Krieg in Nahost Kommt es zur Wende im Iran-Krieg?

den dpa-Korrespondenten
|
Von den dpa-Korrespondenten
| 11.06.2026 01:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auch in Syrien sind nach Kämpfen zwischen Iran und Israel zu Beginn der Woche Trümmer niedergegangen. (Symbolbild) Foto: Ghaith Alsayed
Auch in Syrien sind nach Kämpfen zwischen Iran und Israel zu Beginn der Woche Trümmer niedergegangen. (Symbolbild) Foto: Ghaith Alsayed
Artikel teilen:

Die jüngste Eskalation zwischen Iran, USA und Israel hat große Befürchtungen ausgelöst. US-Präsident Trump kündigt schwere Angriffe auf den Iran an, sagt diese aber plötzlich ab. Was steckt dahinter?

Flammt der offene Iran-Krieg wieder auf? Oder gibt es tatsächlich Fortschritte in Gesprächen zwischen den Konfliktparteien? Die Fragen sind schwer zu beantworten. In den vergangenen Tagen war es erneut zu heftigen Angriffen gekommen. Erst beschossen sich am Wochenende der Iran und Israel gegenseitig, in der Nacht zu Mittwoch und Donnerstag attackierten sich der Iran und die USA. 

Am Donnerstag drohte US-Präsident Donald Trump Teheran dann zunächst mit einer militärischen Übernahme der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Kharg. In nicht allzu ferner Zukunft werde man die „vollständige Kontrolle“ über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen, schrieb er am Vormittag (US-Ostküstenzeit) auf der Plattform Truth Social und kündigte zugleich schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht an.

Nur wenige Stunden später jedoch kam die Kehrtwende: Trump blies die Angriffe wieder ab. Auf seiner Plattform Truth Social begründete er den Schritt mit laufenden Gesprächen, die die höchste Ebene der iranischen Führung erreicht hätten. Endgültige Punkte seien im Detail von allen beteiligten Parteien gebilligt worden - an dieser Stelle zählte Trump etwa arabische Länder und Israel auf, erwähnte aber nicht explizit den Iran noch mal. Trump ging so weit, eine Unterzeichnung in Aussicht zu stellen - warf aber mit seinen Worten mehr Fragen auf als Klarheit herzustellen.

Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen zwischen Washington und Teheran?

Seit Wochen gibt es Bemühungen um ein Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges. Immer wieder hatte der US-Präsident Hoffnungen geschürt, die Verhandlungen mit dem Iran stünden kurz vor einem Abschluss - sie erfüllten sich nicht. 

Iranische Verhandlungskreise zeigten sich noch kurz vor Trumps jüngster Kehrtwende irritiert über die US-Strategie, die mit militärischen Drohungen und ständig wechselnden Verhandlungspositionen Gespräche erschwere. 

Verhandlungskreise in Teheran beschrieben bisher schwierige Gespräche mit Washington. Fast jeden Tag gebe es einen neuen Stand. Mal wolle US-Präsident Trump das Land in die Steinzeit befördern, dann den Führer der Islamischen Republik treffen. Bisher gingen die Verhandlungen über den Vermittler Pakistan weiter. 

Zuletzt war ein Rahmenabkommen im Gespräch, nach dem die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr freigegeben werde. Der Iran fordert unter anderem die Freigabe von eingefrorenen Vermögenswerten. Über den genauen Stand gab es jedoch keine eindeutigen Berichte.

Zentrales Streitthema ist das Atomprogramm Teherans. Die iranische Führung hat mit dem Krieg seit Ende Februar jedoch mit der Kontrolle über die Straße von Hormus und Israels Krieg im Libanon weitere Druckmittel in die Verhandlungen aufgenommen. An diesem Freitag jährt sich der 12-tägige Krieg Israels mit dem Iran vom Vorjahr. Damals hatten US-Spezialflugzeuge auch Atomanlagen im Iran bombardiert.

Wie ist die aktuelle Lage in der Straße von Hormus?

Als Reaktion auf die jüngsten US-Angriffe im Iran hat das iranische Militär eine komplette Sperrung der Straße von Hormus bekanntgegeben. Die US-Militärführung widersprach der Darstellung umgehend.

Das US-Militär habe zuletzt Öltanker und andere Handelsschiffe in einer „geheimen Mission“ dabei unterstützt, die Straße von Hormus zu durchqueren, schrieb Trump auf Truth Social, ohne genauere Angaben zu machen. 

Der Datenanbieter Windward schrieb am Mittwoch unter Berufung auf eine Analyse der Firma Vortexa, fünf iranische Flüssiggastanker hätten die US-Blockade durchbrochen und in Indien und Pakistan ihre Ladung gelöscht. In einer Analyse des Datenanbieters Kpler hieß es, am vergangenen Wochenende hätten lediglich acht Schiffe die Meerenge passiert. Dies sei deutlich weniger als eine Woche zuvor.

Welche Gründe nannte Trump für die jüngsten Angriffe?

Für die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran in den vergangenen Nächten hatte Trump mindestens zwei Gründe angegeben. Einerseits sprach er davon, der Iran habe einen US-Kampfhubschrauber abgeschossen. Dafür hätten die USA in der Nacht zum Mittwoch Vergeltung gesucht. Der Iran hat den Hubschrauber-Abschuss bisher nicht offiziell bestätigt, er reagierte zunächst mit Raketenbeschuss in der Region.

Am Mittwoch sagte Trump, er wolle den militärischen Druck auf Teheran aufrechterhalten, da die iranische Führung „zu lange mit den Verhandlungen brauche“. In der Nacht zum Donnerstag griff das US-Militär nach eigenen Angaben an verschiedenen Orten im Iran militärische Überwachungs- und Kommunikationsanlagen sowie Anlagen der Luftabwehr an. Aus dem Iran gab es zudem Berichte über Explosionen nahe der Hauptstadt Teheran. 

In der Region Teheran sind nach iranischen Angaben Menschen nach US-Angriffen verletzt worden. Für viele Menschen geht das Leben trotz des Kriegs weiter. Foto: Vahid Salemi
In der Region Teheran sind nach iranischen Angaben Menschen nach US-Angriffen verletzt worden. Für viele Menschen geht das Leben trotz des Kriegs weiter. Foto: Vahid Salemi

Was waren die Auslöser für weitere Angriffe?

Bereits in den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu gegenseitigen Angriffen zwischen dem Iran und den USA. Der Iran betrachtet die US-Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen, als Bruch der eigentlich verhandelten Waffenruhe. 

Zudem verweist der Iran darauf, dass Frieden im Libanon auch Teil der Waffenruhe sei. Der Premierminister des Vermittlungsstaates Pakistan hatte das zu Beginn der Feuerpause ähnlich mitgeteilt. Israel lehnt eine Verbindung zwischen einer Waffenruhe im Iran und im Libanon jedoch strikt ab. Auch die libanesische Führung strebt ein Ende des iranischen Einflusses im eigenen Land an. 

Am Wochenende war es an der Front zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon eskaliert. Nach Beschuss der Hisbollah auf Israels Norden griff die israelische Luftwaffe Ziele in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut an. Teheran sah mit dem Angriff auf die Hochburg seines Verbündeten eine rote Linie überschritten und attackierte Israel von Sonntagabend an in mehreren Wellen mit mehr als 20 ballistischen Raketen. Israel antwortete seinerseits mit Luftangriffen auf iranisches Gebiet.

Ähnliche Artikel