Krabbeln aus der Krise  TuS Hinte feiert das Wunder nach dem Winter

| | 05.05.2026 12:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In den vergangenen Wochen ließ sich der TuS Hinte (schwarze Trikots) nur vom Spitzenreiter TuS Pewsum (links Derk Schoneboom) etwas vormachen und unterlag mit 2:5. Ansonsten verlor Hinte seit Ende März kein Spiel mehr. Fotos: Jens Doden
In den vergangenen Wochen ließ sich der TuS Hinte (schwarze Trikots) nur vom Spitzenreiter TuS Pewsum (links Derk Schoneboom) etwas vormachen und unterlag mit 2:5. Ansonsten verlor Hinte seit Ende März kein Spiel mehr. Fotos: Jens Doden
Artikel teilen:

Zu Saisonbeginn verlor der TuS mal 0:5, mal 0:7 und auch mal 0:9. Mittlerweile gehört der Aufsteiger zu den besten Teams der Rückrunde. Das liegt auch an drei Jünglingen.

Hinte - Drei 0:5-Schlappen, ein 0:7 gegen Pewsum und gar ein 0:9 gegen TuRa Westrhauderfehn – die Fußballer des Bezirksliga-Aufsteigers TuS Hinte produzierten wahre Horror-Zahlen im Herbst. Als für den TuS nach zwölf Niederlagen in den ersten 13 Partien der Saison bereits 61 Gegentore zu Buche stand, schienen das Team drauf und dran, ein noch größeres Desaster zu erleben als in der Pleiten-Saison 2023/24 mit damals 111 Gegentoren als Tabellenletzter. Doch dem Horror-Herbst folgte das Wunder nach dem Winter. Mittlerweile ist aus den Prügelknaben ein eifriger Punktesammler geworden, der mit dem 6:1-Triumph über Süderneuland am Sonntag erstmals die Abstiegsregion verließ.

Ralf Ludwigs freut sich als Trainer über den Wandel in Hinte.
Ralf Ludwigs freut sich als Trainer über den Wandel in Hinte.

Der lange Zeit so überforderte Aufsteiger gehört mittlerweile zu den besten Mannschaften der Rückrunde. „An so eine Entwicklung habe ich auch nicht wirklich geglaubt“, räumt Trainer Ralf Ludwigs ein. „Natürlich hatten wir bei den Planungen für die neue Saison auch schon an die Ostfrieslandliga gedacht.“ Aber ganz abgeschrieben hatte auch der 39-jährige Coach die Bezirksliga noch nicht.

Ludwigs musste allerdings in seinem ersten Jahr als Chef-Trainer zunächst nicht nur Klatschen verdauen, sondern auch Kritik wegstecken. „Natürlich gab es auch negative Stimmen“, gesteht er. „Ich habe da einiges abbekommen. Das musste ich aushalten.“ Trotz der Pleitenserie und trotz kritischer Stimmen verfiel der 39-Jährige nicht in Panik. „Die gute Stimmung in der Mannschaft ist nie richtig gekippt. Und deshalb habe ich überhaupt nicht dran gedacht, die Brocken hinzuwerfen.“

Aufwärts mit drei jungen Wilden

Gemeinsam krabbelten Trainer und Team mit einfachen Mitteln aus der Misere. „Wir haben nicht mehr Spielzüge oder taktische Vorgaben in den Mittelpunkt gestellt, sondern uns auf einfache Sachen konzentriert.“ Mit Grundtugenden wie sauberem Passspiel und kompromisslosen Zweikämpfen stabilisierte der TuS zunächst die Defensive. Ein 3:2-Sieg in Borssum kurz vor der Winterpause gab neuen Auftrieb. Für den zweiten Saisonteil baute Hinte zudem seine Abteilung „Jugend forscht“ aus. Der Aufsteiger ergänzte die Mannschaft wegen der dünnen Personaldecke um die 18-jährigen A-Jugendspieler Jarik Hillers und Jeremy Leys sowie den 20-jährigen Simon Beer, der sich beim Spitzenreiter TuS Pewsum zumeist auf der Bank saß.

Die Jünglinge erwiesen sich allesamt als Volltreffer in der Offensive und steckten mit ihrem Elan und ihren insgesamt zwölf Treffern auch die erfahreneren Mitspieler an. „Die ganze Mannschaft hat bestimmt 20 Prozent draufgepackt“, sagt der Trainer. Das Fußballmärchen nach dem Winter begann endgültig, als Jarik Hillers Ende März gegen Concordia Ihrhove in der 93. Minute das 3:2-Siegtor erzielte. „Plötzlich hatten die Spieler auch wieder Selbstbewusstsein“, erklärt Ludwigs die Wende im Kopf.

Nur Pewsum war zuletzt besser

Spätestens seit diesem Spiel präsentierte sich eine völlig veränderte Mannschaft. Das Kellerkind war flügge geworden und jubelte nahezu Woche für Woche. „Der Zusammenhalt war immer gut, aber jetzt ist es grandios“, schwärmt der Trainer von der Stimmung. „Wir haben neun oder zehn Leute auf der Ersatzbank und alle rennen bei den Toren aufs Feld.“

In den vergangenen Wochen mussten die Jubler reichlich Strecke zurücklegen. Denn von den jüngsten sieben Spielen verlor das einstige Schlusslicht nur gegen den Spitzenreiter TuS Pewsum.

Aufgrund der verpatzten Hinrunde ist der Klassenerhalt des Viertletzten aber noch lange nicht sicher. Es müssen im Saisonendspurt noch dringend weitere Zähler her. Nur dann erfährt das Wunder von Hinte auch die verdiente Krönung.

Ähnliche Artikel