Berlin  „Als Erstes kippen wir die Altersgrenze!“ – Reservistenverband will mehr Bundeswehr-Senioren

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 22.04.2026 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ab dem 65. Geburtstag dürfen ehemalige Soldaten weder beordert werden noch an Reserveübungen teilnehmen – selbst wenn sie fit sind und es wollen. Foto: dpa/Jens Kalaene
Ab dem 65. Geburtstag dürfen ehemalige Soldaten weder beordert werden noch an Reserveübungen teilnehmen – selbst wenn sie fit sind und es wollen. Foto: dpa/Jens Kalaene
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Mit 65 Jahren ist bei der Truppe Schluss, ob man will oder nicht. Der neue Präsident des Reservistenverbandes verspricht: Das wird sich ändern. Die Bundeswehr hält davon wenig.

Der Reservistenverband der Bundeswehr drängt auf eine gesetzliche Neuregelung der Altersgrenzen für Reservisten, um den massiven Personalproblemen der Truppe entgegenzuwirken. Wie der neue Verbandspräsident Bastian Ernst (CDU) deutlich machte, müsse die starre Grenze von 65 Jahren fallen, damit motivierte und qualifizierte Ehemalige der Bundeswehr länger erhalten bleiben können. „Aktuell ist mit 65 Jahren Schluss, ob man will oder nicht. Das muss sich schnell ändern“, sagte Ernst.

Bisher endet die Möglichkeit, aktiv an Wehrübungen teilzunehmen oder beordert zu werden, mit der Vollendung des 65. Lebensjahres. Regelmäßig hatten sich zuletzt betroffene Reservisten gemeldet, die sich von dieser Regel benachteiligt fühlen.

Ernst selbst kritisiert die Regelung als nicht mehr zeitgemäß. In Zeiten, in denen die Bundeswehr händeringend nach Fachkräften sucht, könne man es sich nicht leisten, fitte und einsatzbereite Freiwillige allein aufgrund ihres Geburtsdatums nach Hause zu schicken. Ernst betonte: Die Anhebung der Altersgrenze sei das Erste, für das er sich als neuer Präsident des 110.000 Mitglieder zählenden Reservistenverbandes stark machen wolle.

Schon in jüngster Vergangenheit hatten sich Politiker von Union und SPD grundsätzlich offen für eine Anhebung gezeigt, parlamentarische Initiativen hatte es aber nicht gegeben. Und die Bundeswehr hatte den Vorstößen eine deutliche Absage erteilt. Man habe an älteren Reservisten keinen Bedarf, sondern benötige vor allem jüngere Reservisten, „da diese in der Regel über eine höhere körperliche Belastbarkeit sowie eine bessere langfristige Verfügbarkeit verfügen.“

Kann der Reservistenverband, der schon unter Ernsts Vorgänger Patrick Sensburg die Altersgrenze kippen wollte, die Regel jetzt durchdrücken? „Ich bin aber sicher, dass wir eine Änderung im Bundestag durchbekommen werden. Es wäre gerechtfertigt“, meint Ernst. Der Vorteil: Nach der Wahl des neuen Präsidiums stehen drei aktive Bundestagsabgeordnete an der Spitze des Verbandes. Die Stellvertreter des Delmenhorster Ernst sind Esra Limbacher von der SPD und CSU-Mann Ralph Edelhäußler

Besonders in spezialisierten Bereichen sieht der Verbandschef großes Potenzial. Ältere Reservisten könnten wertvolle Unterstützung leisten, unter anderem als Mediziner, im wachsenden Bereich der Cyber-Abwehr oder im Heimatschutz. Viele Menschen in dieser Altersgruppe seien heute deutlich leistungsfähiger als Generationen zuvor und zeigten eine hohe Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Die Reserve ist für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit von enormer Bedeutung. Schon jetzt ist jeder vierte Dienstposten der Bundeswehr durch Reservisten besetzt, im Spannungsfall wäre die Reserve für die Logistik der Truppen durch Deutschland zuständig, ebenso für den Schutz kritischer Infrastruktur.

Zudem könnten Reservisten nach Ansicht von Befürwortern wichtige Personallücken bei einer Wehrpflicht schließen, etwa bei Übungen und auch bei der Musterung. In Deutschland gibt es nach Schätzungen knapp neun Millionen Reservisten. Acht Millionen von ihnen sind bereits über der Altersgrenze von 65 Jahren.

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