen bei vielen Verbrauchern zumindest für mehr Offenheit gegenüber der Elektromobilität –, der sollte bei der Modellwahl unbedingt auf die wichtigen Kriterien achten, wenn auch ein Wohnwagen vor der Tür steht. „Primär sollten nicht Prospektwerte wie Leistung oder WLTP-Reichweite im Vordergrund stehen“, betont Philipp Matthey. „Entscheidend sind vielmehr die Anforderungen des Anhängers.“

Urlaub im Wohnwagen steht bei den Deutschen nach wie vor hoch im Kurs. Die Zahl der Neuzulassungen ist in diesem Jahr erneut gestiegen.
Urlaub im Wohnwagen steht bei den Deutschen nach wie vor hoch im Kurs. Die Zahl der Neuzulassungen ist in diesem Jahr erneut gestiegen.
Maßgeblich ist da zunächst das tatsächliche Gewicht des Wohnwagens im sogenannten Reisezustand. Damit gemeint ist das Leergewicht plus Zuladung. „Das darf die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs nicht überschreiten“, erläutert Philipp Matthey. Für Wohnwagen ist in der Regel die gebremste Anhängelast relevant, da Pkw-Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 750 Kilo hierzulande eine eigene Bremse benötigen. „Beim Fahrzeugkauf empfiehlt es sich, neben dem Leergewicht auch die zulässige Gesamtmasse und den realistischen Beladungszustand zu berücksichtigen“, erläutert der Clubsprecher.

Zu berücksichtigen ist zudem die Stützlast, also jenes Gewicht, mit dem der Anhänger von oben auf die Kupplung drückt. Der entsprechende Wert ist in der gemeinhin als Fahrzeugschein benannten Zulassungsbescheinigung Teil 1 unter dem Punkt 13 eingetragen. Die entsprechenden Informationen finden sich zusätzlich außerdem auf den Typenschildern der Kupplung und des Anhängers.

„Für eine stabile Straßenlage sollte die zulässige Stützlast möglichst weit ausgeschöpft, aber niemals überschritten werden“, rät Philipp Mathey. Gleichzeitig addiert sich die Stützlast zum Gewicht für das Zugfahrzeug. Das heißt: Sie verringert die verfügbaren Reserven für Gepäck und Passagiere und belastet die Hinterachse zusätzlich.

Unerlässlich für Sicherheit und Einhaltung der gesetzlichen Richtlinien ist außerdem der sogenannte Deichselwert. Jener D-Wert gibt die Festigkeit einer Anhängerkupplung an – und gilt als Hauptmaß für die zulässige Belastung von Zugfahrzeug und Hänger. Der Wert ist auf dem Typenschild der Anhängerkupplung zu finden und wird in der Maßeinheit Kilonewton angegeben. Interessant: Ein höherer D-Wert erlaubt unter Umständen eine höhere maximale Anhängelast.

Klein, leicht und aerodynamisch: Modelle aus der T@b-Retro-Baureihe von Hersteller Tabbert sind ideal für Elektroautos.
Klein, leicht und aerodynamisch: Modelle aus der T@b-Retro-Baureihe von Hersteller Tabbert sind ideal für Elektroautos.
Ist ein passendes Elektroauto gekauft und der Wohnwagen angekoppelt, bleibt die Frage nach der Reichweite. „Beim Ziehen eines Wohnwagens spielt die Kombination aus Gewicht und Aerodynamik eine zentrale Rolle. Besonders große und breite Wohnwagen erhöhen den Luftwiderstand deutlich und werden damit zum entscheidenden Faktor“, erläutert Philipp Mathey. „Mit einem großen Caravan kann sich die Reichweite unter ungünstigen Bedingungen etwa halbieren.“ Das wiederum hat massive Auswirkungen auf die Routenplanung, denn häufigere Ladepausen sind unumgänglich. Wer einen neuen Wohnwagen kauft, sollte also auch auf die Aerodynamik achten.