Osnabrück  „Wir sind doch gar nicht abgehängt! Aber …“: SPD Osnabrück auf Erkundungstour in Pye

Eva Marie Stegmann
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Von Eva Marie Stegmann
| 27.04.2026 13:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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In Pye fühlt man sich wohl, sagt man, aber warum wird der Stadtteil immer als abgehängt bezeichnet? Die SPD Nord mit OB-Kandidat Robert Alferink wagt sich ins CDU-schwarze Pye und hört zu, was fehlt. Am Ende gab es auch ein wenig Selbstkritik.

Da steht er also, direkt vor der Steintreppe zum Pyer Gasthaus Riepe: rot, über zwei Meter hoch, bedruckt mit weißen Versalien „SPD Osnabrück“. Der Aufsteller überragt Robert Alferink, der sich dort erst mal platziert hat. Er ist der Oberbürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten, an diesem Tag hat der Ortsverein Nord zum Abend mit ihm geladen. Den großen, roten Aufsteller nimmt die Stadt-SPD überall mit hin, immerhin ist Wahlkampf, für sie schon seit Anfang des Jahres.

Aber in Pye drängt sich, wenn man Alferink da so sieht vor dem sozialdemokratisch roten Aufsteller zusammen mit Ortsvereinschef Volker Witte, schon der Gedanke auf: So wissen die Leute gleich, was das für einer ist. Denn die SPD war schon mal präsenter in Pye als heute, früher, als es noch Ortsbürgermeister gab und auch danach, als Pye einen eigenen SPD-Ortsverein stellte und sich regelmäßig traf. Der Trend zur Zentralisierung hat den gefressen, er gehört jetzt zusammen mit dem Sonnenhügel, der Dodesheide und Haste zu „Nord“.

Bei der letzten Kommunalwahl schaffte es eine Pyerin für die SPD in den Stadtrat, 2021, doch sie gab ihr Amt ab. Die einzigen zwei Ratsmitglieder aus dem Stadtteil sind momentan von der CDU. Betrachtet man die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre, ist glasklar: Pye ist schwarz.

Im reservierten Raum im Gasthaus Riepe sind die Tische voll, das Gros der Gäste hat zu Hause ein sozialdemokratisches Parteibuch. Doch auch einige CDUler haben sich unters Volk gemischt und „einfach so“, ein paar Einheimische. Alferink stellt sich vor und sagt: „Ich will von Ihnen lernen, was die Probleme in Pye sind.“ Ihm gehe es darum, sich zu informieren, vor Ort Menschen kennenzulernen.

Eine kleine Umfrage hat die SPD Nord zuvor gemacht, an den Haustüren, allen voran SPD-Urgestein Christian Schlichting: „Die Älteren und Väter und Mütter wünschen sich Treffpunkte und einen Supermarkt, die Jüngeren bessere ÖPNV-Anbindung“, fasst er zusammen. Volker Witte, der für den Ortsverein Nord wieder in den Stadtrat gewählt werden will, begrüßt alle.

Und dann platzt es aus einer Genossin aus Dodesheide heraus: „Warum sind die Pyer eigentlich so unzufrieden?“ „Sind wir doch gar nicht“, entgegnet ein Herr. Und dann beginnt ein kleines Hin und Her, mit dem Resultat: Man fühle sich sehr wohl im grünen Pye, es sei wunderbar, dort zu leben. Nur gesehen von der Stadt Osnabrück, das fühle man sich wenig. Oder, wie es eine Bewohnerin des Stadtteils ausdrückt: „Wir zahlen schließlich auch Steuern!“ Dafür gibt es Beifall.

Weiter wird festgehalten: Es brauche einen Treffpunkt für die aktiven Vereine, außerdem einen Supermarkt. Wie wäre es zum Beispiel mit einem automatisierten Supermarkt, ohne Personal, in den man via EC-Karte jederzeit reinkönne, fragt Robert Alferink. „Ja, warum eigentlich nicht?“, antwortet ein Bürger.

„Ich habe einiges mitgenommen“, sagt er am Ende des Abends. Was ihm und auch Volker Witte bewusst ist: „Pye ist ein ganz eigener Stadtteil, sehr dörflich geprägt, mit eigenen Bedürfnissen.“ Hale Ünlü-Lachnitt aus der Dodesheide, die ebenfalls für die SPD in den Stadtrat will, findet: „Der Abend war toll, vor allem, dass wir offen über die Bedürfnisse der Menschen reden konnten.“

Volker Witte erklärt, wie das eigentlich kam, dass Pye nun zum Ortsverein Nord gehört: „Wir wurden gefragt von der Geschäftsstelle, ob wir uns mitkümmern können. Das Problem: Man muss hier vor Ort sein, nur so geht es.“ Ob der Ortsverein das versäumt habe in den vergangenen Jahren? „Naja, versäumt würde ich nicht sagen“, so Witte. „Aber man hätte sich früher kümmern können.“ Ja, da spiele sicher auch die Entfernung eine Rolle. „Wir sind ja ein relativ großer Ortsverein, Sonnenhügel, Dodesheide, Haste und nun Pye.“

Die Sache mit der Nahversorgung, etwa über einen 24-Stunden-Supermarkt ohne Personal, sowie den fehlenden Treffpunkt, all das wolle man nun angehen. „Wenn die Turnhalle zur Mehrzweckhalle werden würde, zu der alle Zugang haben, wäre das ein guter Anfang“, sagt OB-Kandidat Robert Alferink. Momentan gehe dies aus Brandschutzgründen nicht.

Eines aber ist Volker Witte ganz besonders wichtig: „Man muss vor Ort sein. Das hat mir der Abend vor allem klargemacht.“ Für ihn sei mit die größte Überraschung gewesen, dass Pye sich gar nicht abgehängt fühle – sondern nur zu wenig gesehen. Der Plan des SPD-Ortsvereins Nord lautet nun: In regelmäßigen Abständen Präsenz zeigen und so hoffentlich wieder eine Basis aus Aktiven aufzubauen.

Bis dahin aber bleibt die SPD realistisch: „Wenn wir bei der Kommunalwahl zwei bis drei Prozent mehr haben als letztes Mal, ist das für Pye schon ein kleiner Erdrutschsieg“, sagt Volker Witte.

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