Osnabrück Zuspruch hat gereicht: Diese fünften Klassen in Osnabrück starten ohne Smartphones
Die Entscheidung ist gefallen: In allen drei Osnabrücker Schulen, die dies für den fünften Jahrgang angeboten haben, gab es ausreichend Anmeldungen für jeweils eine smartphonefreie Klasse – und einige halbe.
Smart ohne Smartphone: Das wird ab dem kommenden Schuljahr für zahlreiche Osnabrücker Kinder gelten, die von der Grund- in eine weiterführende Schule wechseln. In allen drei Schulen, die eine Option für eine smartphonefreie fünfte Klasse bereitgehalten haben, haben sich ausreichend viele Eltern und ihre Kinder dafür entschieden.
In der Domschule am Herrenteichswall, die neben zwei Gymnasien als einzige Oberschule darum geworben hatte, waren es nach Auskunft von Schulleiterin Sabine Müller ein Viertel aller Eltern, die dafür votiert haben, ihren Kindern einen Einstieg in die Nach-Grundschulzeit ohne Smartphone zu ermöglichen – sowohl in der Schule als auch zuhause.
Damit wird eine gänzlich smartphonefreie Klasse mit rund 25 Schülern dort mit Sicherheit zustandekommen. Da es noch andere Optionen für Sonderklassen gegeben hat, gibt es in der Domschule zudem die Überlegung, jene Schüler mit einem doppelten Wunsch zumindest in einer Klasse zusammenzufassen, die dann zur Hälfte aus Kindern ohne Smartphone bestehen würde.
Grundsätzlich habe die Schulleitung von den Eltern die Rückmeldung bekommen, dass es gut sei, dass sich die Schule des Themas annehme und die Familien damit unterstütze, verrät Müller – in dem Sinne, dass es familieninterne Diskussionen um die Anschaffung eines Smartphones erleichtert, wenn auch alle oder viele Mitschüler noch keines besitzen.
Das Osnabrücker Ratsgymnasium vermeldet sogar mehr als ein Drittel Zustimmung für den Erstversuch einer smartphonefreien fünften Klasse. „Wir gehen von einer großen Klasse mit 25 bis 30 Schülern aus, die allesamt kein Smartphone besitzen“, sagt Schulleiter Sebastian Bröcker zum gegenwärtigen Stand. Eine zweite hält er dagegen für eher unwahrscheinlich, weil es auch hier Überschneidungen mit anderen Optionen gibt.
Für eine kombinierte smartphonefreie Latein-Klasse werde es nach Lage der Anmeldungen zwar nicht reichen, aber: „Wir werden die restlichen smartphonefreien Kinder nicht im Regen stehen lassen“, versichert Bröcker. Will heißen: Auch sie sollen nicht auf verschiedene Klassen verteilt, sondern in einer weiteren zusammengefasst werden, in der sie dann aber nicht komplett unter ihresgleichen sein werden.
Im Gymnasium Ursulaschule spricht man in diesem Fall von einer „Interessengemeinschaft“ innerhalb einer gemischten Klasse, bestehend aus 13 Schülern, deren Familien sich in ihrem Anliegen „gegenseitig stärken“ können, erläutert Schulleiterin Daniela Boßmeyer-Hoffmann das Konzept. Eine komplett smartphonefreie Klasse wird es aber auch an der Ursulaschule geben, bestehend aus der Maximalkapazität von 27 Schülern mit einem leichten Überhang an Mädchen.
Gewundert habe man sich darüber, dass einige Eltern, deren Kinder ohnehin noch kein Smartphone haben, sich dagegen entschieden hätten. Mit dem Argument, dass sie ihre Kinder selbst an digitale Medien heranführen wollten, wenn der Druck etwa zu groß werde, weil die älteren Geschwister schon ein Smartphone haben. Dann möchte man sich wohl nicht von der Schule davon abhalten lassen, im Laufe des Schuljahres möglicherweise eines anzuschaffen.
Von der Grundidee sei allerdings eine Verlängerung der Option bis hin zur siebten Klasse möglich, sofern sich die Eltern das nach dem Probe-Schuljahr wünschen, sagt Boßmeyer-Hoffmann. Erstaunt zeigt sie sich darüber, dass über das Thema überhaupt so groß medial berichtet wird. Vielleicht sollte es einfach viel selbstverständlicher sein, dass Kinder im Alter von um die zehn Jahre noch kein eigenes Smartphone besitzen.