Osnabrück  Neue Kinderbibliothek: Zwei Ideen für Osnabrück prallen aufeinander

Karsten Frei
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Von Karsten Frei
| 04.05.2026 20:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vom Prelle-Shop zur Kinderbibliothek? Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hat eine entsprechende Idee vorgestellt. Doch die stößt nicht nur auf Gegenliebe. Foto: Tobias Saalschmidt
Vom Prelle-Shop zur Kinderbibliothek? Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hat eine entsprechende Idee vorgestellt. Doch die stößt nicht nur auf Gegenliebe. Foto: Tobias Saalschmidt
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Eine Kinder- und Jugendbibliothek im früheren Prelle-Haus soll die Osnabrücker Innenstadt beleben. Die Initiative „Haus des Wissens“ warnt vor einer Zwischenlösung. Der Osnabrücker City-Marketing e.V. (OCM) sieht dagegen genau dort eine neue Chance.

Am früheren Prelle-Haus in der Krahnstraße 43 zeigt sich, wie unterschiedlich die Vorstellungen von einer lebendigen Innenstadt sein können: Die Stadt Osnabrück will dort eine Kinder- und Jugendbibliothek einrichten. Doch schon bevor der Ausschuss für Finanzen und Immobilien am Dienstag, 6. Mai, über die Idee berät, wird deutlich: Es geht um mehr als die Nachnutzung eines prominenten Leerstands.

Als Oberbürgermeisterin Katharina Pötter die Pläne am Donnerstag, 30. April, im leerstehenden Prelle-Haus vorstellte, sprach sie von einem „magischen Ort für Kinder und Familien“. Mit der Kinderbibliothek wolle die Stadt einen Leerstand mit Bildung und Lebensqualität füllen. Geplant ist ein „Baum des Wissens“ auf rund 600 Quadratmetern, verteilt auf vier Etagen. Die Ausstattungskosten beziffert die Verwaltung auf rund 1,06 Millionen Euro, eine Förderung wird angestrebt.

Der Osnabrücker City-Marketing e.V. (OCM) begrüßt den Plan in einer Stellungnahme ausdrücklich. Aus ihrer Sicht setzt die Nachnutzung des seit Anfang 2025 wieder leerstehenden Ladenlokals ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung der Innenstadt. Der Standort bilde einen zentralen Übergang zwischen Altstadt und Einkaufsstadt und habe eine hohe strategische Bedeutung für die Besucherströme.

Die geplante Kinderbibliothek schaffe dort einen neuen Anziehungspunkt, heißt es in der Stellungnahme. Familien würden gezielt in die City geführt – mit positiven Effekten für Einzelhandel, Gastronomie und Aufenthaltsqualität. „Die geplante Kinderbibliothek ist ein starkes Signal für unsere Innenstadt“, erklärt der Vorsitzende der OCM, Mark Rauschen. Sie schaffe einen „echten Ankerpunkt zwischen Altstadt und Einkaufsstadt“ und bringe neues Leben in eine zentrale Lage.

Die Initiative „Haus des Wissens“ äußert dagegen in einer aktuellen Pressemitteilung Bedenken. Zwar begrüßt sie, dass die Stadt Osnabrück Geld für die wichtige Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen in die Hand nehmen will. Die Verlagerung der Kinder- und Jugendbibliothek in die Krahnstraße 43 könne aber nur eine „zeitlich begrenzte Zwischenlösung“ sein, schreibt der Initiativkreis.

Eine dauerhafte Ansiedlung am früheren Prelle-Standort hält die Initiative nicht für tragfähig. Das Umfeld sei durch Einkaufsverkehr und kommerzielle Nutzungen geprägt. Kindern und Jugendlichen fehle außerhalb des Gebäudes eine verkehrsberuhigte Umgebung, in der sie sich aufhalten könnten. Zudem sei der Standort per Bus ungünstiger zu erreichen und biete nicht die nötigen Flächen für den erwarteten Fahrradverkehr.

Vor allem aber sieht die Initiative die Stadtbibliothek auch nach einer Entlastung am Markt nicht zukunftsfähig aufgestellt. Die Bibliothek brauche für ihre Arbeit deutlich mehr Fläche. Die Initiative wirbt deshalb weiter für ein großes „Haus des Wissens“, vorzugsweise in der heutigen Hauptschule Innenstadt an der Hakenstraße. Dort sieht sie bessere Voraussetzungen für eine moderne Stadtbibliothek für alle Altersgruppen – mit Angeboten für Kinder, Jugendliche, Familien, Bildung, Begegnung und Kooperationen.

Ganz einfach ist diese Alternative allerdings nicht. Über die Zukunft der Hauptschule Innenstadt hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt bereits Anfang April diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die Verwaltung das Gebäude ihrer Ansicht nach wegen laufender Schulbauprojekte noch jahrelang als Ausweichstandort benötigt. Die Hakenstraße ist also eine große Idee – aber keine schnelle Lösung.

Damit prallen vor der Ausschussberatung zwei Ziele aufeinander. Der OCM betrachtet die Kinderbibliothek im Prelle-Haus als schnellen und sichtbaren Impuls für die Innenstadt: ein konsumfreier Ort, der Familien in die City bringt und eine wichtige Lage stabilisiert. Die Initiative „Haus des Wissens“ warnt dagegen, dass Osnabrück eine langfristige Bibliothekslösung nicht aus dem Blick verlieren dürfe.

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