Osnabrück  Anwohner der Iburger Straße bedauern Aus für Umweltspuren – und fordern Tempo 30

Anke Herbers-Gehrs
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Von Anke Herbers-Gehrs
| 01.05.2026 06:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die Vorschläge für mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer an der Iburger Straße in Osnabrück werden kontrovers diskutiert oder von Vorschriften ausgebremst. Beim Bürgerforum wurde nachgefragt, was trotzdem passieren könnte.

Viel ist in den vergangenen Wochen diskutiert und gestritten worden über die Iburger Straße. Nun kamen die zu Wort, die dort leben: Das Bürgerforum für Nahne, Fledder, Schölerberg nutzten viele als Forum, um ihre Sorgen und Ansichten vorzubringen und mehr über den Sachstand zu erfahren, und das aus erster Hand: Oberbürgermeisterin Katharina Pötter leitete dieses Bürgerforum.

„Darf man überhaupt auf dem Radweg an der Iburger Straße fahren, der ist ja schmaler als erlaubt?“ Mit dieser Frage brachte ein Anwohner die Sicherheitsfrage auf den Punkt. Der Radstreifen, gerade am Edeka vorbei bis zum Hauswörmannsweg stadtauswärts, sei viel zu schmal, der Sicherheitsabstand zu parkenden Autos nicht einzuhalten. Ein Anwohner schlug vor, die Radwegebenutzungspflicht zumindest in diesem Bereich aufzuheben.

Dazu nahm Olaf Knüppe vom Fachbereich Geodaten und Verkehrsanlagen Stellung. Er betonte, dass der Radweg nicht mehr heutigen Regeln entspreche und so nicht mehr geplant werden würde – auch, weil die Größe der Stellplätze für heutige Fahrzeuge nicht mehr ausreichend sei. Dennoch gelte die Benutzungspflicht und das Gebot gegenseitiger Rücksichtnahme.

Die Debatte um die Iburger Straße schwelt seit 2025. Da hatte der Rat die Einrichtung von Umweltspuren beschlossen und folgte damit der Forderung des Osnabrücker Radentscheids nach mehr Sicherheit. Doch die Stadtverwaltung teilte im Frühjahr 2026 mit, dass der Rückbau von vier auf zwei Spuren rechtlich nicht so einfach möglich sei, unter anderem, weil die Bundesstraße auch als Umleitungsstrecke bei einer Sperrung der Autobahn dient.

Bei vielen Anwohnern sorgt die Absage der Umweltspuren für Unverständnis. Auf der Mindener Straße, der Bremer Straße und der Bohmter Straße seien Spuren zurückgebaut worden und es funktioniere – ohne Stau. OB Pötter wies auf die Berechnungen der Verkehrsplaner hin. Demnach seien die Spuren auf der Iburger Straße nicht breit genug, Radfahrer würden die Busse behindern und es könne zu Rückstaus kommen. „Auch ohne E-Bike blockiere ich keinen Bus“, kommentierte ein Zuhörer.

Anwohner Markus Große Ophoff schlug vor, zumindest stellenweise eine Art Umweltspur einzuführen, also den Verkehr teils vierspurig zu führen, zumindest in Kreuzungsnähe, und teils einspurig. Eine solche Mischlösung könnte funktionieren. Da gab ihm Olaf Knüppe recht: „Genau das ist eine der Varianten, die wir prüfen.“

Wie dennoch mehr Sicherheit für Radfahrer erreicht werden kann, prüft die Verwaltung derzeit. Eine Maßnahme wäre der Rückbau von Stellplätzen – ein Vorschlag, der schon 2022 in einem Bürgerforum gemacht wurde. Doch wie sollen dann die Geschäfte beliefert werden, wo sollen Handwerker parken, was ist mit Umzügen, der gesamten Nahversorgung? Katharina Pötter sprach von „altbekannten Zielkonflikten“.

Auf eine Ausweichmöglichkeit für Radfahrer wies Olaf Knüppe hin: Parallel zur Iburger Straße verläuft am Riedenbach die Veloroute 7. Beim Publikum stieß er damit auf wenig Zustimmung: „Wir wollen die Iburger Straße als Radfahrende weiter nutzen, hier einkaufen, da hilft die Veloroute nicht.“ Ein Zuhörer wies zudem darauf hin, dass die Veloroute teilweise erst noch ausgebaut werden müsse, gerade im Bereich des Waldes. Das könne dauern. „Die Sicherheit auf der Iburger Straße muss Vorrang haben“, meinte er.

Thema war auch Tempo 30 – das galt auf der Iburger Straße 2024, als die Straße Teil eines niedersächsischen Modellprojekts war. Ende 2024 endete der Test. Jetzt prüft die Stadtverwaltung, ob Tempo 30 zumindest nachts wieder eingeführt werden könne – was im Bürgerforum umgehend die Frage provozierte: „Warum nur nachts? Wir brauchen tagsüber Tempo 30!“

Katharina Pötter erklärte, dass nach dem erfolgreichen Versuch mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nun die Prüfung im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen in Hannover stattfindet, nach den Vorgaben des Landesgesetzgebers. „Das ist unbefriedigend, wir dürfen das aber gerade nicht anders“, so die Oberbürgermeisterin.

Das hohe Verkehrsaufkommen von bis zu 20 000 Fahrzeugen täglich auf der Iburger Straße wirkt sich auch auf die angrenzenden Straßen aus, die als Ausweichstrecken genutzt werden. So klagte eine Anwohnerin der Miquelstraße, diese sei morgens so von Autos blockiert, dass Radfahrer keine andere Wahl hätten, als über die Bürgersteige voranzukommen. Auch Lkw würden diese Straße nutzen, obwohl sie es nicht dürften. Die Rechtslage sei hier klar, so Olaf Knüppe: Auf dem Gehweg müssen Radfahrer absteigen.

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