Veith wieder vorne  Drama um Favoritin Verena Coordes beim Ossiloop

| | 05.05.2026 22:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Innenstadt von Aurich herrschte Gedränge.
In der Innenstadt von Aurich herrschte Gedränge.
Artikel teilen:

Schnellste Frau bei der 3. Etappe des Ossiloops war Tagesläuferin Katharina Saathoff. Die bislang Führende der Gesamtwertung erreichte nicht das Ziel.

Aurich - Nach zwei Etappen durch die Idylle der ostfriesischen Landschaft folgte am Dienstagabend das Kontrastprogramm für die Ossilooper. Bei der Stadtetappe quer durch Aurich genossen rund 1800 Athleten – darunter fast 500 Tagesläufer – nicht Wiesen und Felder, sondern Atmosphäre und Menschenmassen. Beim Zieleinlauf in der Innenstadt konnte sich die bisher schnellste Läuferin den verdienten Applaus aber nicht abholen. Verena Coordes (TuS Weene) schied unterwegs verletzt aus.

Katharina Saathoff ist die ostfriesische Langstreckenkönigin und gewann als Tagesläuferin souverän die Etappe. Fotos: Klaus Ortgies
Katharina Saathoff ist die ostfriesische Langstreckenkönigin und gewann als Tagesläuferin souverän die Etappe. Fotos: Klaus Ortgies

Das Drama passierte bei Kilometer fünf. „Es gab einen Vorfall“, bestätigte der neue Ossiloop-Chef Moritz Dirks und gab zugleich Entwarnung: „Es ist so weit alles okay.“ Verena Coordes hatte sich ohnehin schon mit einer Oberschenkelverletzung herumgeplagt.

Tammo Oldigs lief locker

Für den Tagessieg wäre sie ohnehin nicht in Frage gekommen. Denn Ostfrieslands Langstrecken-Königin Katharina Saathoff ging als Tagesläuferin ins Rennen und erreichte mit großem Abstand als schnellste Frau das Ziel. „Ich bin ganz spontan mit einem Freund gestartet“, sagte die 25-Jährige, die mittlerweile in Bremen lebt, im Ziel. „Für mich ist diese Etappe die schönste.“ Dafür nannte sie gleich zwei Gründe: „Der Zieleinlauf mit den vielen Fans ist toll. Außerdem leben meine Großeltern in Aurich.“ Und die Senioren jubelten ihrer Enkelin im Ziel zu.

Tim Veith freute sich über den Sieg und eine tolle Zeit.
Tim Veith freute sich über den Sieg und eine tolle Zeit.

Bei den Männern siegte der Gesamtführende Tim Veith in 30:57 Minuten. Zwar bestritt auch Vorjahressieger Tammo Oldigs (Ihrhove) erstmals in diesem Jahr eine Etappe, aber wenige Tage nach seinem Marathon in Prag ließ er es locker angehen und strebte keine vordere Platzierung an. So strahlte im Ziel Tim Veith als Sieger. „Ich habe 110 Prozent gegeben. Das war heute meine beste Zeit.“ Der Ardorfer verwies Ingo Mudder (Emden, 31:50) und Jannik Jakobs (33:27) auf die weiteren Plätze. Schnellste Frau der Gesamtwertung war nach dem Coordes-Drama Daniela Ruthenbeck (Rehazentrum am Meer) in 39:14 Minuten vor Frauke Buntjer (Bunde; 39:32) und Heike Piotrowski (LG Harlingerland; 40:55).

Zwei Herzen für Opa Robert

Für die meisten Ossilooper ging es aber nicht um Siege oder Bestzeiten. So genossen am Dienstag Nadine Brückner und ihre Tochter Nele weit hinten im Feld ganz einfach die Stimmung und gingen mit einer speziellen Motivation ins Rennen. Das Mutter-Tochter-Duo aus Hatten trägt im Herzen nämlich noch einen weiteren früheren Ossiloop-Fan. „Opa wäre total stolz auf uns“, sagt Nadine Brückner zu ihrer Tochter Nele. Zusammen bilden sie das Team „Zwei Herzen für Opa Robert“ und starten dieses Jahr erstmals gemeinsam.

Nadine und Nele Brückner bilden das Team „Zwei Herzen für Opa Robert.“
Nadine und Nele Brückner bilden das Team „Zwei Herzen für Opa Robert.“

Robert selbst hat es leider nie zum Etappenlauf geschafft – obwohl er sich das noch drei Wochen vor seinem Tod gewünscht hatte. Nadine Brückner hatte ihrem Vater, der fern von Ostfriesland lebte, immer etwas vom Ossiloop vorgeschwärmt. „Man trifft sich nur einmal im Jahr und trotzdem ist es, als hätte man Freunde gefunden.“ So hatte sie es auch ihrem Papa erzählt, der sie zum Laufsport gebracht hatte.

Vor vier Jahren saßen dann Vater und Tochter zusammen, sprachen über ein kleines Zwicken des Seniors, plauderten weiter und beschlossen, gemeinsam beim Kultevent in Ostfriesland zu starten. Doch das Zwicken wurde schlimmer und kurz darauf folgte die Schreckensdiagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Nach der Diagnose blieben Robert nur noch sechs Tage. Er erlag seiner Krankheit in den Abendstunden an einem Tag Anfang Mai – also mitten in der Ossiloopzeit.

„Laufen ist für mich total mit Papa verbunden“, sagt die 49-Jährige heute. Und das gebe ihr Kraft beim Joggen. „Mit ihm im Herzen bin ich meinen ersten Marathon gelaufen.“ Und jedes Jahr im Frühjahr hat sie Zeit zu reflektieren und die Erinnerungen an ihren Vater aufleben zu lassen - beim Laufen abends im Mai.

Mutter und Tochter denken an Robert

Diesmal läuft ihre Tochter Nele zum ersten Mal mit. Noch nicht lange im Sport, kann die 18-Jährige schon einen Halbmarathon für sich verbuchen - und nach weiteren drei Etappen auch ihren ersten Ossiloop. Die Idee, mit ihrer Mutter zusammen im Gedenken an ihren verstorbenen Opa zu starten, ist mit der Zeit gewachsen. Er fehle ihnen noch sehr, berichten die beiden im Gespräch, „uns geht es darum zusammen zu laufen und an Opa beziehungsweise Papa zu denken.“ Nach drei Etappen haben die beiden genau 3:43:39 auf der Stoppuhr, keine Sekunde trennt sie. Für sie steht die Gemeinschaft im Vordergrund, mal hätte die eine oder die andere schneller laufen können, aber darum gehe es nicht, Mutter und Tochter halten zusammen - und denken an Opa Robert. Auch das ist der Ossiloop.