Experiment gescheitert Jähes Ende in Frankfurt: Eintracht trennt sich von Riera

dpa
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Von dpa
| 17.05.2026 21:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Albert Riera ist nicht mehr Coach von Eintracht Frankfurt. (Archivbild) Foto: Florian Wiegand
Albert Riera ist nicht mehr Coach von Eintracht Frankfurt. (Archivbild) Foto: Florian Wiegand
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Die Zusammenarbeit zwischen Eintracht Frankfurt und Riera entpuppt sich als großes Missverständnis. Nach nur dreieinhalb Monaten und kurz nach Saisonende beendet der Bundesligist die Zusammenarbeit.

Albert Riera ist nicht mehr Coach des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Das gab der Club einen Tag nach dem 2:2 gegen den VfB Stuttgart am letzten Spieltag und am Ende einer enttäuschenden Saison mit der verpassten Europapokal-Qualifikation bekannt. Ein Nachfolger steht zunächst nicht fest.

„Nach intensiven Gesprächen sind wir gemeinsam zu der Entscheidung gekommen, die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung zu beenden“, sagte Sportvorstand Markus Krösche zu der Trennung vom Spanier nach gerade einmal dreieinhalb Monaten. 

„Albert Riera hat die Mannschaft in einer schwierigen Phase übernommen und sich mit großem Fleiß und hohem Engagement in den Dienst von Eintracht Frankfurt gestellt“, fuhr Krösche fort. Nach einer Analyse der Entwicklung sei der Club dem Schluss gekommen, „zur kommenden Saison einen anderen Weg einschlagen“ zu wollen. Riera hatte noch einen Vertrag bis Sommer 2028.

Es lief nicht auf dem Fußballplatz

Auf dem Platz stimmten Leistungen und Ergebnisse unter Krösches Wunschtrainer nur selten. In den gerade einmal 14 Partien unter dem 44-Jährigen gab es vier Siege, fünf Remis und fünf Niederlagen. Das entspricht im Durchschnitt 1,21 Punkten pro Begegnung. Zum Vergleich: Vorgänger Dino Toppmöller holte in dieser Saison durchschnittlich 1,5 Zähler pro Bundesliga-Spiel. Einen noch schlechteren Wert als Riera im Oberhaus hatte zuletzt Armin Veh in der Saison 2015/2016 (0,96 Punkte).

Die Pleite gegen den VfB war das fünfte sieglose Spiel in Serie. Die angestrebte Europapokal-Qualifikation wurde am Ende klar verpasst. Die Hessen beendeten die Spielzeit als Achter. Zuletzt spielte die Eintracht in der Saison 2020/2021 nicht international.

„Ich übernehme als Trainer die Verantwortung für die sportlichen Ergebnisse, und mein einziger Fokus lag in dieser Zeit darauf, die Mannschaft zu verbessern und erfolgreich zu machen“, wurde Riera in der Vereinsmitteilung zitiert. „Ich hatte das Gefühl, den Club und die Spieler schützen zu müssen, und ich würde jederzeit wieder genauso handeln.“

Es lief nicht abseits des Fußballplatzes

Doch nicht nur die Leistungen auf dem Platz dürften ausschlaggebend für die Trennung gewesen sein, sondern auch die zum Teil rätselhaften und polarisierenden Aussagen von Riera auf Pressekonferenzen sowie das offenbar angespannte Verhältnis zu einigen Spielern. Im April hatte er erklärt, dass er bei seinem Amtsantritt Anfang Februar die schlechteste Mannschaft in Europa vorgefunden habe, was die Gegentore angeht.

Den WM-Finaltorschützen von 2014, Mario Götze, setzte Riera auf die Tribüne - ausgerechnet kurz bevor die Vertragsverlängerung mit dem Routinier offiziell wurde. Offensivjuwel Can Uzun kam zwischenzeitlich kaum oder sogar gar nicht zum Einsatz, obwohl die Kreativität im Eintracht-Spiel zu wünschen übrig ließ. Die Nicht-Berücksichtigung des 20-Jährigen begründete Riera mit Schwächen in der Arbeit gegen den Ball.

Denkwürdige Wutrede und Zwist mit Burkardt

Für die Spitze des verbalen Eisbergs sorgte Riera einen Tag vor dem Spiel gegen den Hamburger SV, als er zu einer großen Medienschelte ausholte. Als „totalen Bullshit“ bezeichnete der Spanier übereinstimmende Medienberichte über einen angeblichen Zwist mit Nationalspieler Jonathan Burkardt.

Riera soll demnach ein Problem mit den vermeintlich hohen Körperfettwerten des Stürmers gehabt haben. Er soll aber nicht persönlich mit Burkardt darüber gesprochen, sondern Co-Trainer Jan Fießer vorgeschickt haben. Vor dem Spiel gegen den VfB erhielt Burkardt eine Geldstrafe, weil er Medienberichten zufolge Riera beleidigt haben soll.

Und auch mit den Fans hatte es sich Riera längst verscherzt. Die Frankfurter Anhänger rollten zum Ende des Spiels gegen Stuttgart ein Banner mit den Worten „Nada de gracias, Alberto“ aus. Das bedeutet übersetzt so viel wie „Danke für Nichts, Alberto“.

Image von Krösche als Top-Manager angekratzt

Das riskante Eintracht-Experiment mit dem extrovertierten Spanier ist krachend gescheitert - und setzt auch Kaderplaner Krösche, der noch einen Vertrag bis 2028 bei der Eintracht hat, zunehmend unter Druck. 

Er hatte in seiner bislang knapp fünfjährigen Amtszeit oft ein glückliches Händchen bei Trainern und Transfers, zuletzt griff er aber häufiger auch mal daneben. Riera ist da nur das prominenteste und jüngste Beispiel.

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