Vergiftung im Türkei-Urlaub Prozess nach Tod von Hamburger Familie in Istanbul gestartet
Eine Hamburger Familie stirbt im Türkei-Urlaub nach einem Gift-Einsatz gegen Bettwanzen. Im Prozess in Istanbul fordern Angehörige Gerechtigkeit – und klagen über fatale Fehler.
Fünf Monate nach dem Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg durch Vergiftung hat der Prozess gegen sechs Angeklagte in Istanbul begonnen. Vor dem Gericht im Istanbuler Viertel Caglayan müssen sich unter anderem ein Hotelbesitzer und der Besitzer einer Schädlingsbekämpfungsfirma verantworten.
Die Staatsanwaltschaft wirft fünf Angeklagten in Untersuchungshaft „bewusste fahrlässige Tötung“ vor, wofür ein Strafmaß von bis zu 22,5 Jahren möglich ist. Einem weiteren Hotelmitarbeiter wird „fahrlässige Tötung“ vorgeworfen, was eine Strafe von bis zu 15 Jahren zur Folge haben könnte. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück.
Hotel verwendete Insektizid zur Bekämpfung von Bettwanzen
Die Eltern und ihre beiden Kleinkinder waren vergangenen November im Türkei-Urlaub zunächst mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus behandelt worden und dann verstorben. Ein Gutachten stellte später als Todesursache eine Vergiftung durch ein Insektizid fest, das zur Bekämpfung von Bettwanzen verwendet wurde.
Vor allem die Schädlingsbekämpfungsfirma steht in der Kritik. So sei die Chemikalie Aluminiumphosphid verwendet worden, die nicht für die Bekämpfung von Bettwanzen geeignet sei, heißt es in der Anklageschrift. Außerdem habe die Firma nicht die nötigen Genehmigungen gehabt und keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
Am Prozess nehmen auch der Bruder sowie die Eltern des Verstorbenen teil. Sie forderten die Höchststrafen für die Angeklagten. Der Anwalt und Freund der Familie, Yasar Balci, sagte, eine ganze Familie sei aufgrund einer Verkettung von Vernachlässigungen ausgelöscht worden.