Osnabrück „Das Leben auf der Straße ist enorm würdelos“: Angebot für Frauen in Osnabrück eingeweiht
In Osnabrück gibt es für wohnungslose und obdachlose Frauen seit rund zwei Monaten einen Tagesaufenthalt. Männer haben dort keinen Zutritt. Einige Hoffnungen und Befürchtungen der Sozialarbeiterinnen haben sich bereits bewahrheitet.
Ist es ein Anlass zu feiern, dass Osnabrück nun einen Tagesaufenthalt für wohnungslose Frauen hat? Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sagte bei der Einweihung der Räume am Kollegienwall 3-4, sie habe etwas gezuckt, als Generalvikar Ulrich Beckwermert vom Feiern sprach.
Denn schließlich sei allein die Notwendigkeit eines solchen Ortes keine gute Nachricht. Der Osnabrücker Wohnungslosenhilfe des SKM sind rund 100 wohnungslose Frauen bekannt. Trotzdem gab Pötter dem Kirchenmann Beckwermert letztlich recht: „Ja, es ist ein Grund zum Feiern, weil wir es für die Frauen etwas leichter machen wollen“, so Pötter.
Bislang gab es für Obdachlose und Wohnungslose in Osnabrück nur gemischte Hilfsangebote für Frauen und Männer wie die Tageswohnung des SKM am Hasetor, gleich zu Beginn der Bramscher Straße. Jetzt gibt es speziell für Frauen einen sicheren und männerfreien Ort, an dem sie sich aufwärmen, duschen und mit Sozialarbeiterinnen austauschen können. „Sodita“ hat der SKM diesen Tagesaufenthalt betitelt: „Sodi“ ist die Abkürzung für die „Soziale Dienste SKM gGmbH“, „ta“ steht für Tagesaufenthalt.
Franziska Friedrich und ihre Kollegin Marina Lütgering hätten dort in den vergangenen zehn Wochen schon mehr als 30 verschiedene Frauen kennengelernt, sagen die beiden im noz-Gespräch. Pro Tag kämen sechs bis acht Frauen. Und es hat sich bewahrheitet, was sie sowohl befürchtet als auch gehofft hatten: „Wir treffen immer wieder auf Gesichter, die wir noch nicht kannten“, sagt Friedrich.
Der SKM hatte im Vorfeld vermutet, dass die Dunkelziffer von Frauen in der Wohnungslosigkeit in Osnabrück deutlich höher sein dürfte als die 100, die bislang schon die Hilfe der Sozialarbeiter in Anspruch nahmen. Dass in der Tageswohnung an der Bramscher Straße auch viele Männer seien, schrecke womöglich ab, nahm Sodi-Chef Heinz-Hermann Flint an. „Viele sind von Gewalt betroffen“, sagt Lütgering über die Besucherinnen von Sodita am Kollegienwall.
Die Raumsuche im Vorfeld war schwierig. Flint und Friedrich kassierten etliche Absagen von Vermietern. Rund ein Jahr lang waren sie auf der Suche. „Viele reden immer davon, dass wir der Wohnungslosigkeit entgegentreten und den Menschen helfen müssen, gerade den Frauen“, kritisierte der SKM-Vorsitzende Alexander Illenseer bei der Einweihungsfeier. „Aber wer A sagt, muss auch B sagen und kann dann nicht die Türen verschließen.“
Sein Dank ging daher an die Lani Immobilien GmbH, die als einziger Vermieter bereit war, die Räume für den Tagesaufenthalt für obdachlose Frauen zur Verfügung zu stellen.
Christian Jäger von der „Zentralen Beratungsstelle für Personen in besonderen sozialen Schwierigkeiten Niedersachsen (ZBS)“ schlug den Bogen zum Mangel an bezahlbaren Wohnungen. „Wir hätten nicht so viele Menschen auf der Straße, wenn es ausreichend kleine bezahlbare Wohnungen gäbe“, mahnte er.
„Das Leben auf der Straße ist enorm würdelos“, sagte Jäger. Und gerade Frauen würden dort Retraumatisierungen sowie Gewalt erleiden. Außerdem würden Frauen eher Vermeidungsstrategien verfolgen und versuchen, ihre Situation zu vertuschen, auch wenn das bedeute, dass sie sexuelle Ausbeutung in Kauf nähmen. Bei Sodita würden die Frauen nun Würde erhalten, so Jäger.