Kampf ums Eigenheim  Nach Auto-Crash – so geht es der Familie aus Holthusen

Tatjana Gettkowski
|
Von Tatjana Gettkowski
| 05.05.2026 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Damit im Inneren durch Feuchtigkeit keine weiteren Schäden entstehen, wurde das Haus mit einer Plane abgedichtet. Foto: Tatjana Gettkowski
Damit im Inneren durch Feuchtigkeit keine weiteren Schäden entstehen, wurde das Haus mit einer Plane abgedichtet. Foto: Tatjana Gettkowski
Artikel teilen:

Mit dem Auto-Crash in ihr Haus wurde das Leben der Familie Andreßen aus Holthusen auf den Kopf gestellt. Der Familienvater erzählt über den mühsamen Kampf zurück in die eigenen vier Wände.

Holthusen - Normalerweise wird das kleine Häuschen in der Alten Siedlung in Holthusen als Unterkunft für Monteure genutzt. Seit dem 21. Februar 2026 ist es das Zuhause auf Zeit für die Familie Andreßen. Nachdem in der Nacht ein Auto in die Wand des Wohnzimmers gekracht war, ist ihr Haus unbewohnbar. Abgerissen werden, wie anfangs befürchtet, muss das Gebäude zwar nicht. Bis es saniert ist und wieder bezogen werden kann, wird es aber noch dauern.

Björn und Melanie Andreßen haben es sich in ihrer Übergangsunterkunft mit ihren Katzen und ihrer zwölfjährigen Tochter wohnlich eingerichtet. Foto: Tatjana Gettkowski
Björn und Melanie Andreßen haben es sich in ihrer Übergangsunterkunft mit ihren Katzen und ihrer zwölfjährigen Tochter wohnlich eingerichtet. Foto: Tatjana Gettkowski

Doch von Anfang an. Was war passiert? Kurz nach Mitternacht am Sonnabend, 21. Februar 2026, war ein 23 Jahre alter Mann aus Weener unter Einfluss von Alkohol mit seinem BMW im Weeneraner Ortsteil Holthusen in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen. Das Auto rammte erst einen Laternenmast und prallte dann frontal gegen das Wohnhaus. „Normalerweise bin ich freitags immer lange auf. Aber an diesem Abend war ich wie meine Frau und Tochter früher ins Bett gegangen“, erinnert er sich. Auch die Katzen hätten sich ganz gegen ihre Gewohnheiten nicht wie üblich im Wohnzimmer aufgehalten, als das Unglück geschah. „Wir mussten erstmal gucken, was passiert war“, erinnert er sich an den großen Knall. Im Wohnzimmer sahen sie dann den BMW. Aus einem Fenster kletterten Björn Andreßen, seine Frau Melanie und ihre zwölfjährige Tochter Mia-Sophie ins Freie.

So sah die Fassade nach dem Auto-Crash aus. Foto: Feuerwehr Weener
So sah die Fassade nach dem Auto-Crash aus. Foto: Feuerwehr Weener

So hat die Feuerwehr geholfen

„Die Feuerwehr hat alles für uns organisiert“, erzählt Andreßen begeistert. „Vom Jogging-Anzug in sämtlichen Größen bis zu Lebensmitteln für die Versorgung in den ersten Stunden in der neuen Übergangswohnung in Holthusen haben die alles parat.“ Für Fälle, in denen Menschen durch Feuer, Explosionen oder andere Unglücksfälle ihre Wohnung verlieren, ist die Feuerwehr vorbereitet.

Mit einem Bagger wurden Gebäudeteile im Bereich der Fassade abgetragen. Foto: Feuerwehr
Mit einem Bagger wurden Gebäudeteile im Bereich der Fassade abgetragen. Foto: Feuerwehr

Viel Stress und Aufwand

Trotzdem sei das Unglück mit viel Stress und Aufwand verbunden. Die Versicherung des Unfallfahrers komme zwar für die Schäden auf, aber der Nachweis der Schäden und erforderlichen Sanierungsarbeiten sei eine Katastrophe. „Wir sollten Listen und Fotos von den beschädigten Sachen machen und Kaufbelege raussuchen“, erzählt er. Mit den Geräten sollte er zum Fachhändler gehen und checken lassen, ob eine Reparatur möglich ist. Gefordert worden sei ein Kostenvoranschlag für Reparatur oder ein entsprechendes Neugerät. „Den Aufwand kann doch niemand leisten. Ich hab das alles an meinen Anwalt übergeben“, sagt Andreßen. Das Prozedere für die erforderlichen Sanierungen seien ähnlich nervenaufreibend. „Für jedes Gewerk muss man Kostenvoranschläge von drei unterschiedlichen Firmen erbringen.“

Zehn Tage nach dem Unfall seien die ersten Rechnungen ins Haus geflattert. „Wenn man mit 7000 bis 8000 Euro in Vorleistung treten soll, kann man schon unruhig werden“, beschreibt er seine Empfindungen. Damit niemand zu Schaden komme, sei das Grundstück durch einen Bauzaun gesichert. Auch der müsse bezahlt werden. Die Go-Fund-Me-Spendenaktion sei eine enorme Entlastung gewesen. „Blöd sah es aus, dass wir kurz nach dem Aufruf einen neuen Wohnwagen und ein neues Auto vor der Tür stehen hatten“, erzählt Björn Andreßen. Was Außenstehende nicht wissen können: „Das hatten wir vor dem Unglück ja schon gekauft.“ Vor allem seine Tochter habe unter den „dummen Sprüchen“ gelitten. Vorsorglich habe er die gespendeten 10.000 Euro auf dem Sparkonto deponiert. „Wir wissen ja nicht, was die Versicherung tatsächlich übernimmt und was noch alles auf uns zukommt.“

Weil Gebäudeteile herabzustürzen drohten, wurden die Fassade und das Dach großflächig abgetragen. Foto: Feuerwehr Weener
Weil Gebäudeteile herabzustürzen drohten, wurden die Fassade und das Dach großflächig abgetragen. Foto: Feuerwehr Weener

Wohnlich eingerichtete Monteursunterkunft

In der Übergangsunterkunft hat es sich die Familie so gut es geht, wohnlich eingerichtet. „Wir haben eine Couch gekauft, um das Wohnzimmer wohnlich einzurichten“, erzählt er. Das Haus sei ja ursprünglich für Monteure gedacht. Daher hätten im Wohnzimmer nur drei Betten gestanden. „Das Zuhause-Gefühl fehlt hier natürlich. Wir sind hier Gäste und müssen das Haus ja so hinterlassen, wie wir es vorgefunden haben.“ Am meisten vermisse er die wohlige Wärme des Kaminofens. „Und jetzt den Garten natürlich.“ Weil man dort nicht „am Ball bleiben“ könne, verwildere der Garten zusehends. „Der Mähroboter funktioniert nicht mangels Strom.“ Etliche Kubikmeter Holz warten darauf, gespalten zu werden, aber auch für den brauche man Strom.

Wie schnell es mit dem Wiederaufbau und der Sanierung weitergehe, sei schwer abzuschätzen. „Wir hoffen auf Weihnachten, aber könnte durchaus 2027 werden, bis wir wieder in unser Haus zurück können.“ Die Familie versuche, das Beste aus der Situation zu machen. „Egal, wieviel Stress und Rennerei wir jetzt haben: Hauptsache ist, dass niemand verletzt worden ist. Das hätte alles auch ganz anders enden können“, sagt Björn Andreßen.

Ähnliche Artikel