Drei Platzverweise Rot-Festival gegen Südafrika: Mexiko gewinnt WM-Auftakt

Jens Marx, Andrea Sosa Cabrios und Tom Bachmann, dpa
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Von Jens Marx, Andrea Sosa Cabrios und Tom Bachmann, dpa
| 11.06.2026 23:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Raúl Jiménez nach seinem Tor zum 2:0. Foto: Natacha Pisarenko
Raúl Jiménez nach seinem Tor zum 2:0. Foto: Natacha Pisarenko
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Ein frühes Tor, drei Platzverweise, ein erlösender Sieg: Mexiko startet erfolgreich in seine WM. Während im Stadion Party-Stimmung herrscht, spielen sich vor den Toren andere Szenen ab.

Kein Fußball-Feuerwerk, dafür ein Rot-Festival mit drei Platzverweisen und der großen Erlösung: Mexiko hat seinen Auftaktfluch besiegt und einen perfekten Start in die Weltmeisterschaft hingelegt. Begleitet auch von Ausschreitungen vor dem legendären Aztekenstadion gewann der WM-Mitgastgeber in einer Neuauflage des Eröffnungsspiels von 2010 gegen ein schwaches und am Ende doppelt dezimiertes Südafrika mit 2:0 (1:0).

Julian Quinones (9. Minute) sorgte mit seinem Tor für einen furiosen Beginn und früh für Gänsehaut-Atmosphäre in der mit 80.824 Fans ausverkauften Arena. Südafrika musste von der 50. Minute an in Unterzahl spielen, Sphephelo Sithole hatte nach einer Notbremse die Rote Karte gesehen.

Stürmer-Star Raúl Jiménez (67.) sorgte mit seinem Tor schließlich für Klarheit. In der Schlussphase sah Themba Zwane (84.) nach einer Tätlichkeit ebenfalls die Rote Karte, in der Nachspielzeit musste der Mexikaner César Montes (90.+2) nach einer Notbremse vorzeitig vom Platz.

In der Gruppe A mit Tschechien und Südkorea können die Mexikaner nun schon vorsichtig an die K.o.-Runde denken: Von den 48 Mannschaften des XXL-Turniers in Mexiko, den USA und Kanada kommen 32 weiter.

Drinnen Party, draußen Proteste

Nach der Party-Eröffnung mit Latino-Pop à la Shakira, viel Tradition, Lebensfreude und goldenem Glanz stellte FIFA-Präsident Gianni Infantino die begehrteste Fußball-Trophäe zusammen mit Schauspielerin Salma Hayek auf ein Podest – unter vereinzelten Pfiffen.

Superstar Shakira bei ihrem Auftritt. Foto: Eduardo Verdugo
Superstar Shakira bei ihrem Auftritt. Foto: Eduardo Verdugo

Von den teilweise tragischen Ereignissen vor dem Stadion bekamen die Fans drinnen nichts mit: Ein Mann erlitt einen Herzinfarkt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Sein Zustand soll nach Polizeiangaben stabil sein. Zudem machten Videos von Ausschreitungen vor einem der Zugänge des Stadions die Runde. Zu sehen sind teilweise vermummte Demonstranten, die sich eine Auseinandersetzung mit Polizisten liefern.

WM-Anpfiff mit Verspätung 

Um 13.05 Ortszeit, nachdem sich erstmals der gesamte Kader beider Mannschaften zur Hymne um den Mittelkreis postiert hatte, und damit fünf Minuten später als vorgesehen ging es los. Mexikos Trainer Javier Aguirre, der wie sein belgisches Pendant Hugo Broos bei den Südafrikanern 1986 bei der WM als Spieler dabei gewesen war, verzichtete zunächst auf seinen 17 Jahre alten Super-Teenager Gilberto Mora. Im Tor stand statt Keeper-Ikone Guillermo Ochoa (40) bei dessen sechster WM der 26 Jahre alte Raúl Rangel.

Mexikanische Fans freuen sich über das erste Tor. Foto: Julio Cortez
Mexikanische Fans freuen sich über das erste Tor. Foto: Julio Cortez

Doch alles, was Aguirre sich ausgedacht hatte, ging auf. Und wie. Nach fünf Minuten die erste Riesenchance. Von der rechten Seite flankte der aufgerückte Verteidiger Isreal Reyes in den Rücken der südafrikanischen Abwehr, Raúl Jiménez zog direkt ab. Eben noch so konnte Keeper und Kapitän Ronwen Williams den Ball zur Ecke lenken.

Durch die Beine zur Führung

Wenig später war es um die Bafana Bafana, die wegen fehlender Visa eine Anreise mit Verspätung nach Mexiko gehabt hatte, geschehen. Erik Lira eroberte 20 Meter vor dem südafrikanischen Tor den Ball, legte Quinones auf, der Williams demütigend aus etwa 16 Metern tunnelte. 

Rein in die Menge: Quinones jubelt mit seinen Teamkollegen. Foto: Natacha Pisarenko
Rein in die Menge: Quinones jubelt mit seinen Teamkollegen. Foto: Natacha Pisarenko

Das Aztekenstadion, das schon so oft Schauplatz für historische Fußball-Momente war, schien förmlich zu explodieren, die Mexikaner brüllten nach Leibeskräften ihre Freude heraus und schleuderten die Papp-Sombreros.  

Fünfmal schon bestritt „El Tri“, wie die Mannschaft wegen der drei Nationalfarben genannt wird, ein Eröffnungsspiel. Das erste 1930. Fast hundert Jahre später sollte nach drei Niederlagen und zwei Remis endlich der erste Auftaktsieg gelingen. Zuletzt hatten sie 1:1 gespielt - 2010 gegen den damaligen Gastgeber, der Südafrika hieß. 

Quinones an den Pfosten

Für ein eigenes Tor war Südafrika bei seiner ersten Endrunde seit dem Heimturnier zunächst zu harmlos. Auch die Unterbrechung durch die bei dieser WM fixen Trinkpausen veränderte den Rhythmus des Spiels nicht. Stattdessen eskalierten sie im Aztekenstadion kurz vor der Halbzeit fast ein zweites Mal. Doch Quinones (42.) traf nur den Pfosten.

Und es wurde nicht besser aus Sicht der Südafrikaner. Direkt nach Wiederanpfiff hatte Torwart Ronwen Williams einen Blackout, spielte den Ball direkt in den Fuß des an der Strafraumgrenze stehenden Mexikaners Alvaro Fidalgo. Doch der Mittelfeldspieler agierte nicht zielstrebig genug, vertändelte die Möglichkeit letztlich.

Nur wenige Minuten später das nächste Fiasko. Brian Gutiérrez wurde steil geschickt, entwischte der südafrikanischen Abwehr kurz hinter der Mittellinie - und wurde von Sithole mit einer Notbremse kurz vor dem Strafraum gestoppt. Den fälligen Freistoß setzte Jiménez nur in die Mauer.

Nach 66 Minuten wurde es erneut stimmungsvoll im Aztekenstadion. Trainer Aguirre wechselte den erst 17 Jahre und 240 Tage alten Gilberto Mora ein, der damit zu Mexikos jüngstem WM-Spieler avancierte. Die „Mora, Mora“-Sprechchöre waren noch zu hören, da sorgte Jiménez per Kopf für die Entscheidung. Kurz vor Schluss schlug der eingewechselte Zwane Roberto Alvarado gegen den Kopf - zweiter Platzverweis für Südafrika nach Videobeweis. In der Nachspielzeit erwischte es auch den Mexikaner Cesar Montes nach einer Notbremse.

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