Angebot  Museumspadd in Rhauderfehn – weniger Rollen, mehr Nähe

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 05.05.2026 06:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Mitwirkenden (von links): Harm Evers, Hinrich Heselmeyer, Hartmut Hauer, Hanna Schendel, Elvira Duken, Heike Heselmeyer, Monika Hauer, Ursula Hackmann, Gerd de Vries und Sebastian Meyer. Fotos: Clarissa Scherzer
Die Mitwirkenden (von links): Harm Evers, Hinrich Heselmeyer, Hartmut Hauer, Hanna Schendel, Elvira Duken, Heike Heselmeyer, Monika Hauer, Ursula Hackmann, Gerd de Vries und Sebastian Meyer. Fotos: Clarissa Scherzer
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Das Fehntheater setzt im Museum auf einzelne Rollen statt klassisches Stück. Besucher hören zu, fragen nach und erleben die Szenen aus nächster Nähe – mit Tee und Krinstuut in der Pause.

Westrhauderfehn - Beim Museumspadd im Fehn- und Schiffahrtsmuseum in Westrhauderfehn wird Geschichte nicht einfach erzählt, sie wird erlebt. In diesem Jahr setzt das Fehntheater auf ein neues Konzept. An insgesamt zehn Stationen begegnen die Besucherinnen und Besucher im Museum einzelnen Figuren aus vergangenen Zeiten, die aus ihrem Leben berichten. Jede Rolle steht für sich, jede Geschichte hat ihre eigene Stimme.

Eigentlich waren mehr Mitwirkende geplant, doch einige fielen kurzfristig aus. Statt das Programm zu kürzen, entschied sich die Gruppe kurzerhand für einen neuen Ansatz und traf damit genau ins Schwarze. Die Spielerinnen und Spieler genießen die neue Freiheit bei ihrer Interpretation der Rollen, können spontaner agieren und direkter mit dem Publikum in Kontakt treten. Und genau diese Nähe macht den besonderen Reiz aus. „Es ist schön, wenn wir unterwegs sind. Wir sind ganz nah dran“, beschreibt Heimatforscher Hinrich Heselmeyer das neue Konzept. Gemeinsam wandert das Publikum durch die Räume des Museums, bleibt stehen, hört zu, fragt nach und taucht Schritt für Schritt tiefer in die Vergangenheit ein.

Harm Evers als Beurtschipper Freerk startet den Museumspadd im der guten Stube des Kapitänshauses.
Harm Evers als Beurtschipper Freerk startet den Museumspadd im der guten Stube des Kapitänshauses.

Figuren sind vielfältig

Die Figuren, denen man im Fehn- und Schiffahrtsmuseum begegnet, sind vielfältig. Da ist etwa Rudolf van Glan, einer der Mitgründer Rhauderfehns. Hartmut Hauer, auch „Haui“ genannt, schlüpft in die Rolle eines Postloopers, während Moni Hauer als Kapitänsfrau vom Leben an der Seite eines Seefahrers erzählt. Besonders berührend ist der Auftritt der achtjährigen Hanna Schendel, die hier in der Rolle der Tochter eines Moorkolonisten in Haube und Kleid ihre Premiere feierte.

Vor wenigen Tagen fanden gleich zwei Durchgänge statt, beide waren gut besucht. In den kleineren Räumen wurde es stellenweise eng, aber genau das trug auch zur intensiven Atmosphäre bei. Vor dem zweiten Durchgang gab es für die Gäste Tee und Krinstuut bei einer gemütlichen Pause, in der man bereits ins Gespräch kam. Später trafen sich beide Gruppen wieder. Harm Evers in der Rolle des ortskundigen Beurtschipper Freerk erläuterte Begriffe aus vergangenen Zeiten, wie beispielsweise den „Drehposten“, eine schmale Drehbrücke, oder den „Battenposten“, einfache Bretter über die Innenwieken.

Hartmut Hauer spielt den Postlooper Albert Battmeyer.
Hartmut Hauer spielt den Postlooper Albert Battmeyer.

Neue Mitspieler sind jederzeit willkommen

Dass dieses Format lebt, liegt auch an der Gemeinschaft dahinter. Neue Mitspielerinnen und Mitspieler sind jederzeit willkommen. Sebastian Meyer ist eines der jüngsten Beispiele. Er begann mit einem einzigen Satz und spielt inzwischen eine ganze Rolle, die eines Moorkolonialisten. „Es macht einfach Spaß, und die Gemeinschaft ist toll“, sagt Meyer. Die Hürden für den Einstieg sind bewusst niedrig gehalten, selbst ohne Plattdeutsch-Kenntnisse kann man problemlos mitmachen.

Seit vier Jahren gibt es den Museumspadd inzwischen, und er hat sich zu einem echten Publikumsliebling entwickelt. Beide Durchgänge waren diesmal ausverkauft. Während der Bewirtung zeigte Heselmeyer zudem alte Fotografien, die er an den Originalschauplätzen nachgestellt hat. Ein weiterer Blick in die Vergangenheit.

Elvira Duken in der Rolle der Kolonistin Geeske, die die Franzosenzeit erklärt.
Elvira Duken in der Rolle der Kolonistin Geeske, die die Franzosenzeit erklärt.

Am 27. und 28. Juni steht mit dem Fehnpadd der nächste Theaterrundgang an. Auf rund 1,1 Kilometern führt er durch Rhauderfehn inklusive Tee- und Kuchenpause. Wer dabei sein möchte, kann sich per Mail an info@fehntheater.de anmelden. Auch im Radio wird das Projekt vorgestellt. Am 10. Mai spricht Harm Evers bei Radio Ostfriesland von 11 bis 13 Uhr darüber.

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